Deutscher Gewerkschaftsbund

Neue Azubis - JAV im Einsatz. Der JAV-Ratgeber

In der Soli 10/2016 berichteten wir über Fragen, die Azubis zum Ausbildungsstart haben. In dieser Ausgabe geht es um den Ausbildungsbeginn aus Sicht von JAV und Betriebsrat.

JAV Logo

Auch in diesem Herbst kommen wieder jede Menge junger Leute in die Betriebe und beginnen eine Berufsausbildung. Neben dem Betriebsrat ist hier natürlich die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) gefragt – schließlich vertritt sie die Interessen der neuen Azubis!

Auch wenn sich in diesem Jahr die Amtszeit der JAV ihrem Ende nähert, sollte sie sich nicht zuletzt aus Eigennutz um die neuen Kolleg_innen kümmern. Wenn es zeitlich passt, also der Wahltermin nach Beginn der Berufsausbildung stattfindet, sind die neuen Azubis natürlich wahlberechtigt. Rechtzeitiges Ansprechen und Informieren über die JAV-Wahl kann zu einer hohen Wahlbeteiligung führen.

Nicht vergessen: Da die JAV-Wahl keinerlei Mindestdauer für eine Betriebszugehörigkeit voraussetzt, können aus dem Kreis der neuen Azubis unter Umständen auch noch Kandidat_innen für die aktuelle Wahl gewonnen werden. Mitmachen in der JAV bietet sich insbesondere für diejenigen an, die sich eventuell schon mal in der Schule als Klassensprecher etc. engagiert haben oder aber aktiv in einer Jugendorganisation einer Partei bzw. in Verbänden oder Initiativen sind.

Um für sich und die Arbeit der JAV zu werben, bedarf es natürlich Informationen und Kontakte über die neuen Azubis. Bereits vor Beginn der Berufsausbildung wird die JAV erfahren haben, wie viele Ausbildungsplätze überhaupt und in den jeweils angebotenen Ausbildungsgängen angeboten und besetzt werden sollen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, diese Informationen im Rahmen der Personalplanung (vgl. § 92 Betriebsverfassungsgesetz, BetrVG) dem Betriebsrat mitzuteilen. Weil die JAV ein Recht der Teilnahme an sämtlichen Betriebsratssitzungen hat, wird sie also auch über die beabsichtigten personellen Maßnahmen im Bilde sein.

Gerade in größeren Betrieben bzw. bei einer größeren Anzahl von Azubis, die verschiedene Ausbildungsarten absolvieren, bietet es sich an, die Arbeit aufzuteilen und bestimmte JAV-Mitglieder mit der "Betreuung" zu beauftragen, die am besten selbst in der gleichen Ausbildung stecken.

In dieser Phase sollte sich die JAV mit dem Inhalt der für die neuen Azubis geltenden Ausbildungspläne bzw. Ausbildungsrahmenpläne und der jeweiligen Ausbildungsordnung beschäftigen. In vielen Unternehmen bestehen Betriebsvereinbarungen für die Ausgestaltung der Ausbildung.

Oft finden Einführungswochen für die neuen Azubis statt; da sind Betriebsrat und JAV natürlich mit dabei. Einen rechtlichen Anspruch gibt es darauf aber nicht. Ob die Gremien überhaupt in diese Orientierungsphase einbezogen werden, entscheidet leider nur der Arbeitgeber.

Achtung: Gerade in Betrieben, wo nur dem Betriebsrat das Recht zur Vorstellung eingeräumt wird, solltet ihr darauf drängen, dass auch ein Vertreter der JAV Gelegenheit erhält, sich vorzustellen!

Flyer drucken
Sämtliche JAV-Mitglieder und auch die ersten Ersatzmitglieder sollten sich mit farbigem Lichtbild im Intranet oder am Schwarzen Brett mit Name, Alter, Ausbildungsjahr, Beruf und Kontaktinfos vorstellen.

Obendrein könnt ihr Flyer mit (Mindest-)Informationen austeilen. In einigen Betrieben verteilt die JAV auch selbsterstellte Broschüren. Über die weiteren Inhalte derartiger Informationen sollten sich die JAVis verständigen.

Zum ersten Bekanntmachen bedarf es nicht unbedingt dicker Hefte. Zumindest sollte sich aber die Botschaft entnehmen lassen, dass die JAV für Azubis bei allen auftretenden Problemen im Betrieb Ansprechpartner ist. Schließlich gehört es ja auch zu ihren gesetzlichen Aufgaben, Anregungen und Beschwerden ihrer Wähler_innen aufzunehmen und mit Hilfe des Betriebsrats durchzusetzen.

Sprechstunden
Werden Sprechstunden angeboten, sollten sie – egal ob es sich um eigene Termine der JAV handelt oder ob sie an den Sprechstunden des Betriebsrats teilnimmt – mit konkreten Zeiten und Ort bekanntgegeben werden.

Auf keinen Fall dürfen Infos darüber fehlen, welche betrieblichen Regelungen zu Gunsten der Azubis existieren, die über die Vorgaben des Gesetzgebers (Kostenerstattung für Berufsschulbücher etc.) hinausgehen.

Tipp: Stimmt die Materialien mit den zuständigen Betriebsratsmitgliedern und dem Jugendsekretär der Gewerkschaft ab!

So kommt das Material zu den Azubis
Am besten ist die persönliche Ansprache: Die JAV ist berechtigt, eine sogenannte Betriebsbegehung durchzuführen, und kann die Azubis einfach an ihren Ausbildungsplätzen besuchen.

Hinweis: Voraussetzung für die Betriebsbegehung ist, dass sich das entsprechende JAV-Mitglied bei seinen Vorgesetzten ordnungsgemäß abmeldet. Hier reicht es, wenn man mitteilt, dass man als JAVi innerhalb des Betriebs unterwegs ist. Eine Genehmigung oder vorherige Zustimmung der Arbeitgeberseite ist nicht notwendig. Allerdings muss der Betriebsrat der Begehung vorher zustimmen. Da hier kein Eilfall vorliegt, in dem die JAV sofort tätig werden muss, ist ein Vorlauf von einigen Tagen sinnvoll.

Wichtig: Durch die Betriebsbegehung dürfen die Betriebsabläufe nicht gestört werden. Hier sollte man immer die erfahreneren Betriebsrät_innen um entsprechende Unterstützung bitten.

Tipp: Führt die Betriebsbegehung doch gleich mit zusammen mit einem Betriebsrat durch!

Gute Erfahrungen haben viele JAVis mit Begrüßungspartys gemacht. Für die Vorbereitung wendet ihr euch an Betriebsrat und Gewerkschaft – warum nicht eine Party im Gewerkschaftshaus? Es soll im Übrigen auch einige Betriebe geben, in denen die JAV einen Zuschuss erhält oder zumindest Räumlichkeiten nutzen kann… Einen Versuch ist es allemal wert!


(aus der Soli aktuell 11/2016, Autor: Wolf-Dieter Rudolph)

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§ 92 BetrVG: Personalplanung
(1) Der Arbeitgeber hat den Betriebsrat über die Personalplanung, insbesondere über den gegenwärtigen und künftigen Personalbedarf sowie über die sich daraus ergebenden personellen Maßnahmen und Maßnahmen der Berufsbildung anhand von Unterlagen rechtzeitig und umfassend zu unterrichten. Er hat mit dem Betriebsrat über Art und Umfang der erforderlichen Maßnahmen und über die Vermeidung von Härten zu beraten.

(2) Der Betriebsrat kann dem Arbeitgeber Vorschläge für die Einführung einer Personalplanung und ihre Durchführung machen.

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