Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildung ist Zukunft: Der Parlamentarische Abend der DGB-Jugend 2016

Wie wir einen Beruf erlernen, das bestimmt die Zukunft der jungen Generation und der gesamten Gesellschaft. Der Parlamentarische Abend der DGB-Jugend am 30. November 2016 in Berlin.

Parlamentarischer Abend

© Jürgen Kiontke

"Klärt das mal und macht was draus!": Die Gewerkschaftsjugend beim Parlamentarischen Abend

Frau Wanka kriegt Besuch
Marie-Therese studiert dual: Umwelttechnik im siebten Semester. Eine Ausbildung zur Mechatronikerin hat sie bereits abgeschlossen. "Im dualen Studium gab es keine Ausbildungs-, sondern nur eine Studienzusatzvergütung. Überhaupt: Wenn ich schon einen Ausbildungsberuf mache, will ich auch einen Vertrag, der unters BBiG fällt, sodass der Ausbildungsrahmenplan auch für mich gilt. Nachher fallen Ausbildungsinhalte einfach unter den Tisch."

Sie ist heute, am 30. November, nach Berlin gekommen, um am Parlamentarischen Abend der DGB-Jugend im Hotel Ameron teilzunehmen. Angereist ist sie schon ganz früh: Denn mittags gab es eine bunte Aktion vor dem Bundesbildungsministerium, auf dessen Chefin die Gewerkschaftsjugend nicht gut zu sprechen ist: Ministerin Johanna Wanka (CDU) hat eine Evaluation des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) in Auftrag gegeben, wie es der Koalitionsvertrag der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD vorsah. Heraus kam, dass es keinen Änderungsbedarf an dem zuletzt 2005 überarbeiteten wichtigsten Gesetz zur beruflichen Bildung in Deutschland gibt. Seitdem schweigt Wanka.

Das will die Gewerkschaftsjugend
Die Gewerkschaftsjugend hat entschieden: Wenn Johanna Wanka nicht zu uns kommt, kommen wir zu ihr. Die Forderungen ihrer Kampagne zu einer BBiG-Reform haben sie ihr ans Ministeriumsfenster geheftet. Das BBiG soll zu einem einheitlichen Gesetz, das einen gleichen Qualitätsstandard für alle Ausbildungsberufe und betriebliche Phasen von Ausbildungen sicherstellt, ausgebaut werden. Es soll auch für dual Studierende in ihren Praxisphasen in einem grundständigen Studium gelten, ebenso für jede Form von Praktika, die dazu dienen, Lernziele oder Abschlüsse im beruflichen Sinne zu erlangen. Für alle in Deutschland lebenden jungen Menschen soll es einen rechtlich verbindlichen Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung geben. Es muss klar im BBiG verankert sein, dass die Berufsausbildung für die Auszubildenden und dual Studierenden kostenfrei stattfindet. Und die Eignung des Betriebs und der Ausbilder_innen muss auch endlich festgeschrieben werden. Diskutieren mit Abgeordneten

Ein Jahr lang bringt die DGB-Jugend das Thema nun schon erfolgreich in die Öffentlichkeit – mit Diskussionsrunden in Wahlkreisen und Betrieben, mit Statements und Aktionen. Mit dem Parlamentarischen Abend wendet sie sich direkt an die Bundestagsabgeordneten, hat eine "Fishbowl-Diskussion" organisiert. In einem inneren Kreis stehen Stühle, dort wird diskutiert. Außen sitzen die Zuhörer_innen. Wer mitreden will, setzt sich einfach auf einen freien Platz.

Zu Beginn beschreibt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack den Ist-Zustand. Die Ausbildungsqualität leide seit geraumer Zeit: "Die Evaluation des Ministeriums blendet das aus." Mit ihrer Kampagne habe die DGB-Jugend erreicht, dass die Probleme mit der Ausbildung im ganzen Land diskutiert werden.

DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller stellt heraus, dass es bei frauendominierten Berufen besonders schlecht aussieht. Und schon 40.000 Ausbildungsplätze seien unbesetzt geblieben, hauptsächlich wegen mangelnder Qualität.

Etwa 90 Menschen sind gekommen: Außer den jungen Mitgliedern der Gewerkschaften die Ausbildungsexpert_innen der Bundestagsfraktionen, mit Ausnahme der CDU. Die Abgeordneten sind oft in Betrieben unterwegs und wissen: Viele Unternehmen bilden gar nicht mehr aus. Andere wiederum berichten von einem Betreuungsschlüssel von 1:60. Es müsse dringend was getan werden, da liegen sie mit der Gewerkschaftsjugend durchaus auf einer Linie.

Jutta Krellmann von der Linkspartei merkt an, dass man auch die Situation der Ausbilder_innen im Blick haben sollte. Die bekämen ja nicht etwa zusätzlich Geld. Und seien selbst oft überlastet. "JAV und Betriebsräte müssen da auch gut kontrollieren."

Bald ist Wahl
Die Fischglas-Debatte zeigt aber auch Schwierigkeiten und verschiedene Sichtweisen auf. Rainer Spiering (SPD) etwa gibt zunächst zu bedenken, dass das duale Studium in den Rechtskreis Universität gehöre. Damit sei es Ländersache, es gebe da erstmal keine rechtliche Handhabe, etwas an den Studienbedingungen über das BBIG zu ändern.

Sonja Staack von der GEW kontert: "Beim dualen Studium kann ich nur studieren, wenn ich einen Ausbildungsvertrag habe. Und dann ist das BBiG nicht der richtige Ort? Wirklich? Klärt das mal und macht was draus", rät sie den Politiker_innen.

Fazit: Sonjas Hinweis kann man durchaus zum Programm machen. Denn alle Parteien bereiten sich schon auf den Wahlkampf vor, sammeln die Themen für ihre Wahlprogramme und die Koalitionsverhandlungen ein. "Wir werden ihnen klarmachen, welche Erwartungen junge Gewerkschafter_innen an sie vor und nach der Bundestagswahl haben", sagt DGB-Jugend-Referentin Anna Leona Gerhardt.


(aus der Soli aktuell 12/2016, Autorin: Soli aktuell)

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