Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeitszeiten

Die Arbeitszeit ist die Zeit, die Auszubildende jeden Tag in ihren Betrieben verbringen, wobei die Pausen nicht mitgezählt werden. Auch die Zeiten, die Azubis in der Berufsschule verbringen, werden grundsätzlich auf die Arbeitszeit angerechnet.

Die tägliche und auch wöchentliche Arbeitszeit wird im Ausbildungsvertrag festgehalten. Sie ergibt sich aus dem Arbeitszeitgesetz, wird tarifvertraglich geregelt oder resultiert aus möglichen Betriebsvereinbarungen. Wenn für dich eine tarifvertragliche Regelung gilt, liegt diese über den gesetzlich vorgegebenen Mindeststandards.

Die gesetzlichen Bestimmungen unterscheiden sich je nach dem, ob die Auszubildenden bereits 18 Jahre als sind oder noch nicht.

Jugendarbeitsschutzgesetz für Auszubildende unter 18 Jahren

Für Auszubildende unter 18 gelten die Bestimmungen aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz. Dieses begrenzt die Arbeitszeit für Jugendliche auf acht Stunden täglich und auf vierzig Stunden in der Woche. Arbeitet der/die Auszubildende an vereinzelten Tagen weniger als acht Stunden, können minderjährige Azubis ausgleichend bis zu achteinhalb Stunden an den anderen Tagen in der Woche beschäftigt werden.

Deine Arbeitszeit muss durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden (§11 Jugendarbeitsschutzgesetz). Bei einer Arbeitszeit zwischen viereinhalb und sechs Stunden hast du Anspruch auf mindestens eine halbe Stunde Pause, bei höheren Arbeitszeiten muss die Pause mindestens eine Stunde betragen.

Zwischen 20.00 Uhr und 6.00 Uhr dürfen Jugendliche nicht beschäftigt werden – leider gibt es dabei eine ganze Menge Ausnahmen: zum Beispiel in der Gastronomie, im Hotelgewerbe, in Krankenhäusern, in Betrieben mit dauerhafter Schichtarbeit und in Bäckereien und Konditoreien. Zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn müssen aber immer mindestens zwölf Stunden ununterbrochene Ruhezeit liegen, damit Erholung gewährleistet ist.

Außerdem gilt für Jugendliche grundsätzlich die Fünf-Tage-Woche, das bedeutet der Samstag bleibt für Minderjährige arbeitsfrei. Das gleiche gilt für den Sonntag und für gesetzliche Feiertage, wobei das Berufsbildungsgesetz gewisse von diesem Arbeitsverbot bereit hält. In Branchen wie der Gastronomie und der Landwirtschaft gelten beispielsweise spezielle Regelungen. Demnach wird in derselben Woche ein Ersatzruhetag gewährt, falls Azubis an einem Sonntag beschäftigt werden. Das gleiche gilt bei Feiertagen, die auf einen Werktag fallen.

Was die Anrechnung der Berufsschulzeiten angeht, dürfen jugendliche Auszubildende an einem Berufsschultag nicht arbeiten, wenn sie mehr als fünf Stunden à 45 Minuten Unterricht haben. Das gilt aber nur für einen Berufsschultag in der Woche, am zweiten Berufsschultag dürftest du dann zusätzlich noch beschäftigt werden. Allerdings muss die Berufschulzeit nur auf die gesetzlich vorgeschriebene Höchstarbeitszeit von 40 Stunden angerechnet werden.

Arbeitszeitgesetz für Auszubildende über 18 Jahre

Bei volljährigen Azubis schreibt das Arbeitszeitgesetz vor, dass Azubis an sechs Tagen pro Woche durchschnittlich 48 Stunden arbeiten können. Sie kann aber auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich erhöht werden, wenn denn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Tarifverträge sehen meist eine deutlich bessere wöchentliche Arbeitszeit von 35 bis 39 Stunden vor. Wenn du nicht weißt, ob für dich ein Tarifvertrag gilt, solltest du dich bei deinem Betriebsrat oder deiner zuständigen Gewerkschaft erkundigen.

Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, denn der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann. Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem muss nach einer Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag innerhalb von zwei Wochen gewährt werden. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht auch dem volljährigen Azubi ein Ersatzruhetag zu, der jedoch innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss. Auch hier können unter Umständen deutlich bessere tarifvertragliche Regelungen für dich gelten.

Für alle Azubis muss die Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein, bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Azubis dürfen nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden.

Genau wie minderjährige Azubis, sind auch Volljährige gesetzesbedingt für den Berufsschulunterricht freizustellen. Die Teilnahme am Unterricht geht sogar der betrieblichen Ausbildung vor. Auch, wenn der Azubi nicht mehr schulpflichtig ist. Die Freistellung umfasst nicht nur die reine Unterrichtszeit, sondern auch die Zeiten des notwendigen Verbleibs in der Berufsschule, zum Beispiel unterrichtsfreie Zeiten, Pausen und die Wegzeiten zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.

Wenn deinE AusbilderIn von dir verlangt, dass du nach der Berufsschule noch in den Betrieb kommen sollst, gilt, dass von deiner täglichen Arbeitszeit die gesamte Zeit in der Berufsschule abgezogen wird, sofern die Berufsschule während der üblichen Arbeitszeit stattfindet. Zudem wird der Weg von der Berufsschule in den Betrieb auf die Arbeitszeit angerechnet. Wenn die verbleibende Zeit nach der Berufsschule zu kurz ist, um dem Ausbildungszweck zu dienen – man sagt bei weniger als 30 Minuten -, können die Ausbildenden die Rückkehr der Auszubildenden nicht verlangen.

In manchen Betrieben müssen Azubis Schichtarbeit leisten, was bedeuten kann, dass der Azubi nach einer späten Schicht am nächsten Tag eine Frühschicht machen muss, oder er hat flexible Arbeitszeiten. Bei beiden gilt für Volljährige, dass zwischen dem Arbeitsende und dem Arbeitsbeginn auf jeden Fall elf Stunden Freizeit liegen müssen.