Deutscher Gewerkschaftsbund

Wochenarbeitszeit und Urlaubstage

Liebes Dr.-Azubi-Team,

in meinem Ausbildungsvertrag sind 37 Wochenstunden und 23 Tage Urlaub (bei unter 17jährigen für eine 5-Tage -Woche) angegeben. Auf der Homepage der IG-Metall habe ich nachgelesen, dass die tarifliche wöchentliche Arbeitszeit nur 36 Stunden beträgt und dass 30 Tage Urlaub festgelegt sind. Muss sich der Betrieb nicht an den Tarifvertrag halten? Außerdem müssen wir tatsächlich nicht die 37 sondern 39 Stunden arbeiten. Darf das sein?

Michael: 12.09.2018 09:08:18 |
  • RE: Wochenarbeitszeit und Urlaubstage

    Hallo Michael,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir weiter.
    Tarifverträge regeln die wesentlichen Grundlagen eines Arbeitsverhältnisses. Sie werden zwischen Gewerkschaften auf der einen und Arbeitgeberverbänden oder einzelnen Arbeitgebern auf der anderen Seite abgeschlossen.
    An einen Tarifvertrag sind nur die Vertragspartner gebunden. Auf der Seite der Arbeitgeber heißt das, dass nur diejenigen, die auch Mitglieder des Arbeitgeberverbandes sind an die Regelungen gebunden sind. Auf der Seite der ArbeitnehmerInnen bedeutet dies, dass nur diejenigen ArbeitnehmerInnen, die Mitglied der Gewerkschaft sind, einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf die tariflichen Leistungen haben. Um keinen Anreiz zum Gewerkschaftsbeitritt zu schaffen, wenden aber die meisten Arbeitgeber Tarifverträge auf alle Beschäftigten an. Wichtig ist aber: Wer nicht in der Gewerkschaft ist, hat keinen Anspruch auf Leistungen aus dem Tarifvertrag!

    Das bedeutet also, dass sowohl dein Betrieb im Arbeitgeberverband sein muss, mit dem der Tarifvertrag geschlossen wurde und auch du musst Gewerkschaftsmitglied sein, damit der TV für dich gültig ist.

    Es gibt auch allgemeinverbindliche Tarifverträge. Die sind dann für alle Betriebe und Beschäftigten (egal ob Gewerkschaftsmitglied oder nicht) verbindlich, in dem Gebiet, für den der TV geschlossen wurde. Informiere dich nochmal bei deiner Gewerkschaft, wie das bei deinem TV ist. Du kannst auch nochmal in deinen Ausbildungsvertrag schauen. Wenn ein Tarifvertrag für dich gilt, ist das meist darin vermerkt.

    Wenn du dann feststellst, dass sich dein Arbeitgeber nicht an die tariflichen Vereinbarungen hält, kannst du ihn nach der Probezeit darauf aufmerksam machen. Dabei kannst du dich ja auch mit deinen Mit-Azubis zusammentun.

    Du schreibst, dass in deinem Ausbildungsvertrag eine wöchentliche Arbeitszeit von 37 Stunden vereinbart wurde, du aber immer 39 arbeiten musst.
    Das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!

    Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Minderjährige dürfen nicht mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz). Volljährige dürfen durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden arbeiten – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!

    Ich gehe davon aus, dass du noch in der Probezeit bist und empfehle dir deshalb mit Kritik sehr vorsichtig zu sein. Warte am besten bis nach der Probezeit, bis du das Problem ansprichst, wenn es dir ansonsten gut in deinem Betrieb gefällt.

    Du schreibst außerdem, dass dir laut Vertrag 23 Tage Urlaub zustehen. . Dein Urlaub kann entweder in Arbeitstagen oder in Werktagen angegeben werden. Diese beiden Wörter haben eine unterschiedliche Bedeutung.

    Wenn dein Urlaub in Werktagen angegeben ist, gilt folgendes: per Gesetz ist der Samstag ein ganz normaler Werktag und die Woche besteht aus sechs Werktagen. Ist dein Urlaub also in Werktagen angegeben, musst du - auch wenn du nur fünf Tage die Woche arbeitest - für eine Urlaubswoche sechs Urlaubstage nehmen. 24 Werktage Urlaub bedeuten demnach genau vier Wochen Urlaub im Jahr (24:6). Und das ist der gesetzliche Mindestanspruch. Wird dein Urlaub in Arbeitstagen angegeben gilt folgendes: Für eine Urlaubswoche musst du soviel Urlaubstage nehmen, wie du regelmäßig arbeitest. Für viele Azubis gilt die Fünf-Tage-Woche und sie müssen nur fünf Tage Urlaub für eine Woche nehmen. Wenn du aber zum Beispiel im Einzelhandel arbeitest, hast du häufig eine Sechs-Tage-Woche und musst sechs Tage Urlaub für eine Woche nehmen.
    Wenn du zu Beginn des Kalenderjahres jünger als 16 Jahre bist, hast du Anspruch auf 30 Werktage Urlaub, wenn du jünger als 17 Jahre bist, auf 27 Werktage und wenn du jünger als 18 Jahre bist, auf 25 Werktage. Auch im Jugendarbeitsschutzgesetz ist der Urlaub in Werktagen angegeben und das bedeutet, dass du sechs Urlaubstage für eine Woche Urlaub nehmen musst, auch wenn du nur fünf Tage in der Woche arbeitest.

    Überprüfe in deinem Vertrag nochmal, wie dein Urlaubsanspruch angegeben wurde. Wenn du dann merkst, dass etwas nicht stimmt, solltest du auch dieses Problem nach der Probezeit ansprechen.

    Wenn die Gespräche keine Wirkung zeigen, solltest du deinen Betrieb nochmal schriftlich auf die Sache mit den Überstunden und dem Urlaub aufmerksam machen. Lenkt dein Betrieb auch dann nicht ein, rate ich dir dich an deine örtliche Gewerkschaft zu wenden.
    Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Metall
    Geschäftsstelle München
    Strasse / Nr.: Schwanthalerstr. 64
    PLZ, Ort: 80336 München
    Telefon: 089 51411-0
    E-Mail: • muenchen@igmetall.de

    Homepage: • www.igmetall-muenchen.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.09.2018 20:51:52


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