Deutscher Gewerkschaftsbund

Azubidienste und ab wann man Ausbildungsfremde tätigekeiten verweigern sollte

Hallo,

Ich bin nun im 2. ausbildungsjahr meiner ausbildung.
In den letzten 2 Jahren habe ich in meinem Betrieb viele unstimmigkeiten bezüglich der Azubidienste festellen können. Ich find es ja ok das man als azubi die ein oder andere nebentätigkeit machen muss die nicht zwingend zu den Ausbildungstätigekeiten gehört, allerdings häufen sich unsere tätigkeiten in letzter zeit immer mehr.

Azubis bei uns müssen täglich/wöchentlich folgende dienste erledigen:

- Spühlmaschine ein/ausräumen
- Abwaschen
- Toilettenpapier/papierhandtücher/ seife nachfüllen und bestellen
- pflanzen gießen
- kartons kleinmachen
- müll rausbribgen
- ab und zu wird gegrillt und dafür sind dann die azubis verantwortlich (grillen, sauber machen etc)
- kaffeemaschine täglich reinigen

Einer unserer azubis wurde letzte woche damit beauftragt unkraut um das firmengebäude herum zu entfernen und ein anderer um unsere firmenterasse zu erweitern (säge/bauarbeiten mit holz).

Meine frage ist jetzt: Müssen wir uns das gefallen lassen?

Wir Azubis haben alle einen Tätigkeitsrahmenplan am anfang der Ausbildung bekommen, doch keiner dieser tätigkeiten wurde bis jetzt explizit durchgenommen. Uns wurde die notwendigen tätigkeiten im Betrieb beigebracht um hier wie ein normaler mitarbeiter zu arbeiten, dies tun wir auch alle. Ansprechpartner gibt es kaum welche bzw können diese uns oft nicht weiterhelfen.

Ich weiss leider nicht ob ich damit weiter vorgehen soll bzw. Das gegebenfalls melden soll. Unseren Chef haben wir schonmal darauf angesprochen, jedoch nimmt er das nicht so ernst.

Über eine Antwort oder Hilfe generell würde ich mich sehr freuen.

Jonas : 09.07.2018 10:16:49 |
  • RE: Azubidienste und ab wann man Ausbildungsfremde tätigekeiten verweigern sollte

    Hallo Jonas,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.
    Klar kommt es gelegentlich vor, dass Azubis für die Kaffeemaschine zuständig sind etc. allerdings sollte das nicht Überhand nehmen und trotzdem gerecht zwischen Azubis und Ausgelernten aufgeteilt werden. Man kann aus deiner Anfrage herauslesen, dass du lange nichts gegen gelegentliche ausbildungsfremde Tätigkeiten einzuwenden hattest. Allerdings, so finde auch ich, nimmt die Sache langsam Überhand.

    Hier die rechtlichen Grundlagen:
    Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem hast du ja am Anfang der Ausbildung einen auf euer Unternehmen zugeschnittenen Rahmenplan bekommen, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Wenn die ausbildungsfremden Tätigkeiten Überhand nehmen, solltest du dich wehren, denn dann ist das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet. Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest. Dabei rate ich dir, dich mit deinen Mit-Azubis zusammen zu tun. Gemeinsam seid ihr stärker:

    1. Sprich die Situation bei deinem Chef an. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.

    2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den Ausbilder schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf.

    Sehr geehrter Herr/Frau ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden)
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Unterschrift Azubi ____________

    3. Wenn auch das nichts bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:


    Ver.di Schweinfurt
    Am Zeughaus 9 - 13
    97421 Schweinfurt
    Tel.: 09721/1790-0
    E-Mail: bz.schweinfurt@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Außerdem könntest du dich an eine_nAusbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 09.07.2018 11:46:38


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