Deutscher Gewerkschaftsbund

Darlehen und Geldeinbehalten

Guten Tag,
ich habe von meinem Chef einen Darlehen bekommen, ich werde nicht übernommen und sie behalten 240 euro ein , am ende des Monats bekomme ich einen Abschlag von 200euro und am 15/18 eigentlich noch mal 240-270 und er behält den zweiten teil einfach ein und hat mir sogar was unterschreiben lassen das er das geld zurück bekommt aber nicht in was für raten ect. ich bin unterm pfendungssatz darf er das einfach ? ich habe ihn ein vertrag vorgeschlagen hat er abgelehnt , ich habe eine Wohnung und ein Kind zu versorgen wo ich meine Sachen nicht bezahlen kann Wohnung echt es geht nicht einfach so was kann ich machen bin am verzweifeln ???

Danke schon mal <3

Jennifer : 16.06.2017 16:39:39 |
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  • RE: Darlehen und Geldeinbehalten

    Hallo Jennifer,
    vielen Dank für die Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    Das ist wirklich eine verzwickte Situation. Leider kann ich dir in dieser sehr speziellen Situation gar nicht wirklich helfen. Ich empfehle dir dich dringend an die zuständige Gewerkschaft vor Ort zu wenden. Die Kolleg*innen kennen sich im Arbeitsrecht sehr gut aus und können dir genau sagen, was dein Chef nun darf und was nicht. Hier sind die Kontaktdaten:

    NGG Region Ostwestfalen-Lippe
    Regionen Bielefeld, Detmold-Paderborn und Bünde-Lübbecke-Minden
    Marktstr. 8
    33602 Bielefeld
    Tel.: 0521 / 98 62 90
    Fax: 0521 / 98 62 929

    region.owl@ngg.net
    >www.ngg.net/​owl

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem*r Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Tut mir leid, dass ich dir hier online aus der Ferne gar nicht mehr weiter helfen kann. Für eine individuelle Rechtsberatung ist es eben nötig in die jeweiligen Verträge zu schauen. Wie gesagt: Bitte wende dich unbedingt an die Kolleg*innen der NGG!

    Ansonsten gibt es für Auszubildende, die nicht mehr zu Hause wohnen, neben der Ausbildungsvergütung ein paar Möglichkeiten, für weitere Einnahmequellen:

    1. Du kannst Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen. Die soll dir eine Ausbildung trotz knapper Finanzen ermöglichen. Diese Beihilfe ist ein pauschaler Zuschuss für den Lebensunterhalt. Dazu kommen noch die individuellen Fahrtkosten. In der Regel bekommst du aber nur einen Teil davon, da BAB an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft ist:
    - gefördert wird in der Regel nur die erste Ausbildung
    - nur staatlich anerkannte Ausbildungen werden gefördert (betriebliche, sowie außerbetriebliche Ausbildungen), sowie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen
    - du erhältst nur dann BAB wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst
    - die finanzielle Situation deiner Eltern und dein Einkommen werden bei der Berechnung von BAB berücksichtigt.
    Um Berufsausbildungsbeihilfe zu bekommen, stellst du einen Antrag bei der Agentur für Arbeit. Diese verlangt dann eine ganze Reihe von Bescheinigungen – unter anderem deinen Mietvertrag. Antragsformulare erhältst du direkt bei der Agentur für Arbeit oder telefonisch unter 0800 4555500. Stelle deinen Antrag möglichst bald, denn BAB wird nicht rückwirkend gezahlt. Je später du den Antrag stellst, um so später gibt es auch Geld. Hier gibt es auch einen BAB-Rechner, wo du schon mal grob errechnen lassen kannst, ob und wie viel BAB dir zustehen würde: http:/​/​babrechner.arbeitsagentur.de/​
    Achtung: Es kann passieren dass du kein BAB erhältst, weil deine Eltern die erforderlichen Auskünfte nicht geben. Oder du erhältst kein BAB, weil das Einkommen deiner Eltern zu hoch ist, aber sie zahlen dir keinen Unterhalt. In diesen Fällen kannst du trotzdem BAB erhalten. Wende dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft. Die Kontaktdaten habe ich dir weiter oben ja bereits aufgeschrieben.

    2. Der seit 2007 geltende Wohngeldzuschuss wurde zum 01.08.2016 gestrichen und um reguläre SGB II Leistungen erweitert. Frage am besten bei deiner zuständigen ARGE nach. Achtung: wenn du unter 25 bist, muss der Auszug aus dem Elternhaus vom zuständigen Jobcenter genehmigt werden, damit du einen Zuschuss zu den Kosten der Unterkunft und Heizung bekommen kannst.

    3. Wohngeld: Zunächst musst du BAB beantragen, denn einen Antrag auf Wohngeld kannst du nur dann stellen, wenn dir BAB „dem Grunde nach“ nicht zusteht, also z. B. wenn du deine zweite Ausbildung machst oder dein Ausbildungsberuf nicht staatlich anerkannt ist.
    Nur in diesem Fall haben volljährige Azubis, die am Ausbildungsort eine Wohnung gemietet haben und die Kosten für diese Wohnung selbst aufbringen müssen, gute Chancen Wohngeld zu erhalten. Den Wohngeldantrag musst du bei der zuständigen Wohngeldstelle der Gemeinde stellen, in welcher sich deine Wohnung befindet.
    Unter www.wohngeldantrag.de findest du alle wichtigen Informationen. Außerdem kannst Du dich bei der dazugehörigen kostenlosen Wohngeldberatung telefonisch informieren (die Tel. findest du unter: http:/​/​www.sozial-hotline.de).

    4. Arbeitslosengeld II für Auszubildende: Mit der Gesetzesänderung des SGB II, die ab 01.08.2016 in Kraft getreten ist, haben alle Auszubildende, die in Berufsausbildung oder in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme – sofern sie nicht beim Ausbilder, in einem Wohnheim oder Internat untergebracht sind, einen grundsätzlichen Anspruch auf ALG II (§7 Abs.5 SGB II). Prinzipiell gilt jedoch: BAB ist vorrangig gegenüber dem ALG II! Bei der Prüfung des Anspruches auf ergänzende Leistungen nach dem SGB II wird die Bedürftigkeit geprüft und das Gehalt der Eltern in der Erstausbildung mit einberechnet.

    Ich wünsche dir alles, alles Gute und hoffe wirklich sehr, dass sich die Situation schnell klärt und dir die nötigen finanziellen Beiträge zurückgezahlt werden.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P.S.: Wir hoffen, dir gefällt unser Angebot. Deine Meinung zählt! Du kannst uns in 60 Sekunden anonym einschätzen und uns damit helfen (noch) besser zu werden.: https:/​/​jugend.dgb.de/​ausbildung/​beratung/​dr-azubi/​umfrage-dr-azubi

    Dr. Azubi: 19.06.2017 22:03:13


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