Deutscher Gewerkschaftsbund

Überstunden einfordern?

Hallo,
vor ein paar Wochen habe ich meinen ersten Ausbildungsbetrieb mittels eines Aufhebungsvertrags gewechselt und bin nun glücklich in einer neuen Praxis beschäftigt.
In meinem alten Ausbildungsbetrieb habe ich durch Schule und lange Arbeitszeiten ca 45 Stunden/Woche gearbeitet anstatt der 40 Stunden laut Vertrag. In der Praxis mussten wir mittels Fingerscanner uns ein und ausloggen, deswegen müssten diese Daten Nachweisbar sein. Habe ich die Möglichkeit mir diese Überstunden ich ausbezahlen zu lassen?

mimarie_96: 04.11.2018 15:43:15 |
  • RE: Überstunden einfordern?

    Hallo Mimarie,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir weiter.

    Du hast Überstunden gemacht, die nicht in Freizeit ausgeglichen wurden. Dann müssen sie dir ausbezahlt werden. Im Arbeitsrecht gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Die Frist beginnt erst am Ende des Jahres, in dem die Leistung fällig wurde. Das bedeutet, dass du mindestens drei Jahre rückwirkend Leistungen geltend machen kannst. Danach verfallen die Leistungen. Allerdings enthalten viele Tarifverträge so genannte Ausschlussfristen, in denen diese Frist auf drei oder sechs Monate verkürzt ist. Ausschlussfristen können auch in deinem Ausbildungsvertrag vereinbart worden sein. Von daher gilt: Eine Geltendmachung solltest du möglichst gleich schreiben, nachdem die Leistungen fällig geworden sind. Eine schriftliche Aufforderung stoppt den Ablauf der Frist. Wenn du dir nicht sicher bist, wie viel du fordern kannst, schreibe lieber mehr auf als zu wenig.

    Wichtig ist, dass du einen Nachweis über deine Überstunden hast. Besorge dir also die Aufzeichnungen, wo eure Arbeitszeit erfasst wurde. Wenn du in etwa weißt, wieviele Überstunden du hast, dann kannst dir auch gleich ausrechnen, wieviel du noch bekommen müsstest.
    Um deinen Stundenlohn zu ermitteln, teile dein Brutto-Monatsgehalt durch 30. Das Ergebnis teilst du dann durch die regelmäßige tägliche Arbeitszeit, zum Beispiel acht Stunden bei einer 40-Stunden Woche. Nicht erschrecken: Das ist dein Stundenlohn!

    Dann musst du eine Geltendmachung schreiben. Wenn du eine Geltendmachung schreibst, musst du die Höhe deiner Forderung darin angeben und deinen Arbeitgeber am besten mit einer Fristsetzung (also einem genauem Datum) zur Zahlung auffordern. Außerdem solltest du sie so bald wie möglich formulieren und per Einschreiben (mit Rückschein) abschicken, damit du einen Nachweis über deine Geltendmachung hast.
Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die zuständige Stelle schicken (hier reicht ein ganz normaler Brief), um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen. Hier hast du eine grobe Vorlage:

    Sehr geehrter Herr/Frau,

    laut § 17 Berufsbildungsgesetz müssen Überstunden vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden. Während meiner Ausbildungszeit in ihrem Betrieb habe ich XXX Überstunden geleistet. Bitte überweisen Sie mir den ausstehenden Betrag von xxx Euro umgehend jedoch nicht später als XX.XX:XX auf mein Konto.

    Mit freundlichen Grüßen
    (Unterschrift Azubi)
    (Unterschrift der Sorgeberechtigen bei minderjährigem Azubi)

    Es gibt aber noch andere Punkte zu beachten, wenn du eine Geltendmachung schreiben willst. Deshalb empfehle ich dir, dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft zu wenden. Meistens hat ein Brief von deiner Gewerkschaft einschlagenden Erfolg, weil dein Ausbilder dann weiß, dass du Rechtsschutz hast und deine Gewerkschaft Ansprüche notfalls einklagen wird. Hier ein Kontakt für dich:


    Ver.di Hagen
    Hochstraße 117a
    58095 Hagen
    Tel.: 02331/16771
    Fax: 02331/181801
    E-Mail: bz.suedwestfalen@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 05.11.2018 23:02:56


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