Deutscher Gewerkschaftsbund

Zielgerade Ausbildungsabschluss

Für viele Azubis stehen die Abschlussprüfungen an. Bei der Vorbereitung ist einiges zu beachten. Und wie geht es nachher weiter, was passiert bei Nichtbestehen? Häufige Fragen im "Dr. Azubi"-Forum.

Prüfungsvorbereitung
Lukas macht sich im "Dr. Azubi"-Forum der DGB-Jugend große Sorgen. Während seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann war er noch nicht im Einkauf. Dieser Tätigkeitsbereich gehört laut Ausbildungsrahmenplan klar zu seiner Ausbildung und ist prüfungsrelevant. Da der Betrieb dazu verpflichtet ist, ihm diese Einblicke noch zu gewähren, sollte er dringend seinen Ausbilder dazu auffordern. Falls es strukturell keine Möglichkeiten gibt, muss der Chef Lukas die Möglichkeit geben, in einem anderen Betrieb Praxis im Einkauf zu bekommen oder für externe Schulungen sorgen.

Eva hingegen klagt, dass sie noch viel für die Prüfung lernen muss und aufgrund andauernder Überstunden keine Zeit dafür findet. Für das Prüfungsjahr steht ihr noch anteilig Urlaub zu, und der muss auch gewährt werden. Ebenso müssen angesammelte Überstunden vor der Prüfung als Freizeit gewährt werden. Taktisch sollten der Urlaubsantrag sowie der Überstundenausgleich frühzeitig abgegeben werden. Der Urlaub passt ganz gut in die Zeit kurz vor der Prüfung – dann kann er als Lernzeit genutzt werden.

Es wird ernst
Die Prüfung wird durch die jeweilige zuständige Kammer durchgeführt, und diese entscheidet auch über die Zulassung. Die Prüfungsordnung regelt die Zulassung, die Gliederung der Prüfung, die Bewertungsmaßstäbe, die Erteilung der Zeugnisse und die eventuell nötige Wiederholung (§ 47 Berufsbildungsgesetz, BBIG).

Zu der Abschlussprüfung kann zugelassen werden, wer die reguläre Ausbildungszeit absolviert und an der Zwischenprüfung teilgenommen hat. In einigen Berufen, wie z. B. bei Lukas der Einzelhandelskaufmann, gibt es eine gestreckte Abschlussprüfung. Das bedeutet: Die Prüfung besteht aus Teil I, der am Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfindet, und Teil II, der am Ende der Ausbildung durchgeführt wird.

Lukas' Ergebnisse im ersten Teil waren sehr schlecht. Er fragt sich, ob er überhaupt an dem zweiten Teil teilnehmen kann. Antwort: Ja, Lukas! Du musst sogar!

Die Ergebnisse aus Teil I fließen mit bis zu 40 Prozent in das Gesamtergebnis ein. Ob du die Gesamtprüfung bestanden hast, kann erst beurteilt werden, nachdem du beide Prüfungen abgelegt hast.

Grundsätzlich gilt bei einer gestreckten Abschlussprüfung: Bist du bei beiden Teilen durchgefallen, musst du auch beide Teile wiederholen. Falls du nur wegen Teil II durchgefallen bist, musst du auch nur Teil II wiederholen.

Wenn's gut klappt
Bei guten Leistungen kann die Ausbildungszeit auch verkürzt werden. Anke hat in allen prüfungsrelevanten Berufsschulfächern einen besseren Notendurchschnitt als 2,49, und ihr Betrieb schätzt ihre betrieblichen Leistungen auch als gut ein. Somit sind die Voraussetzungen für eine Verkürzung wegen guter Leistungen um ein halbes Jahr gegeben – und Anke kann bei der zuständigen Kammer einen entsprechenden Antrag stellen, um früher an der Prüfung teilzunehmen. Peter hat aufgrund eines Unfalls mehr als ein halbes Jahr seiner Ausbildungszeit gefehlt und Bedenken, seine Prüfung nicht zu bestehen. Dann gilt: In Ausnahmefällen wie diesem kann die Ausbildungszeit auch verlängert werden (§ 8 BBIG).

So, jetzt wird es aber ernst mit dem Ausbildungsende! Die fristgerechte Anmeldung zur Abschluss-prüfung erledigt der Betrieb. Da die Ausbildung für den Azubi kostenfrei ist, übernimmt der Betrieb auch die Gebühren und die Kosten für die Mittel, die für die Prüfung benötigt werden: das Gold für die Zahnkrone, das eine angehende Zahntechnikerin verarbeitet, und auch die Blumen fürs Gesteck, die eine junge Floristin beim Abschluss braucht.

Dein Arbeitgeber muss dich für die Teilnahme an der Prüfung freistellen (§ 15 BBIG). Bei Volljährigen wird nur die Zeit der Prüfung inklusive Pausen angerechnet. Musst du danach noch in den Betrieb kommen, wird die Fahrtzeit vom Prüfungsort in den Betrieb auf die Arbeitszeit angerechnet. Jugendliche müssen zusätzlich am Tag vor der Prüfung freigestellt werden (§ 10 Jugendarbeitsschutzgesetz).

Ende der Ausbildung und Übernahme
 Die Ausbildung endet mit Bekanntgabe der Ergebnisse durch den Prüfungsausschuss. Maria hat bestanden – Gratulation! Sie sagt im Betrieb Bescheid und arbeitet weiter. Somit ist sie stillschweigend ein unbefristetes Arbeitsverhältnis eingegangen, ihr steht das Gehalt einer Ausgelernten zu. Die Erklärung: Eine gesetzliche Regelung, die eine Übernahme nach der Ausbildung vorsieht, gibt es leider nicht. Falls es aber einen gültigen Tarifvertrag gibt, ist hier oftmals eine bindende Übernahme nach der Ausbildung festgehalten.

Prüfung nicht bestanden
Johannes ist durch die theoretische Prüfung gefallen, das hat ihm die Kammer schriftlich mitgeteilt. Er kann die Prüfung noch zweimal wiederholen. Seine betriebliche Ausbildung läuft bis zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt weiter. Wenn er will, verlängert sich die Ausbildung in seinem Betrieb bis zu der nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, höchstens aber um ein Jahr (§ 21 BBIG). Den Antrag auf die Verlängerungsfrist sollte Johannes auf jeden Fall schriftlich stellen. Wenn’s für ihn weitergeht, behält er auch weiterhin den Status als Azubi, kann die Berufsschule besuchen und an der Nachhilfe der Agentur für Arbeit teilnehmen, um sich noch einmal optimal auf die Wiederholungsprüfung vorzubereiten.

Max hingegen war mit dem Betriebsklima nicht zufrieden und ist durch die praktische Prüfung durchgefallen. Er möchte definitiv nicht mehr in seinem Betrieb bleiben und hat schon ein Angebot in einer anderen Firma. Er kann seine Ausbildungszeit auslaufen lassen, als "Ungelernter" ins Berufsleben einsteigen und an der Wiederholungsprüfung als externer Prüfling teilnehmen. Die Konsequenz: Er wird sich eigenständig um die Prüfungsanmeldung kümmern müssen, die Gebühren selber tragen – und die Berufsschule kann er dann auch nicht mehr besuchen.


(aus der Soli aktuell 6/2015, Autorin: Julia Kanzog)