Deutscher Gewerkschaftsbund

Gedenkkultur: Mich hätten die Nazis auch mitgenommen

"Widerstand leisten – zu jeder Zeit und überall!" heißt eine Videoreihe der IG Metall Jugend Berlin Brandenburg Sachsen. Bezirksjugendsekretär Christian Schletze-Wischmann erläutert das Projekt gegen das Vergessen.

Unter uns aktiven MetallerInnen entstand die Idee, eine Botschaft vor allem für die sozialen Netzwerke zu entwickeln. Wir wollten unseren KollegInnen, die unter Hitler leben mussten, danken, dass sie trotz Verfolgung und Inhaftierung weiterhin Widerstand geleistet haben. Wir wollten zum Nachdenken und zum Kämpfen animieren.

Mit der Hilfe der Gedenkstätte Sachsenhausen konnten wir direkt vor Ort drehen und so dem Projekt eine besondere Stimmung geben. Als Recherchegrundlage diente uns das im Metropol-Verlag erschienene Buch "Funktionäre des Deutschen Metallarbeiterverbandes im NS-Staat. Widerstand und Verfolgung".

Es geht um die einfache und leicht verständliche Botschaft, dass wir GewerkschafterInnen heutzutage mit die ersten wären, die ihrer Freiheit beraubt würden, kämen die Nazis wieder an die Macht. Genau wie unsere KollegInnen damals. Wir spitzen dies in den Videobeiträgen mit der Aussage zu: "Vor 80 Jahren hätten mich die Nazis auch mitgenommen."

Das Unterschätzen des Nationalsozialismus und die von Teilen der Gewerkschaften vollzogene Anpassungsstrategie kurz vor ihrer Zerschlagung 1933 haben mit dazu beigetragen, dass es die Nazis so leicht hatten. Wir lernen daraus, dass konsequenter Widerstand der bessere Weg ist.

Wir haben uns ausführlich mit den Hintergründen der Machtergreifung durch die Nazis beschäftigt. Daraus entstand die Video-Idee, dass jeder der Projektteilnehmer einen Verfolgten des Deutschen Metallarbeiterverbandes vorstellt. Am Schluss sind wir nach Oranienburg gefahren und haben an zwei Tagen elf Folgen plus ein Making-of gedreht.

Eingesetzt werden die Videos innerhalb der IG Metall und anderer Gewerkschaften auf den Veranstaltungen zum 1. Mai, in unseren Social-Media-Kanälen. Die Filme sind nicht nur für junge Leute gedacht! Widerstand gegen Nazis hat keine Altersgrenze.

Wie geht’s weiter? Aus der Geschichte Bezüge zum heutigen Leben junger Menschen darzustellen, ist eine Arbeit, aus der sich politische Botschaften entwickeln lassen. Dieser Aufgabe nehmen wir uns auch in Zukunft an.


Die Videos sind zu sehen auf www.youtube.com/user/igmbbs


***

Nie vergessen
Soli aktuell-Reihe: Der Gedenktag am 27. Januar 2015.

Der DGB-Bundesjugendausschuss hat beschlossen, dass die Gewerkschaftsjugend um den 27. Januar 2015 anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau dort eine Gedenkveranstaltung durchführt. Das Ziel: die Erinnerung an die Opfer zu erhalten. Wir stellen dazu verschiedene Ansätze vor. Nur wenige Monate nach der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 begannen die Nazis, systematisch politische Gegner, Juden, Sinti, Roma, Behinderte und Homosexuelle zu verfolgen und zu inhaftieren. Auch viele GewerkschafterInnen wurden, sofern sie nicht schon untergetaucht waren, verhaftet oder in Konzentrationslager verschleppt, gefoltert und ermordet.


(aus der Soli 2/14, Autor: Soli aktuell)