Deutscher Gewerkschaftsbund

Freiwilliges Praktikum im Studium

Sozialversicherungspflicht

Diese Praktika werden wie normale Arbeitsverhältnisse bei Studierenden behandelt. Wenn ein Praktikumsentgelt gezahlt wird, müssen daraus also auch Sozialversicherungsbeiträge (und ggf. Steuern) entrichtet werden. Es gelten die üblichen Ausnahmeregelungen für

• kurzfristige Beschäftigungen
• Minijobs
• Regelungen in der Gleitzone.

Außerdem gelten selbstverständlich auch die Regelungen für Werkstudent_innen.

Im Minijob sind bei freiwilligen Praktika Praktikumsgeber_innen nicht zur Zahlung von Pauschalbeiträgen zur Rentenversicherung verpflichtet, wenn sich die_der Praktikant_in von der Rentenversicherungspflicht hat befreien lassen. Die Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung müssen aber gezahlt werden.

Wird kein Praktikumsentgelt gezahlt, muss die_der Praktikumsgeber_in trotzdem eine Pauschale für die Arbeitslosen- und Rentenversicherung entrichten.

Beachte: Die kostenlose Mitversicherung in der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen kann wegfallen, wenn dein Einkommen die Einkommensgrenze von derzeit 425 Euro pro Monat bzw. 450 Euro im Minijob übersteigt.

Wenn das Praktikum an mehr als 20 Stunden je Woche während der Vorlesungszeit ausgeübt wird und auch die Regelungen zur kurzfristigen Beschäftigung nicht greifen, entfällt der Werkstudent_innenstatus. Dann müssen vom Praktikumsentgelt einkommensabhängige Beiträge in alle Sozialversicherungszweige abgeführt werden und nicht – wie bei Werkstudent_innen üblich – nur in die Rentenversicherung, sobald das Praktikumsentgelt brutto 450 Euro pro Monat übersteigt.

Die Unfallversicherung für Arbeitsunfälle und Wegeunfälle muss wie bei regulären Arbeitsverhältnissen über die_den Praktikumsgeber_in gewährleistet werden.

Arbeitsrecht

Nach oben

Diese Praktika gelten, soweit "der Erwerb beruflicher Kenntnisse im Vordergrund steht", als Ausbildungsverhältnisse im Sinne des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Steht das Erbringen einer Arbeitsleistung im Vordergrund, bist du also regulär in Arbeitsabläufe eingebunden, gilt das Praktikum als normales studentisches Beschäftigungsverhältnis.

In beiden Fällen hat die_der Praktikant_n Anspruch auf Urlaub und alle anderen allgemeinen Arbeitnehmer_innenrechte (auch auf ein qualifiziertes Zeugnis); das Berufsbildungsgesetz lässt lediglich beim Kündigungsschutz Ausnahmen zu.

Die Arbeitnehmerhaftung, also deine Haftung für Sach- und Personenschäden, die du im Betrieb verursachst, ist im Praktikum stark eingeschränkt - wenn kein Vorsatz vorliegt, kannst du oft nur schwer in Haftung genommen werden.

Seit dem 1. Januar 2015 ist im Nachweisgesetz übrigens auch für Praktika ein Anspruch auf eine Niederschrift der Praktikumsvereinbarungen fixiert:

So hat, wer eine_n Praktikant_in einstellt, "unverzüglich nach Abschluss des (ggf. mündlichen) Praktikumsvertrages, spätestens vor Aufnahme der Praktikant_innentätigkeit, die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederzulegen, die Niederschrift zu unterzeichnen und de_r/m Praktikant_in auszuhändigen".

Hier müssen u.a. die mit dem Praktikum verfolgten Lern- und Ausbildungsziele ausformuliert werden, aber auch Beginn und Dauer des Praktikums und die Dauer der regelmäßigen täglichen Praktikumszeit. Aber auch die Zahlung und Höhe der Vergütung, die Dauer des Urlaubs sowie ein in allgemeiner Form gehaltener Hinweis auf die Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, die auf das Praktikumsverhältnis anzuwenden sind, gehören dazu.

In jedem Fall besteht Anspruch auf eine angemessen Vergütung, die sich aus dem Berufsbildungsgesetz (§ 17) ergibt. Die Vergütungshöhe wird in der Regel durch Tarifverträge geregelt. Wenn der Betrieb nicht tarifgebunden ist oder keine Regelungen für Praktikant_innen bestehen, gilt eine Vergütung, die mehr als 20 Prozent unter der tariflichen Vergütung liegt, nicht mehr als angemessen.

Wende dich am besten an deine zuständige Gewerkschaft für eine direkte Beratung. Auch der Betriebs- bzw. Personalrat oder die Jugend- und Auszubildendenvertretung deines Betriebs kann dir weiterhelfen. Übrigens: Anspruch auf die Vergütung nach Tarifvertrag haben immer nur Gewerkschaftsmitglieder!

Steht bei dem Praktikum nicht der Erwerb beruflicher Kenntnisse, sondern die Arbeitsleistung im Vordergrund, besteht erst recht Anspruch auf Vergütung. Dies ergibt sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 611 Bürgerliches Gesetzbuch, BGB). Die Höhe bemisst sich im Zweifel an den vergleichbar angestellten Arbeitnehmer_innen (§ 612 BGB).

Die Vergütung muss auch bei Krankheit (bis zu sechs Wochen) und während des Urlaubs fortgezahlt werden. Schließt an das Praktikum eine Beschäftigung bei der_dem selben Arbeitgeber_in an, kann die Praktikumszeit auf die Probezeit angerechnet werden.

Mindestlohn

Nach oben

Freiwillige Praktika sind bis zur Dauer von drei Monaten begleitend zum Studium vom gesetzlichen Mindestlohn ausgenommen. Gleiches gilt, wenn ein Praktikum zur Orientierung vor dem Studium aufgenommen wird. Dauert das freiwillige Praktikum länger als drei Monate, muss für die gesamte Dauer des Praktikums der Mindestlohn (aktuell 8,84 Euro/h; Stand 2017) gezahlt werden. Dies gilt auch, wenn das Praktikum auf über drei Monate verlängert wird.

Diese Ausnahmen gelten nicht für freiwillige Praktika nach dem Studium. Für sie gilt ab dem ersten Tag der Mindestlohn.

Einkommensgrenzen – BAföG & Co.

Nach oben

Wird ein Praktikumsentgelt gezahlt, gilt es unter anderem beim BAföG, bei der Einkommensteuer, bei der (Halb-) Waisenrente und beim Wohngeld als Einkommen. Beachtet daher die jeweils geltenden Einkommensgrenzen und Freibeträge.

Bezieht ihr BAföG und macht ein freiwilliges Praktikum, sollte zweierlei bedacht werden. Zum einen zählt die Vergütung bei einem freiwilligen Praktikum als Einkommen und wirkt sich unter Umständen auf die Förderhöhe aus. Jedoch wird, analog der abhängigen Beschäftigung, ein Freibetrag in Höhe von 290 Euro monatlich gewährt.

Zudem werden die anteilige Werbungskostenpauschale und eine Sozialpauschale berücksichtigt, sodass monatlich 450 Euro anrechnungsfrei hinzuverdient werden können. Zum anderen müsst ihr das BAföG-Amt informieren, wenn ihr während der Vorlesungszeit in Vollzeit ein freiwilliges Praktikum macht. Denn die Förderung gibt es nur für ein Vollzeitstudium, womit die Aufnahme eines freiwilligen Praktikums in Vollzeit zur Unterbrechung führen würde.

Informiert ihr das BAföG-Amt nicht vorab und erhaltet dadurch weiterhin Förderung, kann es hinterher zu Rückforderungen kommen. Wollt ihr während der Vorlesungszeit in Vollzeit ein Praktikum machen und bezieht BAföG, besteht eventuell (je nach Regelungen der Hochschulen) die Möglichkeit ein Urlaubssemester einzulegen, das beim BAföG für einen Aufschub der Förderung um die entsprechende Zeit führt.

Leider setzt in dieser Zeit natürlich auch die BAföG-Förderung aus, wodurch ihr euch andererseits keine Sorgen um die Anrechnung der Vergütung auf die Förderhöhe machen müsst.

Wird das freiwillige Praktikum während der vorlesungsfreien Zeit absolviert, führt dies nicht zur Unterbrechung eurer Förderung. Die Vergütung wird jedoch wie oben erläutert bei der Förderhöhe berücksichtigt und gegebenenfalls verrechnet.