Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildung abbrechen

Hallo Dr. Azubi,

Ich mache zurzeit meine Ausbildung als ZFA im 2. lehrjahr. Diesen Beruf wollte ich von Anfang an nicht machen aber nach der 10. Klasse wusste ich nicht genau was ich machen soll und hab mich einfach irgendwo beworben. Nun ich hatte schon recht schnell gemerkt das es ein Fehler war und das ich hätte Fach Abitur machen sollen. Nur ließ ich mich von jedem beeinflussen das ich doch schon angefangen hätte und das zu Ende durchziehen soll. Soweit so gut. Hab jetzt um die fast ein und halb Jahre rum und ein weiteres Problem , mein Chef.... In der letzten Zeit droht er mich ständig oder sucht nach Fehlern damit er mich mal wieder total Anschei*en kann. Handgreiflich wird er auch manchmal. Sprich: packt mich am arm und zieht mich Weg wenn er mal grad Platz braucht oder wenn mal ein falsches Instrument liegt dann wird das durch mit voller Wut auf dem Boden geschmissen oder packt mein Arm und verletzt mich damit wie blöd ich doch nur bin und doch mein Kopf anschalten soll. Drohungen wie , ich erschieß dich oder kriegst so einen auf die Rüffel das du nicht mehr weißt wo oben und unten ist. Ich habe daran gedacht , den Beruf zu wechseln nur ich möchte einfach so schnell wie möglich raus hier. Und so schnell suchen die Betriebe auch nicht Azubis. Die Berufe die ich gerne machen möchte , da wird überall Fach Abi vorrausgesetzt . Meine Eltern stehen auch hinter mir und sagen das ich so schnell wie möglich da raus soll und mein Fach Abitur machen soll. Ich bin grad total verzweifelt wie und was ich jetzt machen soll. Einerseits will ich so schnell wie möglich raus hier und Anderseits muss ich noch irgendwie das Geld mit nach Hause bringen um die Miete mit zubezahlen. Ein Aufhebungsvertrag würde mein Chef nicht machen , weil wir schon so sehr Personal mangel haben . Ich bin so verzweifelt und weiß nicht mehr weiter.
Ich hoffe Sie können mir da irgendwie weiterhelfen.
Danke
Mfg
M.a.

Mahnoor: 08.11.2018 13:16:38 |
  • RE: Ausbildung abbrechen

    Hallo Mahnoor,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst. Du wirst bedroht und dein Chef wird dir gegenüber auch handgreiflich. Das geht gar nicht und ist ein ganz klarer Grund für eine fristlose Kündigung! Du musst also nicht darauf hoffen, dass dein Chef einen Aufhebungsvertrag unterschreibt. Hier die rechtlichen Grundlagen:

    Du kannst außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B. : Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Falls du minderjährig bist, müssen auch deine gesetzlichen Vertreter - in der Regel deine Eltern - die Kündigung unterschreiben. Überlege dir die Kündigung gut. Kündige nicht in einer Situation, in der du unter Druck gesetzt wirst!

    Achtung: Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb auch die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein Ausbilder kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon einen Azubi, der ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist?

    Du würdest dich gerne weiterbilden und dein Fachabitur machen. Das ist prinzipiell eine gute Idee, aber das Schuljahr hat vor Kurzem angefangen und es ist nicht sicher, ob du in einer Schule noch einen Platz findest. Du kannst dich aber informieren und mal in den Schulen anrufen.

    Bis dahin könntest du den Ausbildungsplatz wechseln. Es stimmt nämlich nicht, dass di Betriebe so schnell keine Azubis nehmen. Ein Wechsel v.a. in deiner Branche ist relativ einfach, weil immer Azubis gesucht werden. Frag doch mal in deiner Berufsschulklasse nach, ob in den Betrieben noch jemand gesucht wird und bewirb dich aktiv in deiner Region.

    Außerdem solltest du dir Hilfe vor Ort suchen. Wende dich z.B. an die Berufsschulsozialarbeit und schildere dort deine Probleme. Es ist wichtig, dass du über das Erlebte sprichst.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Frankfurt/Main
    Wilhelm-Leuschner-Straße 69 - 77
    60329 Frankfurt/Main
    Tel.: 069/2569-0
    Fax: 069/2569-2099
    E-Mail: bz.ffm-region@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 09.11.2018 08:33:50


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