Deutscher Gewerkschaftsbund

BBIG: Wir bleiben dran an der Reform, sagt DGB-Jugend-Referentin Anna Leona Gerhardt

Die dringend notwendige BBiG-Reform wird es mit der jetzigen Regierung nicht geben!? Das ist verantwortungslos!

Anna Leona Gerhardt

© Privat

Die BBiG-Reform bleibt aus, wir bleiben dran: Anna Leona Gerhardt von der DGB-Jugend

Fast 60 Prozent der Auszubildenden gehen krank zur Arbeit, ein Drittel leistet Überstunden – so steht es im Ausbildungsreport der DGB-Jugend, bei dem fast 14.000 Auszubildende befragt wurden. Aber das Bundesbildungsministerium kommt in seinem Evaluationsbericht zum Berufsbildungsgesetz (BBiG) zu dem Ergebnis: kein Änderungsbedarf beim Thema Ausbildungsqualität. Dabei hätte es so viel Grund für gesetzliche Neuregelungen gegeben, etwa bei den Überstunden, der Finanzierung von Ausbildungsmitteln oder auch zum dualen Studium.

Die Gewerkschaftsjugend hat sich in den vergangenen Monaten für die Reform ins Zeug geworfen. Wie es scheint, ist die zuständige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) aber nicht wirklich an einer ernsthaften Lösung der Ausbildungskrise in Deutschland mit ihren zahlreichen Ausbildungsabbrüchen, dem Mangel an Qualität und dem daraus resultierenden Fachkräftemangel interessiert.

"Das Thema Ausbildungsqualität betrifft unsere jungen Mitglieder massiv", sagt DGB-Jugend-Referentin Anna Leona Gerhardt. "Wir wollen, dass Johanna Wanka jetzt mit uns redet." Eine Einladung in den DGB-Bundesjugendausschuss hat die Ministerin bisher ausgeschlagen.

Die Aktionen rund ums BBiG hatten aber auch positive Effekte. Die Gewerkschaftsjugend hat es geschafft, dass das Thema Ausbildungsqualität bundesweit in den Wahlkreisen mit den Abgeordneten diskutiert wurde. Die Politik hat nun einen Einblick in die Problemlagen im Ausbildungssektor bekommen. Auch in den Betrieben ist das Thema aktuell: So gibt es bei der IG Metall Projekte, um Jugendvertreter_innen gezielt in Sachen Qualitätsverbesserung in der Ausbildung zu schulen. Und die prekären Verhältnisse in kritischen Branchen wie Handwerk oder Hotel- und Gaststätten sind ins Licht der Öffentlichkeit gerückt worden.

Am 30. November wird die DGB-Jugend noch einmal nachhaken: Zu ihrem Parlamentarischen Abend in Berlin sind die Ausbildungsexpert_innen der Parteien eingeladen, um zur bisher ausgefallenen BBiG-Reform Stellung zu nehmen. "Wir erhoffen uns intensive Diskussionen um Themen wie die Ausbildungsgarantie oder auch die Umlagefinanzierung", sagt Gerhardt. "Die Abgeordneten, die zu uns kommen, sollen gestärkt in den Wahlprozess gehen." Das Thema Ausbildung müsse zwingend in die Wahlprogramme der Parteien geschrieben werden. "Wir wollen ein Signal in Richtung Bundestagwahl setzen: Wer die duale Ausbildung nicht an die Wand fahren will, muss die Qualität der Ausbildung unbedingt verbessern", sagt die DGB-Jugend-Expertin.


(aus der Soli aktuell 11/2016, Autorin: Soli aktuell)

Hier geht's zum Soli-Archiv

WIR IM SOCIAL WEB