Deutscher Gewerkschaftsbund

Minusstunden bei Krankheit

Hallo,

wir arbeiten 39 Stunden pro Woche. In der Regel 5 Tage à 7,8 Stunden. Wenn wir krank sind, werden uns allerdings pro Tag nur 6,5 Stunden aufgeschrieben (39:6 Tage = 6,5). So hat man schließlich, wenn man z. B. am Montag und Dienstag krank ist nur 13 Stunden statt eigentlich 15,6 im Arbeitsfall. Wir machen also Minusstunden, wenn wir nicht die ganze Woche krankgeschrieben sind.

Ist das gesetztlich erlaubt? Darf mir durch Krankheit ein Nachteil entstehen?

Vielen Dank und viele Grüße

anonym: 20.04.2017 02:09:50 |
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  • RE: Minusstunden bei Krankheit

    Hallo,
    vielen Dank für deine Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    Diese Minusstunden, aufgrund von Krankheit, ist so gesetzlich eigentlich nicht geplant. Du hast ja bereits aufgeschrieben wie der Betrieb auf die 6,5 Stunden kommt und zwar indem er die 39 Stunden pro Woche durch 6 Tage teilt. An sich ist es richtig, es gibt für volljährige Auszubildende keine gesetzliche Regelung gibt, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt (der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag). Wenn im Ausbildungsvertrag allerdings eine 5-Tage-Woche vereinbart ist, dann gilt auch die 5-Tage-Woche.

    Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (§3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse.

    Immer wieder gibt es Azubis, die plötzlich von ihrem Ausbilder erfahren, dass sie Minusstunden angesammelt hätten. In der Regel ist diese Berechnung von Minusstunden nicht rechtens. Denn die Ausbildungsvergütung muss weitergezahlt werden, wenn die Ausbildung aus Gründen, für die du nichts kannst, ausfällt, obwohl du bereitstehen würdest (§19 Berufsbildungsgesetz). Klassisches Beispiel: Dein Ausbilder schickt dich Heim, weil nichts mehr zu tun ist. Oder du bekommst einen Anruf, dass du gar nicht erst kommen sollst. In diesen Fällen bist du bezahlt freigestellt und sammelst keine Minusstunden an. Denn du hast ein Recht darauf, die festgelegte tägliche Arbeitszeit auch zu arbeiten und zu lernen, und wenn es nichts zu tun gibt, kann sich dein Ausbilder ja Lernaufgaben für dich ausdenken: Du bist schließlich Azubi.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Die Kolleg*innen können dir gezielt weiterhelfen und dich individuell beraten. Hier ist ein Kontakt für dich:


    Ver.di Geschäftsstelle München
    Schwanthalerstraße 64
    80336 München
    Tel.: 089/59977-0
    Fax: 089/59977-7777
    E-Mail: service.bayern@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem*r Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....
    (Generell gilt: Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand. Daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten. Schließlich treten immer wieder Probleme im Arbeitsleben auf, wie du merkst leider sogar schon während der Ausbildung. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.)

    Alles Gute und viel Erfolg dabei dein Recht einzufordern!
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P.S.: Wir hoffen, dir gefällt unser Angebot. Deine Meinung zählt! Du kannst uns in 60 Sekunden anonym einschätzen und uns damit helfen (noch) besser zu werden.: https:/​/​jugend.dgb.de/​ausbildung/​beratung/​dr-azubi/​umfrage-dr-azubi

    Dr. Azubi: 21.04.2017 14:18:40


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