Deutscher Gewerkschaftsbund

Große Probleme während Ausbildung (Schikane/Mobbing)

Hallo liebes Team,

ich heiße Alex, bin 23 Jahre alt und bin jetzt im 3. Lehrjahr zum Industriekaufmann.
Und zwar bin ich zur Zeit in der Verkaufsabteilung die mir absolut nicht liegt. Die Kollegen erzählen und "tuscheln" hinter meinen Rücken und machen sich lustig über mich. Sollte ich mal eine Aufgabe nicht schnell genug machen heißt es "soll ich dir mal ein paar klatschen? bei meinen Söhnen hat es auch gut geholfen". Und auch noch andere Formen der Gewaltandrohung. Zudem werde ich mit Aufgaben überhäuft die ich noch nie gemacht habe, wie z.B.: "das ist Aufgabe des Azubis, geh zu ihm er macht das...".Wie gesagt, habe viele Aufgaben noch nie gemacht und stehe dann dumm da... Sobald ich eine Aufgabe wiederholt erklärt haben möchte heißt es: "nein, erkläre ich nicht noch einmal, wenn es falsch ist bekommst du Ärger mit der jeweiligen Abteilung". Durch diesen ganzen Stress (Mobbing?) bin ich langsam mehr als fertig mit den Nerven. Ich bin schon sehr stark und oft erkrankt in letzter Zeit und mein Arzt meint auch das es mit der Situation auf Arbeit zusammen hängt. Das gefällt meinem Betrieb natürlich nicht und setzt mich auch nach der Wiederkehr unter Druck. Jeden Morgen wünsche ich mir das irgendetwas passiert das verhindert das ich auf Arbeit ankomme. Zudem habe ich auch einen längeren Arbeitsweg der das ganze auch nicht leichter macht wenn ich morgens mit den Problemen aufstehe. Gespräche mit dem Personalchef und Ausbilder hatte ich auch schon, nur ohne Erfolg. In den Gesprächen wird nur elegant die Schuld auf mich geschoben. Demnächst habe ich wieder ein Gespräch und das wird auch nicht anders verlaufen. Thema war bei einem Gespräch z.B. die Abteilung. Man lässt mich nicht aus der Abteilung raus, das ist denen egal. Ich glaube auch nicht das ich es rechtlich erzwingen kann die Abteilung zu wechseln. Kündigung sollte keine Option sein da die Prüfungen im Mai 2019 sind und es dann vorbei wäre. Nur bin ich mir nicht sicher ob ich diese Zeit überstehe auch wenn ich mich selbst dazu zwinge. Betriebswechsel ist mehr als schwierig da es in meiner Region keine Alternativen gibt, deshalb ist mein jetziger Betrieb auch ein ganzes Stück von meinem Wohnort entfernt (täglich Autobahn). Würde es die Möglichkeit geben sich für den Rest der Ausbildung nur für den Betrieb krank schreiben zu lassen und dennoch weiterhin zur Schule zu gehen? Ich würde sehr gern die Ausbildung abschließen und weiterhin in dem Bereich arbeiten, nur ist das in meinem jetzigen Betrieb unmöglich. Zudem habe ich auch Angst mich krank schreiben zu lassen, da auf Arbeit danach auch Druck ausgeübt wird obwohl sich die Probleme ganz klar auf meine Gesundheit auswirken.

Für einen Rat wäre ich sehr dankbar, da ich selbst nicht mehr weiter weiß.

Vielen Dank

Liebe Grüße

Alex R.

Alex R.: 09.07.2018 12:41:44 |
  • RE: Große Probleme während Ausbildung (Schikane/Mobbing)

    Hallo Alex,
    Das ist eine schwierige Situation in der du dich befindest und ich finde es erstaunlich, wie lange du sie schon erträgst. Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass du dich gegen den psychischen Druck wehrst, denn dadurch verlierst du ja nicht nur alle Freude an deinem Traumjob, sondern Mobbing macht auf Dauer auch krank! Hier sind ein paar Tipps für dich:

    1. Es ist wichtig, dass du mit Menschen deines Vertrauens über deine Probleme am Ausbildungsplatz sprichst. Wenn du es nur runterschluckst, werden sich die Erfahrungen bald auf deine Seele oder deinen Körper auswirken, z. B. Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmprobleme.

    2. Du solltest sofort anfangen, ein Tagebuch über die Vorkommnisse zu führen. Wer hat was, wann zu wem gesagt und wer war noch dabei? Oder wer hat wann was getan und wer war noch dabei? Schreib dir alles möglichst genau auf. Auf dieses Tagebuch kannst du dann später zurückgreifen, es kann sehr nützlich sein, wenn du dich wehren willst.

    3. Du solltest möglichst früh Stellung beziehen, wenn du mit dem Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten dir gegenüber oder auch gegenüber anderen nicht einverstanden bist. Sage klar und deutlich, wenn du etwas nicht in Ordnung findest und benenne genau, was es ist! Denn so verschaffst Du Dir Respekt.

    4. Bitte die Person zu einem Gespräch. Überlege dir vor dem Gespräch einige Situationen und Beispiele, in denen das Verhalten der Person besonders verletzend und offensichtlich war. Beginne in dem Gespräch deine Sätze mit „Ich“. Sage also nicht: „Sie kritisieren mich ständig!“ sondern „Ich fühle mich ständig von Ihnen kritisiert und oft empfinde ich die Kritik als nicht gerechtfertigt!“. Versuche sachlich und selbstkritisch zu bleiben. Das Gespräch solltest du nicht alleine führen. Es ist sehr empfehlenswert, eine Person deines Vertrauens oder bestenfalls ein Betriebsratsmitglied mitzunehmen. Es ist auch empfehlenswert, das Gespräch zu protokollieren.

    5. Dein Ausbilder hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht; d.h. er hat die Pflicht dich vor seelischer und körperlicher Gefährdung zu schützen. Er muss deine Anliegen ernst nehmen und du kannst ihn um Hilfe bitten. Diese Möglichkeit solltest du unbedingt auch in Anspruch nehmen. Falls dein Ausbilder dein Anliegen nicht ernst nimmt, kann das für dich auch ein Kündigungsgrund darstellen.

    6. Mobbing macht krank. Von daher ist es nicht verwunderlich, falls du unter psychosomatischen Problemen wie Schlafstörungen, Magen-/Darmprobleme, Herz-/Kreislaufprobleme oder unter psychischen Problemen wie Weinkrämpfe, depressive Verstimmungen, Angstsymptome leidest. Wenn die Belastung zu groß wird, solltest du einen Arzt aufsuchen und dich krankschreiben lassen. Wenn du bis zum Ende der Ausbildung insgesamt nicht mehr als 10-15 % der gesamten Ausbildungszeit gefehlt hast, kannst du ohne Probleme an der Abschlussprüfung teilnehmen. Auch wenn du bis zum Schluss im Betrieb gefehlt hast. Das würde ich aber zur Sicherheit mit der Kammer absprechen und klären, welche Möglichkeiten du hast. empfehle ich dir, dich bei der zuständigen Kammer (z. B. IHK, HWK) zu melden und dort um eine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung zu bitten. Im Ausnahmefall und unter Berücksichtigung deiner Umstände ist das theoretisch möglich. Sag ihnen ruhig, dass du es bis zum Ende dort nicht mehr aushältst und die Gefahr besteht, dass du krank wirst. Meist musst du dann auch dein Berichtsheft vorlegen, damit eingeschätzt werden kann, ob du alle nötigen Ausbildungsinhalte bereits gelernt hast und die Prüfung schaffen könntest.

    Einen Kontakt zu deiner Gewerkschaft findest du hier:

    ver.di vor Ort

    Sitz des Landesbezirks Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
    Karl-Liebknecht-Straße 30-32
    04107 Leipzig

    Tel.: 0341/52901-0
    Fax: 0341/52901-500
    E-Mail: lbz.sat@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Oliver Greie
    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 10.07.2018 16:02:24


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