Deutscher Gewerkschaftsbund

Angst um meine Ausbildung, weil ich angeblich nicht geeignet bin

Hallo,

so wie es aussieht, habe ich, was meine berufliche Zukunft betrifft, gerade einen ziemlichen Tiefpunkt erreicht. Ich steh zurzeit noch unter meinem Ausbildungsvertrag als Elektroniker für Betriebstechnik (bei einem recht großen Betrieb, wo hunderte Azubis ausgebildet werden). Während der zwei Jahre, die ich bisher in der Lehre verbracht hatte, musste ich mich mit mehreren Schwierigkeiten auseinandersetzen. Da wären zum Beispiel Probleme mit einigen Azubi-Kollegen bei uns in der Lehrwerkstatt, wo es öfter zu Streitigkeiten und Mobbing-Fällen kam. Ich war auch mit Schuld an der Situation, weil ich leider in der Schulzeit schlechte Erfahrungen mit mobbenden Leuten gesammelt hatte und entsprechend enpfindlich bin, da ich das bis heute nicht so recht verarbeiten konnte. Hinzu kamen private Probleme, wie zum Beispiel dass ich unter ziemlichen Minderwertigkeitskomplexen litt und Probleme mit Freunden hatte. All diese Schwierigkeiten hatten dazu geführt, dass ich nicht die volle Leistung in der Ausbildung rausbringen konnte, ich war oft abwesend, habe nur über meine Probleme nachgedacht und bekam so Konzentrationsschwierigkeiten.

Mir war aber nach und nach klar, dass ich mich zu sehr angestellt hatte. Würde ich privates und Arbeit trennen können und würde ich nicht standig in Konfliktsituationen geraten, dann bin ich sicher, dass ich bessere Leistungen in der Ausbildung hätte erbringen können. Ich hatte schon mehrere Gespräche mit unserem Ausbildungsleiter, und er betonte jedes mal, dass ich mich seiner Meinung nach nicht auf dem Stand eines Elektroniker-Azubi im 2. Lehrjahr befinde. Seiner Meinung nach ist die Fortführung der Ausbildung auf dem derzeitigem Stand nicht zumutbar, da er auch sehr um meine Sicherheit sorgen machte (Wir würden ja an elektrischen Anlagen mit mehreren hundert Volt Spannung arbeiten). Natürlich nahm ich das nicht auf die leichte Schulter. Mir war klar, ich brauchte professionelle Hilfe, so depressiv wie ich wurde, und daher befinde ich mich seit April jetzt in teilstationärer, psychotherapeutischer Behandlung.

In den letzten Monaten, bevor ich in Behandlung gegangen bin, habe ich nochmal Anlauf genommen und versucht, alles was ich in der Ausbildung an Inhalten aufgrund Unkonzentriertheit nicht verstanden habe wieder aufzuarbeiten. Teilweise mit Erfolg, ich hatte einen guten Ansatz gemacht, verstand so manche Inhalte nun besser, und auch in der Berufsschule steh ich, soweit mir das gesagt wurde, zumindest in keinem Fach 5, eher so ein Notendurchschnitt zwischen 3 und 4. So konnte ich wenigstens mit einen hoffnungsvollen Gefühl in die Behandlung gehen.

Die Therapie ist anstrengend, aber man sagte da, ich mache immer weiter Fortschritte. Ich merke selber auch, wie mir die Auszeit gut tut. Eigentlich war es so vorgesehen, dass ich nach Ende der Behandlung wieder in die Ausbildung zurück kehren würde und nochmal das 2. Lehrjahr wiederhole. Nun hatte ich gestern ein gemeinsames Gespräch mit dem Ausbilder und den Therapeuten. Das lief leider nicht so, wie ich es erhofft hatte. Der Ausbilder betonte, er hat weiterhin große Bedenken, dass ich die Lehre fortführen würde. Um zu zeigen, ich wäre für den Beruf als Elektroniker ausbildungsfähig, müsste ich mich komplett um 180° drehen, was er aber, auch wenn ich Fortschritte in der Therapie zeige, bei mir für nicht möglich hält. Er rät mir, den Beruf Elektroniker komplett aus dem Kopf zu schlagen, da es für mich viel zu gefährlich wäre, und ich soll überlegen, welche berufliche Alternativen es für mich gibt. Außerdem will man mich unterstützen, nach alternativen Ausbildungsberufen zu suchen.

Mir fällt es aber schwer, zu glauben, dass ich überhaupt nicht geeignet wäre. Immerhin habe ich einige Male bewiesen, dass ich mit viel Willenskraft Leistungen vollbringen und auch entsprechend konzentriert bleiben kann, wenn es um Arbeiten an elektrischen Anlagen geht. Und ich finde, ich habe bei diesem Beruf wirklich eine gute Wahl getroffen. Das habe ich meinem Arbeitgeber mehrere Male gesagt, auch dass ich von mir überzeugt bin, aber die bleiben fest dabei, dass ich nicht fähig sei und wollen demnächst den Ausbildungsvertrag aufheben.

Ich weiss da echt nicht mehr weiter, mir geht es seitdem absolut furchtbar. Vorher hatte ich noch die Hoffnung, dass ich an meinen Ausbildungsplatz zurück kommen würde, und jetzt soll ich das einfach aufgeben und stattdessen was neues überlegen? Ich dachte als Azubi habe ich Rechte, auch dass man mich nach der Probezeit nicht wegen schlechter Leistungen kündigen kann. Wie kann ich meinem Arbeitgeber denn noch überzeugen, dass ich die Ausbildung schaffen würde? Weil ein Wechsel des Berufes, und das mit 24 Jahren....also ich seh, dass das dazu führen würde, dass ich wohl jahrelang Praktika mache, aber keine feste Lehrstelle finde wegen dem, was im Lebenslauf steht, also dass ich nur noch Absagen erhalte.

Das ist jetzt ein ziemlich langer Text. Aber ich leide momentan nun mal unter großen Existenzängsten und hoffe, dass mir hier jemand weiterhelfen kann.

Daniil : 06.07.2018 19:12:07 |
  • RE: Angst um meine Ausbildung, weil ich angeblich nicht geeignet bin

    Hallo Daniil!

    Vielen Dank für deine Anfrage. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst und gerne helfe ich dir in Sachen Ausbildung weiter. Du hast wirklich schon sehr viel geschafft und kannst sehr stolz auf dich sein. Sich seinen Problemen zu stellen und eine Therapie zu machen ist ein großer Schritt und es ist eine große Leistung dort auch noch Fortschritte zu machen. Ich habe davor wirklich sehr viel Respekt.

    Nun zu deiner Anfrage: Ganz richtig hast du erkannt, dass dein Arbeitgeber dir nach der Probezeit nicht so einfach kündigen kann. Sondern nur fristlos aus einem wichtigen Grund (§22 Berufsbildungsgesetz). Ein Aufhebungsvertrag funktioniert nur, wenn du der Aufhebung der Ausbildung auch zustimmen würdest. Also, ob dein Ausbilder die Ausbildung „aufheben“ kann liegt an dir.

    Hier ein paar Tipps was du noch alles tun könntest:

    Du schriebst, dass du in einem großen Ausbildungsbetrieb arbeitest, dann habt ihr bestimmt einen Betriebsrat (BR) und eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV). Wende dich an die JAV und den BR. Beide sind Teil der betrieblichen Interessenvertretung und stehen gegenüber dem Arbeitgeber für die Interessen der Beschäftigten ein. Sie können nochmal mit deinem Ausbilder sprechen oder dich zu Gesprächen mit ihm begleiten.

    Du könntest dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden und mit deinem Jugendsekretär/ deiner Jugendsekretärin den Fall besprechen. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung, dann bist du hier auch schon auf der sicheren Seite. Hier ein Kontakt:

    IG Metall Köln-Leverkusen
    Hans-Böckler-Platz 1
    50672 Köln
    Tel.: 0221 951524-0
    Fax: 0221 951524-40/-41
    Email: koeln-leverkusen(at)igmetall.de
    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Ein weiteres Gespräch mit deinem Ausbilder, indem du ihm nochmals klar machst wie viel Spaß dir die Ausbildung macht und dass du sie auf jeden Fall weiter machen möchtest, kann eventuell auch helfen. Auch wenn du schon mit ihm gesprochen hast. Manchmal hilft es das einfach nochmal zu tun. Erklär ihm nochmal warum du die Ausbildung magst und du diesen Beruf erlernen möchtest.

    Wenn du die Ausbildung beenden möchtest ist es nur wichtig, dass du keinem Aufhebungsvertrag zustimmst, also nicht unterschreibst. Wenn es bei euch eine JAV und /oder einen BR gibt nimm Hilfe von ihnen in Anspruch und melde dich auch bei deiner Gewerkschaft.

    Wichtig ist auch, solltest du dich doch für einen anderen Ausbildungsberuf entscheiden den Aufhebungsvertrag mit deinem alten Unternehmen erst dann zu unterzeichnen, wenn du schon einen unterschriebenen Vertrag mit einem neuen Unternehmen hast. Damit genau das was du oben beschreibst wandern von Praktikum zu Praktikum nicht passiert.

    Ich wünsche dir für deinen weiteren Weg ganz viel Kraft und gute Besserung.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 07.07.2018 13:48:52


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