Deutscher Gewerkschaftsbund

Pflichtpraktikum

Die folgenden Regelungen gelten nur für die in der Studienordnung verpflichtend vorgeschriebenen Praktika, solange sie in der Bundesrepublik Deutschland abgeleistet werden (die Hochschule, an der du studierst, kann aber auch im Ausland liegen). Dazu gehören auch praktische Ausbildungseinheiten, die laut Studienordnung Teil des Studiums sind, z.B. das Praktische Jahr bei Medizinstudierenden.

Sind in der Studienordnung acht Wochen vorgeschrieben, dein Praktikum dauert aber zehn Wochen, gelten die Regeln nur für die ersten acht Wochen, für die übrigen zwei Wochen gelten die Regeln für freiwillige Praktika während des Studiums, die hier aufgeführt werden.

Ist in der Studienordnung kein fester Zeitraum, sondern eine Mindestdauer festgelegt, gelten die Regelungen für Pflichtpraktika auch über die Mindestdauer hinaus.

Sozialversicherungspflicht

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Pflichtpraktika werden nicht als normale Arbeitsverhältnisse, sondern als Teil deiner Ausbildung bzw. deines Studiums behandelt. Wenn ein Praktikumsentgelt - gleich welcher Höhe - gezahlt wird, müssen daraus keine Beiträge zur Sozialversicherung entrichtet werden. Allerdings kann die kostenlose Mitversicherung in der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen wegfallen (die Einkommensgrenze beträgt derzeit 425 Euro im Monat).

Während des Praktikums bist Du i. d. R. bei der_dem Praktikumsgeber_in unfallversichert - für den Fall eines Arbeits- oder Wegeunfalls. Nur wenn das Praktikum auch organisatorisch Teil deines Studiums ist, deine Hochschule also direkte organisatorische Verantwortung für dich trägt, kommt auch eine Unfallversicherung über die Landesunfallkasse in Frage.

Arbeitsrecht

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Da diese Praktika als Teil der akademischen Ausbildung gelten, hat die_der Praktikant_in weder einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub oder auf Vergütung, noch auf die anderen üblichen Arbeitnehmer_innenrechte, wie z. B. Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Dennoch kann auch bei einem Pflichtpraktikum ein Urlaubsanspruch (empfehlenswert bei Praktika von mehr als drei Monaten) und ein Praktikumsentgelt im Praktikumsvertrag vereinbart werden. Achte aber bitte darauf, dass du trotz der Urlaubstage die in der Studienordnung vorgeschriebene Praktikumsdauer ableistest. Wenn ein Praktikumsentgelt gezahlt wird, sollte die Weiterzahlung bei Krankheit oder Urlaub auch explizit vereinbart werden.

Seit dem 1. Januar 2015 ist im Nachweisgesetz übrigens auch für Praktika ein Anspruch auf eine Niederschrift der Praktikumsvereinbarungen fixiert:
So hat, wer eine_n Praktikant_in einstellt, "unverzüglich nach Abschluss des (ggf. mündlichen) Praktikumsvertrages, spätestens vor Aufnahme der Praktikant_innentätigkeit, die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederzulegen, die Niederschrift zu unterzeichnen und de_r/m Praktikant_in auszuhändigen".

Hier müssen u.a. die mit dem Praktikum verfolgten Lern- und Ausbildungsziele ausformuliert werden, aber auch Beginn und Dauer des Praktikums und die Dauer der regelmäßigen täglichen Praktikumszeit. Aber auch die Zahlung und Höhe der Vergütung, die Dauer des Urlaubs sowie ein in allgemeiner Form gehaltener Hinweis auf die Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, die auf das Praktikumsverhältnis anzuwenden sind, gehören dazu.

In besonderen Fällen kann auch die Frage, ob Bereitschaftsdienste als geleistete Praktikumsstunden bescheinigt werden, strittig sein. Hintergrund: Im Arbeitsrecht zählen Bereitschaftsdienste nicht zwingend zur engeren Definition von Arbeitszeit. Hier liegt es an der Hochschule (also an der Praktikumsordnung), was anerkannt wird und was nicht. Die_der Praktikumsgeber_in sollte jedenfalls auch diese Zeit bescheinigen, z.B. so: "720 h Nachtdienst, davon 250 h Bereitschaftsdienst und 520 h Arbeitszeit".

Allerdings müssen viele Schutzregelungen für Arbeitnehmer_innen auch auf dich angewandt werden, wie die Einhaltung der Bestimmungen aus dem Arbeitszeitgesetz (Grenzen der Arbeitszeit, Anspruch auf Pausen und Ruhetage und anderes mehr). Die Arbeitnehmer_innenhaftung, also deine Haftung für Sach- und Personenschäden, die du im Betrieb verursachst, ist im Praktikum hingegen stark eingeschränkt - wenn kein Vorsatz vorliegt, kannst du oft nur schwer in Haftung genommen werden.

Ein Anspruch auf ein Praktikumszeugnis – wenn du es wünscht, auch auf ein qualifiziertes – besteht in jedem Fall, wenn die Studienordnung dies festlegt oder du es vorher mit de_r/m Praktikumsgeber_in vereinbarst.

Mindestlohn

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Bei Pflichtpraktika gibt es leider keinen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn.

Einkommensgrenzen - BAföG & Co.

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Wenn ein Praktikumsentgelt gezahlt wird, gilt es unter anderem bei der Einkommensteuer, beim BAföG, in der gesetzlichen Familienversicherung und ggf. beim Wohngeld oder ALG II als Einkommen. Beim Kindergeld gibt es keine Einkommensgrenze mehr.

Beachte daher die jeweils geltenden Einkommensgrenzen und Freibeträge.

Wenn du BAföG beziehst – was auch im Pflichtpraktikum möglich ist – wird das Praktikumsentgelt grundsätzlich in voller Höhe auf deinen BAföG-Auszahlbetrag angerechnet, da es als Ausbildungsvergütung behandelt wird. Der Freibetrag für Einkünfte aus Erwerbsarbeit etc. in Höhe von 290 Euro/Monat gilt daher hier nicht. Lediglich die (anteilige) Werbungskostenpauschale, die im BAföG festgeschriebene Sozialpauschale sowie ggf. tatsächlich gezahlte Steuern werden bei der Berechnung des anzurechnenden Einkommens berücksichtigt.

Das heißt, dass sich dein monatliches BAföG um den Betrag reduziert, der von deinem Praktikumsentgelt nach Abzug der anteiligen Werbungskosten- und der Sozialpauschale übrig bleibt. Beträgt dein Bewilligungszeitraum mehr Monate als die Dauer deines Praktikums, wird das nach Bereinigung verbleibende Praktikumsentgelt gleichmäßig auf den gesamten Bewilligungszeitraum verteilt, so dass es ggf. zu einer geringeren Reduzierung kommt.