Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildung: Das Starterpaket von Dr. Azubi

Mit der Ausbildung beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Da steigen auch die Clicks im "Dr.-Azubi"-Forum! Julia Kanzog hat Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Der Abschluss des Ausbildungsvertrages
Der Ausbildungsvertrag muss schriftlich abgeschlossen und von dir, deinem Ausbilder und bei Minderjährigen noch von den gesetzlichen Vertreter_innen unterschrieben werden. Der Ausbildungsvertrag muss mindestens folgende Punkte beinhalten:

  • Ausbildungsberuf
  • Beginn und Dauer der Ausbildung
  • Ausbildungsort und -maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte
  • sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung
  • tägliche und wöchentliche Arbeitszeit
  • Dauer der Probezeit
  • Zahlung und Höhe der Vergütung
  • Urlaubstage.

Im Ausbildungsvertrag ist zudem festgelegt, wie das Ausbildungsverhältnis gekündigt werden kann. Er enthält Hinweise auf Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen.

"Dr. Azubi" empfiehlt: Erst fragen, dann unterschreiben. Prüfe den Vertrag genau und wende dich an deine Gewerkschaft, wenn dir Punkte unklar sind. Viele Betriebe vernachlässigen ihre Pflicht, einen betrieblichen Ausbildungsplan anzufertigen. Da der zentral für deine Ausbildung ist, solltest du spätestens nach der Probezeit darauf bestehen, dass er vorliegt und auch eingehalten wird.

Was bedeutet "Probezeit"?
Die Probezeit hat große Bedeutung: Der Ausbilder prüft, ob du für den Beruf geeignet bist. Und du kannst dich vergewissern, ob du den richtigen Beruf gewählt hast. Sie soll laut Gesetz mindestens einen Monat und maximal vier Monate dauern. In dieser Zeit können beide Vertragsparteien ohne Angabe von Gründen schriftlich das Ausbildungsverhältnis kündigen.

"Dr. Azubi" empfiehlt: Eine Verlängerung der Probezeit ist nur im Ausnahmefall möglich. Nur wenn du mehr als ein Drittel der Ausbildungszeit krank gewesen bist und die Verlängerung im Ausbildungsvertrag schriftlich vereinbart wurde, verlängert sich die Probezeit um deine Krankheitstage.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog © Privat

Wie hoch ist meine Vergütung?
Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist häufig in Tarifverträgen festgehalten. Sie steigt gesetzlich festgelegt jedes Ausbildungsjahr und muss spätestens am letzten Arbeitstag im Monat auf dein Konto überwiesen werden.

"Dr. Azubi" empfiehlt: Auch wenn für dich kein Tarifvertrag gilt, darf dein Betrieb den branchenüblichen Tariflohn nicht mehr als 20 Prozent unterschreiten. Ansonsten ist die Vergütung sittenwidrig und muss angepasst werden.


Muss ich Überstunden machen?
Überstunden sind in der Ausbildung nicht vorgesehen. Die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit reicht aus, um dir alle Ausbildungsinhalte nach der sachlichen und zeitlichen Gliederung beizubringen. Fallen dennoch Überstunden an, müssen die Grenzen nach dem Jugendarbeitsschutz- sowie Arbeitszeitgesetz eingehalten werden.

"Dr. Azubi" empfiehlt: Solltest du Überstunden machen, müssen sie in Form von Freizeit oder zusätzlicher Vergütung ausgeglichen werden. Frage bei deiner Gewerkschaft nach, ob für dich ein Tarifvertrag gilt, in dem ein Zuschlag vereinbart wurde.

Wie hoch ist mein Urlaubsanspruch?
Der gesetzliche Mindesturlaub ist nach Alter gestaffelt. In deinem Ausbildungsvertrag findest du die Anzahl der Urlaubstage. Gilt ein Tarifvertrag für dich, dann kann es gut sein, dass hier mehr Urlaubstage ausgehandelt wurden. Du darfst dir mindestens zwei Wochen Urlaub am Stück in der berufsschulfreien Zeit nehmen.

"Dr. Azubi" rät: Stelle deinen Urlaubsantrag frühzeitig in schriftlicher Form. Urlaub darf dir nur verweigert werden, wenn dringende betriebliche oder soziale Gründe dagegen sprechen.

Wer zahlt Arbeitsmittel und Kleidung?
Die Ausbildung ist für dich kostenfrei. Daher muss dein Betrieb alle Sachen, die du für die Arbeit und die Prüfung brauchst, kostenlos zur Verfügung stellen. Kosten für Werkzeuge, Werkstoffe und Übungsstücke müssen also vom Betrieb getragen werden. Gleiches gilt für spezielle Arbeits- und Sicherheitskleidung.

"Dr. Azubi" rät: Verlangt dein Betrieb von dir die private Anschaffung von Ausbildungsmitteln, dann kannst du die Kosten nach der Probezeit wieder zurückfordern.

Welche Aufgaben gehören zu meiner Ausbildung?
Für jeden Beruf gibt es einen Ausbildungsrahmenplan, in dem alle relevanten Ausbildungsinhalte festgehalten sind. Tätigkeiten, die dort nicht festgeschrieben sind, zählen zu den ausbildungsfremden Tätigkeiten und sind verboten. Auch darfst du nicht immer wieder mit den gleichen Routinetätigkeiten beauftragt werden.

"Dr. Azubi" rät: Bei ausbildungsfremden Tätigkeiten solltest du nicht lange schweigen. Weise deinen Ausbilder nach der Probezeit darauf hin, dass ausbildungsfremde Tätigkeiten verboten sind, schreibe die Wahrheit in dein Berichtsheft und hol dir Unterstützung bei deiner zuständigen Gewerkschaft.

Kann ich meinen Ausbildungsplatz wechseln?
Ein Wechsel ist möglich, deine bisherige Ausbildungszeit kann angerechnet werden. Während der Probezeit kannst du ohne Angabe von Gründen kündigen. Nach der Probezeit ist ein Wechsel nur möglich, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist oder wenn er gegen seine Pflichten als Ausbildungsbetrieb verstößt.

"Dr. Azubi" rät: Um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten, solltest du dir zunächst eine neue Ausbildungsstelle suchen und erst dann kündigen, wenn du eine gefunden hast. Da eine Kündigung eine Wissenschaft für sich ist, solltest du sie nie alleine schreiben und dir Unterstützung bei deiner Gewerkschaft holen.

Gibt es finanzielle Unterstützung?
Wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst und deine Erstausbildung machst, dann kannst du Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) bei der Agentur für Arbeit beantragen. Bei der Berechnung wird das Gehalt deiner Eltern mitberücksichtigt. Wenn du unter 25 Jahre alt bist und nicht mehr zuhause wohnst, dann steht dir das Kindergeld zu.

"Dr. Azubi" rät: Stelle deinen Antrag auf BAB frühzeitig, da sie nicht rückwirkend gezahlt wird. Seit dem 1. August 2016 können Auszubildende in bestimmten Fällen Arbeitslosengeld II erhalten. Erkundige dich am besten bei deinem zuständigen Jobcenter.


(aus der Soli aktuell 10/2016, Autorin: Julia Kanzog)

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