Deutscher Gewerkschaftsbund

Pflichtpraktika vor und nach dem Studium

Sozialversicherungspflicht

Pflichtpraktika vor und nach dem Studium haben einen besonderen Status.

Wenn ein Praktikumsentgelt gezahlt wird, müssen daraus Beiträge in alle Sozialversicherungszweige (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) entrichtet werden. Die Ausnahmeregelungen für kurzfristige Beschäftigungen und Minijobs und die Sozialversicherungsfreiheit für Studierende gelten nicht. Allerdings muss der/die ArbeitgeberIn die Sozialversicherungsbeiträge allein zahlen, wenn du höchstens 325 € brutto erhältst. Bei höherem Einkommen kann freilich die kostenlose Mitversicherung in der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen wegfallen (Einkommensgrenze im Pflichtpraktikum 405 Euro pro Monat im Jahr 2015).

Wird kein Praktikumsentgelt gezahlt, muss der/die Arbeitgeberin einen Mindestbeitrag zur Renten- und Arbeitslosenversicherung allein entrichten. In der Krankenversicherung kann die kostenlose Familienversicherung weiter in Anspruch genommen werden. Wer nicht familienversichert ist, muss sich zu den Konditionen der studentischen Krankenversicherung auf eigene Kosten als PraktikantIn kranken- und pflegeversichern. 

In Sonderfällen kann bei einem Pflichtpraktikum nach dem Studium trotz Entgeltzahlung Versicherungsfreiheit bestehen, so wenn JuristInnen im Referendariat den Beamtenstatus erhalten.

Die Unfallversicherung für Arbeitsunfälle und Wegeunfälle muss wie bei normalen Arbeitsverhältnissen über den/die ArbeitgeberIn gewährleistet werden.

Arbeitsrecht

Diese Praktika gelten als ganz reguläre Beschäftigungsverhältnisse. Die Praktikantin hat also Anspruch auf Urlaub und alle anderen allgemeinen Arbeitnehmerrechte. Wenn ein Praktikumsentgelt gezahlt wird, besteht Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Krankheit und während des Urlaubs. Die Arbeitnehmerhaftung, also deine Haftung für Sach- und Personenschäden, die du im Betrieb verursachst, ist im Praktikum aber stark eingeschränkt - wenn kein Vorsatz vorliegt, kannst du oft nur schwer in Haftung genommen werden.

Kindergeld und weitere Einkommensgrenzen

Im Vor- und Nachpraktikum besteht in der Regel auch ein Anspruch auf Kindergeld. Da die Einkommensgrenze beim Kindergeld für die erste Ausbildung abgeschafft wurde, ist es vor allem in der zweiten Ausbildung wichtig darauf zu achten, ob die Einkommensgrenze überschritten wird.
Wird ein Praktikumsentgelt gezahlt, gilt es auch bei der Einkommensteuer, bei der (Halb-)Waisenrente, beim Wohngeld und gegebenenfalls beim ALG II als Einkommen. Beachte also die dort geltenden Einkommensgrenzen. Wenn dir für das Vorpraktikum Leistungen nach dem Bafög bewilligt wurden, wird das Praktikumsentgelt auch hier 1:1 auf die Bafög-Zahlungen angerechnet, der Freibetrag für Einkünfte aus Erwerbsarbeit etc. gilt hier nicht.