Deutscher Gewerkschaftsbund

Kündigung unterschrieben

Hallo ich bin die Jennifer 19 Jahre alt und hab heute vom Arbeitgeber die fristlose kündigung schriftlich, im Betrieb erhalten und eine Kopie für die Firma auch unterschrieben.
Ich war 6 Tage nicht in der Schule und hatte meinem Lehrer auch erzählt das ich arbeiten müsste was ich nicht getan hab, darauf hin hat er meinem Betrieb eine E-Mail geschrieben und auch angerufen nun wurde ich fristlos gekündigt hätte ich da nicht eine Abmahnung für kriegen müssen, weil ich habe noch keine gehabt und das war auch das erste mal das ich unentschuldigt in der berufsschule gefehlt habe. Das steht genau in meiner kündigung drine "laut Aussage ihres Klassenlehrers liegt uns nunmehr die Information vor, dass Sie den Berufsschulunterricht nicht mehr besuchen. Als Erklärung gaben Sie an, arbeiten zu müssen. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Wir erachten daher das Vertrauensverhältnis als nachhaltig gestört und kündigen hiermit den Ausbildungsvertrag fristlos." Kann ich da was gegen machen ?

Julia: 17.05.2018 09:27:36 |
  • RE: Kündigung unterschrieben

    Hallo Jennifer,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.

    Mannometer, da hast du dir echt Ärger eingehandelt. Es ist klar, dass du mit Konsequenzen rechnen musstest und ich kann verstehen, dass dein Ausbilder das Vertrauensverhältnis massiv gestört sieht.

    Ob deinem Vergehen eine Abmahnung vorausgehen sollte, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Das kann nur ein Arbeitsrichter entscheiden. Ich empfehle dir deshalb gegen die Kündigung vorzugehen.
    Handle schnell, denn du hast nur drei Wochen Zeit, etwas gegen die Kündigung zu unternehmen. Danach ist sie wirksam.

    Hier die rechtlichen Grundlagen:
    Nach der Probezeit ist eine Kündigung nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Das Berufsausbildungsverhältniskann von deinem_rAusbilder_in nur außerordentlich und fristlos (das heißt von heute auf morgen) gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz).
    Wichtige Gründe sind zum Beispiel:
    • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit/Berufsschule
    • Urlaubsantritt ohne Genehmigung
    • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit/Berufsschule
    • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtsheft)
    • nachgewiesener Diebstahl
    • Anwendungen von Gewalt und krasse Beleidigungen in Betrieb/Berufsschule

    Selbst wenn diese Gründe vorliegen, muss man in deinem Fall noch genau prüfen, ob sie für eine fristlose Kündigung ausreichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass fristlose Kündigungen oft nicht rechtens sind.

    Bei leichten Pflichtverletzungen oder Vergehen ist eine fristlose Kündigung erst dann erlaubt, wenn du dein Verhalten nicht änderst, obwohl du von deinem Betrieb schon öfter eine Abmahnung dafür bekommen hast. Du musst deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) bekommen haben, bevor du gekündigt werden kannst. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichen.

    Eine Kündigung muss immer schriftlich sein. Die Gründe müssen dabei genau angegeben werden, sonst ist die Kündigung nicht wirksam.

    Unabhängig vom Kündigungsgrund stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.

    Folgende Schritte solltest du so schnell wie möglich gehen:

    1.Wende dich an deinen Betriebsrat (falls vorhanden)

    2.Hole dir Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz bei einem Kündigungsschutzverfahren. Sie hilft dir auch dabei, Klage gegen die Kündigung zu erheben.
    Hier ist ein Kontakt zu deiner örtlichen Gewerkschaft:

    Ver.di Geschäftsstelle Krefeld
    Virchowstr. 130a
    47805 Krefeld
    Tel.: 02151/8167-0
    E-Mail: bz.lnr@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch
    ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    3. Als nächstes solltest du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft möglichst schnell einen Antrag für ein Schlichtungsverfahren bei deiner zuständigen Kammer oder dem zuständigen Arbeitsgericht stellen. Sie leitet dann ein Schlichtungsverfahren ein.

    4. Falls deine Klage Erfolg hat, du aber nicht mehr zurück in deinen Betrieb möchtest, kannst du dich jetzt schon mal um einen neuen Ausbildungsbetrieb kümmern. Wende dich an deine Berufsschulsozialarbeit, sie hilft dir dabei, wie es beruflich weitergeht. Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigungdurch-den-azubi.html#Bewerbung. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de.
    Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im
    Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines
    Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probe arbeiten.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!
    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 18.05.2018 10:40:19


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die DGB-Jugend Datenschutzerklärung gelesen.