Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildung ohne Betrieb beenden

Hallo zusammen,

ich mache zurzeit eine Ausbildung im Marketing Bereich. Ich habe im Mai 2019 meine Prüfungen. Ich würde die restliche Ausbildungszeit gerne ohne Betrieb beenden. Gründe hierfür sind folgende:
- ich habe nicht das Gefühl, dass ich wirklich was lerne
- ich fühle mich veräppelt. Ich wurde intern in eine Abteilung eingeteilt die nichts mit der Ausbildung zu tun hat. Es hieß sogar Anfang des Jahres das keine Azubis mehr dort eingeteilt werden, weil es nichts zu tun gibt. Exakt so ist es. Ich sitze 8 Stunden vor meinem pc und weiß nicht was ich tun soll. Aus meiner vorherigen Abteilung wurde ich weggesetzt, mit der Begründung das ich nichts zu tun hätte und das 2 Azubis nicht zu händeln wären. Jetzt kam letzte Woche die Ansage, dass ich hier und da ein paar Aufgaben bekomme weil die momentan einen Engpass haben. Ja klar, dass hätte ich auch schon früher sagen können weil dort enorm viel zu tun ist. Die dortige Vorgesetzte kann mich zudem nicht leiden. Ab Dezember wird hier allerdings ein anderer Azubi eingeteilt. Eigentlich sollte ich mich freuen, dass ich etwas zu tun bekomme (wenn sie mir denn mal was geben), aber ganz ehrlich: ich fühle mich total verarscht( Entschuldigung für den Ausdruck), aber die Begründung und die jetzige Tatsache passen einfach überhaupt nicht zusammen.
- der Betrieb ist momentan Bzw seit ein paar Monaten in der Umstrukturierungsphase. Nicht ganz ungewollt. Es kommt einfach keinerlei Wertschätzung und man wird nichts so behandelt das man Azubi ist und was lernen soll, sondern so als ob man alles können muss!
- außerdem habe ich für mich beschlossen, dass ich sehr wahrscheinlich einen anderen Berufsweg wählen will. Hierfür müsste ich vorher ein 4 monatiges Praktikum machen. Das würde nicht gehen, wenn ich die Ausbildung mit Betrieb beenden würde.
- ich sehe es leider momentan als Zeitverschwendung an auf die Arbeit zu gehen...
Und ich weiß, dass ein Gespräch nichts bringen wird. Ich habe es aus vereinzelten Situation herausgehört...

Gibt es hier irgendwie die Möglichkeit die Ausbildung ohne Betrieb zu beenden? Bzw was müsste ich wie machen?

Ganz liebe Dank für die Hilfe!

Nadine : 05.11.2018 17:24:00 |
  • RE: Ausbildung ohne Betrieb beenden

    Hallo Nadine,

    vielen dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Ich kann gut verstehen, dass du mit deinem betrieb unzufrieden bist. Es ist aber leider nicht so einfach, die Ausbildung ohne Betrieb weiterzuführen. Dafür solltest du dich unbedingt mit der zuständigen Kammer in Verbindung setzen und klären welche Möglichkeiten du hast. Normalerweise darfst du nicht mehr als 10 % deiner betrieblichen Ausbildung verlieren. Rechne dir aus, ob du da hinkommst, wenn du ab jetzt bis zur Prüfung ohne Betrieb bist. Wenn das der Fall ist, bist du was das anbelangt schon mal auf der sicheren Seite. Dann wird dir die Kammer hier schon mal keine Steine in den Weg legen. Dennoch bedarf es triftiger Gründe, dass ein Verständnis da ist und dass du kündigen kannst. Du solltest unbedingt das gespräch mit der IHK suchen und erklären, warum du dich in deinem Betrieb so schlecht aufgehoben fühlst. Vielleicht kommt ja auch ein Ausbildungsplatzwechsel für dich in Frage? Hier ein paar Tips für dich:
    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:
    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di vor Ort

    Sitz des Landesbezirks Hessen
    Wilhelm-Leuschner-Straße 69-77
    60329 Frankfurt/Main

    Tel.: 069/2569-0
    Fax: 069/2569-1199
    E-Mail: lbz.hessen@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Jürgen Bothner

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 09.11.2018 09:15:18


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