Deutscher Gewerkschaftsbund

Fahrzeit zur Baustelle

Hallo,
Seit einem halben Jahr bin ich von meinem Betrieb aus nach Luxembourg entsandt worden um dort mit den Gesellen zu arbeiten. Die Gesellen sind in Luxembourg angestellt und ich habe auch das benötigte schreiben der Krankenkasse. Meine Arbeitszeit laut Vertrag ist auf 8 Stunden am Tag angesetzt. Der Arbeitablauf sieht wie folgt aus wir haben einen Treffpunkt an den wir uns um 5:40 treffen dann geht es zur Baustelle wo wir meist um 6:30 eintreffen, arbeiten dann bis 15:00 und fahren dann wieder zum Treffpunkt (ankunft ca. 16:15) und fahren von dort aus nach hause. Nun meine Frage: Wie viel Fahrzeit kann ich nun verlangen laut meiner Rechnung müssen dies ja 1 1/2 Stunden sein, aber ich bekomme nur einen Weg quasi bezahlt von 45min.

Dominik: 17.05.2017 16:01:27 |
  • RE: Fahrzeit zur Baustelle

    Hallo Dominik,

    Danke für deine Anfrage im Forum.
    Laut einer Information der Handwerkskammer Schwaben gehören zur Arbeitszeit
    Wegezeiten, die innerhalb des Betriebes oder zu einer außerhalb des Betriebes
    gelegenen Arbeitsstelle erforderlich sind. Wegezeiten sind demnach immer dann
    Arbeitszeiten, wenn sie betriebsbedingt nach und vor dem Ende der normalen
    Beschäftigung liegen oder von der Betriebsstätte aus zu den außerhalb des
    Betriebes gelegenen Arbeitsstätten benötigt werden, und im Betrieb vorher oder
    nachher noch gearbeitet wird. In diesem Fall beginnt und endet die Arbeitszeit in der
    Betriebsstätte. Auch die Wegezeit zwischen zwei Arbeitsstellen zählt zur Arbeitszeit.
    Dies gilt aber nicht unbedingt, wenn im Betrieb nicht mehr gearbeitet wird oder die
    Fahrt zur Baustelle von einer Sammelstelle oder von zu Hause aus angetreten wird.
    In diesen Fällen regeln häufig Tarifverträge die Anrechnung auf die Arbeitszeit.
    Maßgeblich für die Berechnung ist die Zeit der Benutzung des zeitgünstigsten
    öffentlichen Verkehrsmittels.
    Es bestehen keine gesetzlichen Grundlagen, welche die Anrechnung der
    Wegezeiten klar regeln. Liegen keine tariflichen Regelungen vor, oder finden diese
    keine Anwendung, dann wird die Wegezeit zur Baustelle, abzüglich der Zeit, die Du
    vom Treffpunkt bzw. von zu Hause aus bis zum Betriebssitz gebraucht hättest, zur
    Arbeitszeit hinzugerechnet. Die Handwerkskammer Schwaben weist weiter darauf
    hin: „In einem Schreiben vom 23.04.2001 geht allerdings das Bayerische
    Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz davon aus,
    dass Fahrzeiten vom Betrieb zur Montagestelle bei Jugendlichen und Erwachsenen
    generell zur Arbeitszeit zählen.“ Daraus wird deutlich, dass in diesem Punkt
    unterschiedliche Auffassungen bestehen.
    Hat der Auszubildende auf Weisung des Ausbildenden die Arbeit nicht im Betrieb
    aufzunehmen, sondern an einer Montage-oder Baustelle, zählt die von ihm dafür
    benötigte Wegezeit dann als Arbeitszeit, wenn die dafür aufgewendete Zeit über die
    Zeit hinausgeht, die der Auszubildende normalerweise von seiner Wohnung bis zum
    Betrieb oder zur üblichen Arbeitsstätte benötigt (§11 BBIG, §4 Abs.1 JArbSchG).
    Du solltest Dich daher mal an deine Gewerkschaft wenden und fragen, ob vielleicht
    für dich ein Tarifvertrag die Anrechnung regelt bzw. dort kannst Du erfragen welche
    Vereinbarungen in der Praxis mit dem Arbeitgeber üblich sind. Hier ein Kontakt:

    IG Bau Bezirksverband Dillingen
    Fritz-Dobisch-Str. 5
    66111 Saarbrücken
    T: 0681 92563 0

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 18.05.2017 21:05:59


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