Deutscher Gewerkschaftsbund

Oh, du fröhliche... Urlaubsregelung: Weihnachtsgeld und Co. "Dr. Azubi"-Spezial

Weihnachten und Co. gehören ganz klar in die Sprechstunde von "Dr. Azubi"! Denn immer wieder gibt es Unstimmigkeiten beim Thema Urlaub, Arbeitszeit und Geld.

DGB-Jugend-Logo mit Weihnachtsmütze

© DGB-Jugend/Schrenkwerk

Anfrage Katrin (18), 2. Ausbildungsjahr, Verkäuferin: "Mein Urlaub in den Weihnachtsferien wird aufgrund von Personalmangel nicht genehmigt. Ist das rechtens?"

"Dr. Azubi": Es gilt der Grundsatz: Urlaub soll der Erholung dienen. Daher hast du als Auszubildende einen Anspruch darauf, deinen Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr zu nehmen. Zwei Wochen deines Jahresurlaubs darfst du dir – in der berufsschulfreien Zeit – am Stück nehmen.

Zudem sollte dein Urlaub zusammenhängend gewährt werden. Aufteilen geht nur, wenn du das wünschst oder bei dringenden betrieblichen Gründen. Eine Übertragung deines Urlaubs in das nächste Jahr ist nur aus wichtigen Gründen möglich.

Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs gibt es leider häufiger. Das Bundesurlaubsgesetz sagt: Du musst dich mit deinem Ausbildungsbetrieb über den Urlaubszeitpunkt einigen. Das heißt: Du stellst einen Urlaubsantrag, und dein Chef darf dir den Urlaub nur verweigern, wenn wichtige soziale Gründe (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeiter_innen mit Kindern) oder betriebliche Gründe (feststehender Betriebsurlaub) dagegensprechen.

Personalmangel ist nur in Ausnahmefällen als Begründung rechtens. Denn der reibungslose Betriebsablauf sollte nicht davon abhängen, ob du als Auszubildende da bist oder nicht. Ob dein Urlaub genehmigt werden muss, hängt also davon ab, ob du dir dieses Jahr schon zwei Wochen Urlaub am Stück nehmen konntest, ob es wichtige soziale oder betriebliche Gründe gibt.

"Dr. Azubi" rät: Urlaubsantrag stellen! Dein Ausbildungsbetrieb muss dann innerhalb eines Monats reagieren. Ansonsten kannst du deinen Urlaub als genehmigt sehen. Wende dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft, um auf Nummer sicher zu gehen.

Gülcan, 17, 2. Ausbildungsjahr, Fotografin: "Mein Betrieb schließt über Weihnachten und ich muss mir Zwangsurlaub nehmen. Geht das?"

"Dr. Azubi":
Ja, in diesem Fall musst du dir auch Urlaub nehmen. Wenn es in deinem Betrieb einen feststehenden Betriebsurlaub gibt, dann gilt er auch für dich. In dieser Zeit gibt es ja keine Möglichkeit, dich auszubilden.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog © Privat

Martin, 20, 3. Ausbildungsjahr, Schreiner: "Zählen 24. und 31. Dezember als Urlaubstag?"

"Dr. Azubi": Beim 24. und 31. Dezember handelt es sich nicht um gesetzliche Feiertage, sondern um ganz normale Arbeitstage. Daher musst du für diese Tage auch einen Urlaubstag opfern. Anders ist es, wenn ein Tarifvertrag gilt, eine betriebliche Übung zum Tragen kommt oder Vereinbarungen im Arbeitsvertrag getroffen wurden. Häufig kommen dadurch Regelungen zustande, die dir einen halben Urlaubstag gewähren. Eine so genannte betriebliche Übung tritt in Kraft, wenn dein Ausbildungsbetrieb dreimal hintereinander die gleiche Regelung getroffen hat.

Melina, 17, 1. Ausbildungsjahr, Restaurantfachfrau: "Ich bin in der Gastronomie tätig. Mein Betrieb verlangt von mir, dass ich am 24. Dezember und am 1. Januar arbeite. Darf er das?"

"Dr. Azubi": Nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbschG) dürfen Jugendliche an Sonntagen und Feiertagen nicht beschäftigt werden. In der Gastronomie und in der Landwirtschaft gibt es aber Ausnahmen. Wirst du an einem Feiertag beschäftigt, der auf einen Werktag fällt, muss dir in derselben oder der folgenden Woche ein Ersatzruhetag gewährt werden. Laut JArbschG darfst du an Weihnachten und Silvester nur bis 14 Uhr beschäftigt werden. Am 25. Dezember, am 1. Januar, am ersten Osterfeiertag und am 1. Mai gilt ein absolutes Beschäftigungsverbot. Dann dürfen Jugendliche unter keinen Umständen beschäftigt werden!

Gewerkschaften und Weihnachten:
62 Prozent der Mitglieder einer Gewerkschaft erhalten Weihnachtsgeld.
53 Prozent der Nichtmitglieder erhalten Weihnachtsgeld.

Elisa, 18, 2. Ausbildungsjahr, Bankkauffrau: "Festangestellte bekommen bei uns Weihnachtsgeld. Wir Azubis nicht. Ich finde das irgendwie ungerecht."

"Dr. Azubi":
Gibt es in deinem Betrieb eine tarifvertragliche Regelung oder eine Betriebsvereinbarung in Sachen Weihnachtsgeld, muss es gezahlt werden. Wenn nicht, ist eine Differenzierung der Höhe des Weihnachtsgeldes nach Personengruppen im Unternehmen nur im begründeten Einzelfall möglich. Nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz muss der Arbeitgeber die Bildung unterschiedlicher Gruppen sachlich rechtfertigen. Ebenso muss für eine Ungleichbehandlung ein sachlicher Grund vorliegen.

Ein Beispiel: Alle Außendienstmitarbeiter_innen erhalten kein Weihnachtsgeld, da sie von den Kunden immer Weihnachtsgeschenke bekommen. Innendienstmitarbeiter_innen erhalten als Ausgleich vom Arbeitgeber Weihnachtsgeld.

Sind die Arbeitsbedingungen einer Gruppe miteinander vergleichbar, so müssen diese Mitarbeiter_innen die gleiche Höhe an Weihnachtsgeld erhalten, eine willkürliche Kürzung ist somit nicht möglich. Auch dann nicht, wenn du krank gewesen bist. Es sei denn, der Arbeits- oder Tarifvertrag sieht eine Kürzung oder Streichung des Weihnachtsgeldes für den Krankheitsfall vor.

Erhältst du aufgrund einer betrieblichen Übung Weihnachtsgeld, kann es bei langer Krankheit womöglich gestrichen werden. Da hier die Rechtsgrundlagen kompliziert sind, kommt’s auf den Einzelfall an. Wenn du einen Rechtsanspruch auf Weihnachtsgeld hast und dein Arbeitgeber nicht zahlt, dann solltest du die Leistungen schnell schriftlich einfordern. Oft sind Ausschlussfristen zu beachten!

"Dr. Azubi" sagt: Wenn du kein Weihnachtsgeld erhalten hast, geh zur JAV, zum Betriebsrat oder zu deiner Gewerkschaft. Sie kontrollieren die Einhaltung der Rechtsgrundlagen zugunsten der Azubis.


(aus der Soli aktuell 12/2016, Autorin: Julia Kanzog)

Frohes Fest!
Keine Frage: Weihnachten macht mit Extra-Geld erheblich mehr Spaß als ohne. Blöd, dass der Anspruch auf Weihnachtsknete nicht gesetzlich geregelt ist. Welche rechtlichen Ansprüche haben die Arbeitnehmer_innen? Die zum Jahresende immer wieder auftauchenden Unsicherheiten hat der DGB zum Anlass genommen, der Weihnachtsgratifikation ein Spezialfaltblatt zu widmen.


DGB: Weihnachtsgeld. Informationen und Tipps für Beschäftigte, 2015. Im Download auf www.dgb-bestellservice.de

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

Hier geht's zum Soli-Archiv

WIR IM SOCIAL WEB