Deutscher Gewerkschaftsbund

Diskussionsprozess zu einer existenzsichernden Ausbildungsvergütung

500 Euro Noten

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Ausbildungsvergütung? Sie soll die Existenz sichern, sagt die Gewerkschaftsjugend.

Die Gewerkschaften haben in den letzten Jahren intensive Diskussionen zum Mindestlohn geführt, intern als auch extern. Momentan befinden wir uns in der finalen Phase zur Einführung eines allgemein gültigen gesetzlichen Mindestlohns. In dem langen Diskussionsprozess um den Mindestlohn wurde die Gewerkschaftsjugend auch immer wieder gefragt, wie sie denn zu einer Mindestausbildungsvergütung steht.

Damit wurde ein Thema angesprochen, mit dem sich die Gewerkschaftsjugend schon länger beschäftigt: die Lebenssituation junger Menschen und damit auch verbunden die Frage nach einer Ausbildungsvergütung, die den Auszubildenden ein eigenständiges Leben ermöglicht. Verstärkt fanden im letzten Jahr im Vorfeld der Bezirksjugendkonferenzen und der Bundesjugendkonferenz Diskussionen dazu statt, wie eine existenzsichernde Ausbildungsvergütung erreicht werden kann. Zuletzt gab es auf der Bundesjugendkonferenz im November 2013 in Berlin einen intensiven Austausch zum Thema.

Dabei wurde deutlich, dass die Ansatzpunkte, wie dieses Ziel erreicht werden kann, von den Gewerkschaften unterschiedlich eingeschätzt werden. Die Diskussion hat deutlich gemacht, dass die Ausbildungsvergütung von vielen Aspekten abhängt - unter anderem von der Branche, dem Beruf, dem Ort, dem Alter, dem Geschlecht, aber natürlich auch von tarifpolitischen Aspekten, um nur einige Punkte zu nennen.

Auf der Bundesjugendkonferenz haben die Delegierten sich daher dafür entschieden, diese Diskussion intensiv zu führen und sich dafür auch die notwendige Zeit nehmen zu wollen.

Auszug aus Antrag A001 der DGB-Bundesjugendkonferenz 2013:

Ausbildungsvergütung, die zum eigenständigen Leben reicht

Wir sehen es als notwendig an, dass Auszubildende und dual Studierende eine existenzsichernde Ausbildungsvergütung erhalten. Wir fordern alle innerhalb der Gewerkschaftsjugend dazu auf, sich an einem ergebnisoffenen Diskussionsprozess zur Erreichung dieses Zieles zu beteiligen. Die DGB-Jugend wird dazu aufgefordert, diesen Prozess nachhaltig zu initiieren.

In diesem Diskussionsprozess sollen Beiträge von Betroffenen – also Auszubildenden – aber auch Fachperspektiven aus der Wissenschaft und den Gewerkschaften mit einbezogen werden.

Den Auftakt für den Diskussionsprozess bildete ein Workshop am 10. Juni 2014 in der IG BAU-Bildungsstätte Steinbach. Hier näherten sich die Teilnehmer_innen dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven an.

Nun geht es darum, die Diskussion in die gewerkschaftliche Fläche zu bringen - Erfahrungen auszutauschen, Erkenntnisse zu sammeln und eine gemeinsame Position zu erarbeiten. In den unterschiedlichen gewerkschaftlichen Gremien, in den Betrieben und im Austausch mit engagierten Ehrenamtlichen.

Die Ergebnisse der verschiedenen Diskussionsstränge und -orte werden im Juni 2015 im Bundesjugendausschuss zusammengetragen. Dort wird der Diskussionsprozess dann auch durch eine gemeinsame Positionierung abgeschlossen.

Grafik Ausbildungsvergütung

So wollen wir diskutieren - der geplante Ablauf im Überblick. © DGB-Jugend

Weiterführende Informationen und Materialien

DGB-Jugend: Ausbildungsreport 2014

BIBB-Report (2010): Geld spielt eine Rolle!

BIBB (2011): Langzeitentwicklung der tariflichen Ausbildungsvergütung in Deutschland

Beicht, Ursula; Walden, Günter (2012): Ausbildungsvergütungen in Deutschland als Ausbildungsbeihilfe oder Arbeitsentgelt. In: WSI-Mitteilungen, H. 5, S. 338-349.

WSI-Pressemitteilung: WSI-Tarifarchiv: Regionale Unterschiede bis zu 450 € im

WSI: Überblick über Tarifverträge zu Ausbildungsvergütungen

BIBB: Gesamtübersicht Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2013

Zur Unterstützung des Diskussionsprozesses haben wir einige Aspekte aufgearbeitet und lassen Expert_innen zu Wort kommen:

Gesamtüberblick

Zur Lebenwelt junger Menschen

Kosten und Nutzen der Ausbildung aus betrieblicher Sicht

Überblick: Tarifverträge für Auszubildende

Juristische Aspekte