Deutscher Gewerkschaftsbund

Was ich gelernt habe: Das Berichtsheft

Die schriftlichen Nachweise sind immer wieder Thema in der Ausbildungszeit: Das Berichtsheft, ein Dokument mit zentralem Wert.

Wenn man manche Zuschriften im "Dr. Azubi"-Forum der DGB-Jugend liest, könnte man fast glauben: Im Betrieb werden schriftliche Ausbildungsnachweise oft als unnötig angesehen. Und vom Azubi als unwichtig oder lästig! Wundert es einen da noch, wenn es kurz vor der Abschluss¬prüfung zu Konflikten im Betrieb kommt?

Hier kann man sehen, wie wichtig das Berichtsheft ist: Es ist das zentrale Dokument eurer Ausbildung. Wir klären eure zehn häufigsten Fragen zum Thema Berichtsheft, damit ihr wisst, was geht und worauf ihr achten müsst.

FAQ 1: Wer macht das Berichtsheft eigentlich zur Pflicht?
Die gesetzliche Verankerung findet sich im Berufsbildungsgesetz wieder, dem geltenden Recht für alle anerkannten dualen Ausbildungsberufe in Deutschland. Zudem können die geltende Ausbildungsordnung des jeweiligen Berufs oder Regelungen der zuständigen Stelle weitere Kriterien, das Berichtsheft betreffend, festlegen. Das Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) hat eine Empfehlung zum Führen des Berichtshefts herausgegeben.

FAQ 2: Wofür brauche ich das Berichtsheft?
Es dient als Stütze, damit sich Betrieb und Azubi über den Verlauf der Ausbildung im Klaren sind und die Ausbildungsinhalte reflektieren können. Es ist Kontrolle und Nachweis für weitere an der Ausbildung Beteiligte wie z. B. der Kammer. Sie schauen, ob der zeitliche und inhaltliche Ablauf deiner Ausbildung dem Ausbildungsplan entspricht. Ein ordnungsgemäß geführtes Berichtsheft ist Zulassungsvoraussetzung für die Teilnahme an der Abschluss- bzw. Gesellenprüfung. Für dich ist es zudem ein wichtiger Nachweis, welche Ausbildungsinhalte du gelernt hast und welche fehlen.

FAQ 3: Wer trägt die Kosten des Berichtshefts?
 Alle Kosten für die Ausbildungsmittel trägt der Betrieb. Dazu gehört auch das Berichtsheft als verpflichtender Bestandteil der Ausbildung.

FAQ 4: Wann schreibe ich das Berichtsheft?
Die Nachweise darfst du während deiner Arbeitszeit führen, da sie ja Pflichtbestandteil deiner Ausbildung sind. Du solltest deine Berichte regelmäßig, im Idealfall wöchentlich schreiben. Dein Betrieb muss dich sogar dazu anhalten, hier korrekt zu sein. Gibt es keine Regelung, frage am besten nach oder setz dir einen festen Termin, an dem du deine Berichte notierst.

FAQ 5: Was gehört in das Berichtsheft?
Die gesamten Inhalte deiner Ausbildungszeit: Tätigkeiten in der Arbeitszeit wie auch Lernstoff der Berufsschule werden dokumentiert. Und auch, wie lange du dort gesessen hast. Je nach Berufsfeld können auch Zeichnungen oder Skizzen Inhalt sein. Im Berichtsheft musst du zusätzliche bzw. überbetriebliche Unterweisungen protokollieren, und es ist mindestens in Stichpunkten zu führen.

FAQ 6: Wird das Berichtsheft kontrolliert?
Dein Berichtsheft muss mindestens monatlich von deinem Betrieb auf Richtigkeit und Vollständigkeit mit Unterschrift geprüft werden. Wenn du dein Berichtsheft unsauber geführt hast, es voller Tipp- oder Rechtschreibfehler ist, kann dein Ausbilder von dir verlangen, es zu berichtigen. Kümmert er sich nicht um die Kontrolle, werde selber aktiv und hol dir die entsprechenden Unterschriften schnellstmöglich. Warte damit lieber nicht bis kurz vor der Prüfung. Gerade wenn es in deinem Betrieb nicht so rund läuft, wird das Berichtsheft manchmal als Druckmittel verwendet.

FAQ 7: Wenn ich monatelang nur Ablage mache, schreibe ich das in das Berichtsheft?
Das Heft muss wahrheitsgemäß und ordentlich von dir geführt werden, und das umfasst alle Inhalte, die du während deiner Arbeitszeit am Ausbildungsplatz machst. Somit gehören auch diese Tätigkeiten in dein Berichtsheft.

FAQ 8: Im Betrieb wollen sie, dass ich das Berichtsheft neu schreibe, weil ich die Wahrheit reingeschrieben habe: also nur Ablage. Was mache ich?
Erst einmal dein Berichtsheft kopieren oder die Datei sichern. So sammelst du schon einmal Nachweise. Schreibst du ein neues Berichtsheft mit erfundenen Tätigkeiten, ist das Dokumentenfälschung – und du unterschreibst, dass du Ausbildungsinhalte gelernt hast, die du gar nicht kannst. Da musst du aktiv werden: mit deinem Betrieb den Ausbildungsrahmenplan durchgehen und schauen, dass du es in Zukunft mit allen Ausbildungsinhalten füllen kannst. Ist das dort nicht möglich, wechsle so schnell wie möglich die Ausbildungsstelle. Kannst du dem alten Betrieb nachweisen, dass du deine Ausbildung aufgrund der ausbildungsfremden Tätigkeiten verlängern musstest, macht er sich schadensersatzpflichtig. Hier kommt das Berichtsheft wieder in das Spiel, da du damit ein Beweismittel für deine Ablage- und sonstigen unsinnigen Tätigkeiten hast.

FAQ 9: Kann ein von mir nicht geführtes Berichtsheft zur fristlosen Kündigung führen?
Ja! Und zwar dann, wenn du dich wiederholt und vehement dagegen wehrst, es zu schreiben: Wenn dich dein Betrieb dazu aufgefordert hat, es zu führen, und dich mehrmals schriftlich abmahnt, weil du es verbummelt hast, es mit Inhalten zu füllen. Hat man in deinem Betrieb nie das Berichtsheft einsehen wollen und möchte das dann kurz vor der Prüfung nachholen, und du hast es nicht geführt, ist das natürlich kein Kündigungsgrund!

FAQ 10: Ich stehe kurz vor der Prüfung und mein Betrieb behält mein Berichtsheft ein – was jetzt?
Erst einmal Ruhe bewahren und darum bitten, es dir auszuhändigen. Du hast es mit Inhalten gefüllt, somit ist es dein Eigentum. Fruchtet das Gespräch nicht, weise den Betrieb schriftlich auf die Aushändigungspflicht hin, setze eine Frist. Klappt das auch nicht, hole dir so schnell wie möglich Unterstützung – wende dich an deine zuständige Gewerkschaft! Im Ernstfall kann sie das Berichtsheft auch einklagen.


BIBB-Empfehlungen fürs Berichtsheft: www.bibb.de/...


(aus der Soli aktuell 12/2015, Autorin: Julia Kanzog)