Deutscher Gewerkschaftsbund

Allgemein

Hallo,
ich bin im 1. Ausbildungsjahr als Anlagenmechaniker. ( über 18 )
Ich habe mehrere Fragen zu meinen Überstunden und Fahrzeiten und Pausen.

Ich arbeite jeden Tag 12 Stunden (Mo-Fr), da ich auch zu den jeweiligen Baustellen fahren muss. Mein Chef meint allerdings, dass die Fahrt von der Firma zur Baustelle keine Arbeitszeit sei. Stimmt das ?
Falls ich die Überstunden ausbezahlt haben möchte bekomme ich dann den Mindestlohn oder den Ausbildungslohn? Und falls ich diese abhängen möchte stehen mir alle gemachten Überstunden zu?

Manchmal ist es auch so, dass ich keine Pause machen darf und dementsprechend auch nichts Essen darf. Wie viele Stunden Pause stehen mir zu ?

Mit dem Arbeitsauto darf ich nach Hause fahren. Aber was passiert, wenn ich damit privat fahre ? z.B. Im Notfall ?

Im Voraus vielen Dank für die Antwort

Mit freundlichen Grüßen

Maik: 12.02.2018 13:15:19 |
  • RE: Allgemein

    Hallo Maik,

    vielen dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter.

    Zunächst zum Auto: Du darfst mit dem Auto nur Fahren, wenn es dir dein Chef erlaubt. Also eigentlich nicht im Notfall privat. Außer dein Chef erlaubt dir das.

    Nun zu den Arbeitszeiten. Hier ein paar Infos, dir dir deine Fragen beantworten sollten:

    Arbeitszeit für Volljährige

    Auch für Azubis über 18 Jahre gibt es Beschränkungen bei der Arbeitszeit. Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann zwar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§9,10 Arbeitszeitgesetz). Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem steht dir für die Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht dir ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss (§11 Arbeitszeitgesetz). 

Du darfst also nach dem Arbeitszeitgesetz an sechs Tagen pro Woche durchschnittlich 48 Stunden arbeiten. Trotzdem gilt für fast alle volljährigen Azubis ebenfalls die Fünf-Tage-Woche, weil sie in Tarifverträgen festgelegt ist. Und auch die Arbeitszeit ist oft in Tarifverträgen deutlich niedriger festgelegt. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt.
    
Auch bei Azubis über 18 Jahren muss die Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Arbeitspausen sind einerseits aus biologischen Gründen notwendig, andererseits dienen sie dazu, Überlastung und Unfallrisiken zu vermeiden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein und bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Du darfst nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden (§4 Arbeitszeitgesetz).
    Falls dein Betrieb sich nicht an das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Dr. Azubi: 13.02.2018 11:45:51


  • RE: Allgemein

    Überstunden

    Das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest! 

    Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Minderjährige dürfen nicht mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz). Volljährige dürfen durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden arbeiten – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)! 

Achtung: Wenn du nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb bist und es kommt zu einem Arbeitsunfall, kannst du Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz).

    Du willst keine Überstunden mehr machen?

    Dann solltest du 1. Nach der Probezeit zunächst um ein Gespräch mit deinem Ausbilder bitten. Nimm, falls möglich, ein Betriebsrat-Mitglied mit. Sage im Gespräch, dass du nicht bereit bist, weiter so viele Überstunden zu leisten, und berufe dich auf die festgelegte Ausbildungszeit.

2. Eine schriftliche Aufforderung schreiben. Hebe die Kopie des Schreibens auf:
Musterbrief:
    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

Ort/Datum
    Hinweis auf die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit

Sehr geehrte/r Frau/Herr …...........,

Laut Ausbildungsvertrag beträgt meine tägliche Arbeitszeit …. Stunden.
Die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit reicht aus, um die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Trotzdem muss ich regelmäßig Überstunden leisten.

Einige Beispiele:


Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

Die Überstunden dienen oft nicht dem Ausbildungszweck.
Während der Überstunden ist häufig kein Ausbilder anwesend.
Diese Arbeitszeiten verstoßen zudem gegen das JArbSchG/ArbZG.

Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, sich an die vertraglich festgelegte Arbeitszeit zu halten und Überstunden zukünftig nur noch in betrieblichen Notfällen anzuweisen.

Mit freundlichen Grüßen,
    Unterschrift Azubi …...................

3. Falls die Überstunden unbezahlt sind, solltest du sie möglichst bald schriftlich geltend machen. Wenn der Betrieb merkt, dass deine Arbeit nicht gratis ist, überlegt er es sich vielleicht anders.

4. Falls das alles nicht hilft kannst du den Rechtsweg einschlagen. Dazu wende dich an deine Gewerkschaft, der Rechtsschutz den du dort hast, reicht für die arbeitsrechtlichen Streitfälle aus.

>>>GEWERKSCHAFT<<<

Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

Viel Erfolg und viel Kraft für die vor dir liegenden Herausforderungen! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße


    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Mehrarbeits- und Zeitzuschläge

    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz). 

Überstunden auszahlen oder Freizeitausgleich?

Wenn du dich jetzt fragst, ob sich Überstunden für dich lohnen, rechne dir folgendes aus: Teile deine monatliche Ausbildungsvergütung durch 30 Tage. Teile diesen Betrag dann durch deine durchschnittliche tägliche Arbeitszeit, zum Beispiel acht Stunden. Schau dir den Betrag genau an, der zwischen einem und vier Euro liegen dürfte: Das verdienst du als Azubi in der Stunde. Jetzt überlege dir, ob du deine Überstunden wirklich ausbezahlt oder nicht lieber doch in Freizeit ausgeglichen haben willst. Auf dein Verlangen hin, ist ein Ausgleich der Überstunden in Freizeit möglich. 

Unbezahlte Überstunden?

Falls du regelmäßig Überstunden machen musst, die dir nicht ausbezahlt oder in Freizeit ausgeglichen werden, schreibe sie dir genau auf und schreibe auch dazu, was du gemacht hast bzw. wo und mit wem. Am besten kopierst du dir z. B. auch Schichtpläne oder Arbeitszeitnachweise. Du kannst die Überstunden nämlich auch rückwirkend geltend machen, eventuell sogar nach dem Ende deiner Ausbildung. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfahren, wie lange du deine Überstunden rückwirkend fordern kannst, bevor sie dir verfallen.
    Fahrtzeit

    Laut einer Information der Handwerkskammer Schwaben gehören zur Arbeitszeit Wegezeiten, die innerhalb des Betriebes oder zu einer außerhalb des Betriebes gelegenen Arbeitsstelle erforderlich sind. Wegezeiten sind demnach immer dann Arbeitszeiten, wenn sie betriebsbedingt nach und vor dem Ende der normalen Beschäftigung liegen oder von der Betriebsstätte aus zu den außerhalb des Betriebes gelegenen Arbeitsstätten benötigt werden, und im Betrieb vorher oder nachher noch gearbeitet wird. In diesem Fall beginnt und endet die Arbeitszeit in der Betriebsstätte. Auch die Wegezeit zwischen zwei Arbeitsstellen zählt zur Arbeitszeit.

    Dies gilt aber nicht unbedingt, wenn im Betrieb nicht mehr gearbeitet wird oder die Fahrt zur Baustelle von einer Sammelstelle oder von zu Hause aus angetreten wird. In diesen Fällen regeln häufig Tarifverträge die Anrechnung auf die Arbeitszeit. Maßgeblich für die Berechnung ist die Zeit der Benutzung des zeitgünstigsten öffentlichen Verkehrsmittels.

    Es bestehen keine gesetzlichen Grundlagen, welche die Anrechnung der Wegezeiten klar regeln. Liegen keine tariflichen Regelungen vor, oder finden diese keine Anwendung, dann wird die Wegezeit zur Baustelle, abzüglich der Zeit, die Du vom Treffpunkt bzw. von zu Hause aus bis zum Betriebssitz gebraucht hättest, zur Arbeitszeit hinzugerechnet. Die Handwerkskammer Schwaben weist weiter darauf hin: „In einem Schreiben vom 23.04.2001 geht allerdings das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz davon aus, dass Fahrzeiten vom Betrieb zur Montagestelle bei Jugendlichen und Erwachsenen generell zur Arbeitszeit zählen.“ Daraus wird deutlich, dass in diesem Punkt unterschiedliche Auffassungen bestehen.

    Als Teil der Arbeitszeit zählen betrieblich veranlasste Wegezeiten, die durch die Beförderung des Auszubildenden vom Betrieb zu einer anderen Arbeitsstätte anfallen oder die Zeit für den Weg zwischen dem Betrieb und einer außerbetrieblichen Ausbildungsstätte oder auch die Zeit von einer Arbeitsstelle (oder Baustelle) zur nächsten (etwas bei Monteursarbeiten) oder bei einem Außendienstmitarbeiter von einem Kunden um nächsten, nicht aber sonstige Wegezeiten von zu Hause zum Betrieb oder der Nachhauseweg. Hat der Auszubildende auf Weisung des Ausbildenden die Arbeit nicht im Betrieb aufzunehmen, sondern an einer Montage-oder Baustelle, zählt die von ihm dafür benötigte Wegezeit dann als Arbeitszeit, wenn die dafür aufgewendete Zeit über die Zeit hinausgeht, die der Auszubildende normalerweise von seiner Wohnung bis zum Betrieb oder zur üblichen Arbeitsstätte benötigt (§11 BBIG, §4 Abs.1 JArbSchG).

    Du solltest Dich daher mal an deine Gewerkschaft wenden und fragen, ob vielleicht für dich ein Tarifvertrag die Anrechnung regelt bzw. dort kannst Du erfragen welche Vereinbarungen in der Praxis mit dem Arbeitgeber üblich sind. Hier ein Kontakt:

    IG Metall - Geschäftsstelle Hamm-Lippstadt
    Westring 2
    PLZ, Ort: 59065 Hamm
    Telefon: 02381 43688-0
    Fax: 02381 43688-29
    E-Mail: hamm-lippstadt@igmetall.de
    Homepage: www.igmetall-hamm-lippstadt.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Ich hoffe dir weitergeholfen zu haben und wünsche dir alles Gute.

    Dein Dr. Azubi

    Dr. Azubi: 13.02.2018 11:46:16


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