Deutscher Gewerkschaftsbund

Es kommt auf dich und mich an - Der 27. Januar

Stefanie Profus nimmt am 27. Januar 2016 für den DBJR an der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus teil. Im Vorfeld findet eine Jugendbegegnung statt.


Schriftzug "Dass Auschwitz nie wieder sei!"

© DGB-Jugend

Stefanie, welche Funktion hat die Jugendbegegnung?
Sie dient dazu, 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Partnerorganisationen des Bundestages zusammenzubringen. Es geht darum, sich gemeinsam mit dem Thema der Geschichte der NS-Zwangsarbeit, mit dem Erinnern an dieses Verbrechen und mit seiner Aufarbeitung nach 1945 auseinanderzusetzen. Wir werden in einem sehr umfangreichen Programm in Berlin und Nordhausen lernen, diskutieren; und mit den wenigen noch verbliebenen Zeitzeugen ins Gespräch kommen, um Lehren für unsere Zukunft daraus zu ziehen.

Was bringst du dort ein?
Vor allem meine persönliche Erfahrung und mein Wissen aus den zwei Jahren Projektarbeit für das Jugendbündnis "Dass Auschwitz nie wieder sei!".

Sind solche formalen Anlässe und Feierstunden sinnvoll?
Ja und nein. Sie bringen für den Moment Aufmerksamkeit, aber es geht doch um Kontinuität – die gelebte Toleranz im Alltag und das Eintreten gegen Rassismus. Da stellt sich für mich die Frage der Zielgruppe: Wenn im Bundestag eine Feierstunde abgehalten wird, erreicht das meist ja doch nur diejenigen, die sich sowieso schon für politisches Geschehen interessieren. Doch es braucht verschiedene Zugänge zum Thema Nationalsozialismus. Und da sind Workshops und Seminare vor allem für Kinder und Jugendliche als deutliche Verbesserung des schulischen Angebots notwendig.

Welches Interesse haben die Jugendverbände an dem Thema?
Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus hängt in Schulen oft vom persönlichen Engagement der Lehrkraft ab. Ich denke, dass Jugendverbände hier eine aktive Rolle einnehmen und durch erweiterte Bildungsangebote Interesse für Geschichte, vor allem auch im lokalen Kontext, wecken können. Sie können die Lehren aus der Vergangenheit mit einer aktiven – politischen – Haltung im täglichen Leben verknüpfen und Begeisterung wecken.

Laut aktueller Shell-Studie ist die Jugend heutzutage schrecklich pragmatisch. Wie sieht denn ein pragmatischer Zugang zum Thema Rechtsextremismus aus?
Indem man Jugendliche früh dort abholt, wo sie sich gerade in ihrem Leben befinden. Und ihnen, zum Beispiel durch Jugendverbände, aufgezeigt wird, wie sie sich aktiv gegen Rechtsextremismus einsetzen können.

Wie fit sind Verbandsjugendliche in Deutschland in Geschichte?
Unterschiedlich. Eine große Rolle spielt hier natürlich der Einstieg in Geschichte in der Schule. Darüber hinaus sind aber auch Einflüsse durch Familie, Freunde, Medien oder eben ehrenamtliches Engagement in Jugendverbänden, Sportvereinen & Co. Wichtig.

Die Menschen, die den Nationalsozialismus in echt erlebt haben, werden immer weniger – wie kann Gedenkarbeit ohne Zeitzeugen funktionieren?
Es wird natürlich vermehrt darauf hinauslaufen, dass Video- und Filmmaterialien von und über Interviews mit Zeitzeugen zum Einsatz kommen. Doch noch viel stärker wird es darauf ankommen, dass du und ich die Erinnerung (mit-)aufrechterhalten. Es ist unsere Aufgabe mitzuhelfen, dass Gedenkarbeit als Selbstverständlichkeit für unsere Demokratiearbeit angesehen wird.

S. Profus

© Jürgen Kiontke

Sollten sich die Verbände stärker selbst mit der Vergangenheit und dem Gedenken beschäftigen?
Viele Verbände machen das bereits. Zum einen aus ihrer eigenen Verbandsgeschichte heraus, zum anderen besteht ein Jugendverband ja aus einer bunten Mischung an Jugendlichen. Warum sollte man hier also nicht alle Interessen miteinbeziehen und vielfältige Angebote schaffen?


Stefanie Profus ist ehrenamtlich in der DGB-Jugend aktiv.


(aus der Soli aktuell 1/2016, Autorin: Soli aktuell)

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