Deutscher Gewerkschaftsbund

Hindenburg: Wir bleiben dran

Das Projekt: Die Ehrung für den ehemaligen Reichspräsidenten muss ein Ende haben. Von Sascha Schmidt

Wie in vielen Städten in Deutschland existiert auch in Darmstadt eine Hindenburgstraße. Und wie an vielen anderen Orten setzen sich auch in Darmstadt zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen für ein Ende der Ehrung des ehemaligen Reichspräsidenten der Weimarer Republik ein.

Die Darmstädter Debatte um die Frage: "Wie ehrungswürdig ist Paul von Hindenburg?" dauert bereits mehr als zehn Jahre an. Nachdem seit 2002 zahlreiche Anträge in der Stadtver-ordnetenversammlung scheiterten, nahm das Bündnis gegen Rechts, in dem auch die DGB-Jugend mitwirkt, das Vorhaben zu Beginn des Jahres 2013 wieder auf. Unter dem Motto: "Hindenburgstraße umbenennen – Jetzt" rief der Zusammenschluss Anfang letzten Jahres zu einer Demonstration und zur Umbenennung der Straße auf.

Vor dem Hintergrund der Debatten rund um die NSU-Mordserie wurde Halit Yozgat als neuer Namensgeber vorgeschlagen. Yozgat wurde am 6. April 2006 in Kassel durch den NSU ermordet. Dieser Vorschlag wurde im Laufe der Demonstration sogleich in die Tat umgesetzt. Im Rahmen der bis heute andauernden Kampagne folgten zahlreiche Infostände, Veranstaltungen und Filmvorführungen. Zuletzt wurde jedoch erneut ein Umbenennungsantrag im Stadtparlament abgelehnt, diesmal vom Magistrat aus Bündnis 90/Die Grünen und CDU.

Eine Podiumsdebatte im Mai diesen Jahres – unter Beteiligung von Verantwortlichen der Stadt und dem Historiker Hannes Heer – machte jedoch deutlich: Jedem, der sich einem demokratischen Selbstverständnis verpflichtet sieht, muss die Ehrung Paul von Hindenburgs übel aufstoßen. Steht er doch für Kriegstreiberei, Nationalismus und den stetigen Abbau demokratischer Prinzipien in der Weimarer Republik. Die negativen Höhepunkte in Hindenburgs Vorhaben, die Demokratie zu beseitigen, stellen die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler und die Zustimmung zum "Ermächtigungsgesetz" dar.

Die DGB-Jugend wird daher weiter an ihrer Forderung festhalten, die Hindenburgstraße umzubenennen.


Sascha Schmidt ist DGB-Jugendbildungsreferent in Südhessen.


(aus der Soli 8-9/14, Autor: Sascha Schmidt)