Deutscher Gewerkschaftsbund

Einarbeitungszeit im letzten Lehrjahr und psychische Probleme

Hallo Dr Azubi,

ich bin jetzt in den letzten Monate einer Hotelfachfrauausbildung, und möchte mal wissen, ob es möglich wäre, meine restliche Ausbildungszeit als Einarbeitungszeit nutzen zu können. Der Termin für den schriftlichen Prüfung steht fest, ich sollte sie Mitte April ablegen.

Ich habe seit langem festgestellt, dass es für mich unmöglich geworden ist, in meinem jetzigen Betrieb die Ausbildung fortzusetzen. Bei uns herrscht durch meine Ausbilderin eine fürchterliche Arbeitsklima, ich werde oft als Lehrling im 3. LJ zusammengefalten, ich würde auch oft allein im Fruh - oder Spätdienst gelassen, und bei Veranstaltungen/an der Rezeption geht es schief, weil ich die Kenntnisse nicht, oder selten beigebracht bekommen habe. Wenn ich Hilfe brauche hat meine Ausbilderin keine Zeit dafür, behauptet sie. Seit vorgestern ist es dazugekommen, dass Gäste mir durch ihre Betrunkenheit bei einer Veranstaltung verarschen ließen, und die Facharbeiterin ließ mich in den sauren Apfel beißen, weil ich alles vermehrt habe. Meine Ausbilderin hat mich gestern in ihrem Büro als unkollegial und bösartig bezeichnet, und mein Chef ist auch böse mit mir. Die einzige, die jetzt für mich einsetzt, ist meine Küchenchefin, damit meine Ausbildung überhaupt hinhaut.

Es sind auch mehrere Vorfälle, wobei die Geschäftsführung mich als Lehrling nicht richtig geschützt haben, z.B bei sexueller Belästigung. Zwar haben die beide Täter bzw. MA ihre Bestrafung bekommen (einer hat gekündigt, der andere ist gekündigt worden), und jetzt bin ich seit November wegen einer Vorgeschichte mit sexueller Gewalt in einer psychologischen Therapie. Ich muss trotzdem meine Sorgen und Ausbildung beides gleichzeitig bewagen. Bei mir steht zusätzlich von der Hausärztin eine Verdachtsdiagnose von PTBS. Und das interessiert keiner, wie ich momentan leide. Einmal schrieb ich mich krank, weil ich es nicht ertragen konnte.

Heute war ich aber mit meiner Projektträgerin im Gespräch, ob ich schon bewerben kann. Ideal nach der Ausbildung wäre eine Stelle im Verkauf, oder an der Bar. Da es bei meinem Betrieb keine Weiterbildungsmöglichkeiten gibt, muss ich mir alles selber beibringen, wenn es um Fachgebiete gibt, und dafür sind meine Schulleistungen entsprechend. Ich fühle mich echt für dumm verkauft wegen dem Betrieb, also wegen dem vorgestrigen Vorfall auf Arbeit weiß ich nicht, was rauskommen würde. Wenn ich bald Zeiten ein Küchenpraktikum bekomme, dann werde ich zwischenzeitlich bewerben, da ich langsam die Motivation jeden Tag auf Arbeit zu gehen verliere, und ich will mich nicht aufgrund meiner persönlichen Probleme krankschreiben, sondern durchhalten. Deswegen wäre ich dankbar für jeden Rat.

Hannah: 13.11.2017 20:00:38 |
  • RE: Einarbeitungszeit im letzten Lehrjahr und psychische Probleme

    Liebe Hannah,

    vielen Dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Toll, dass du deine Ausbildung so gewissenhaft durchziehst,obwohl bei dir im Betrieb soviel schief läuft. Wenn du aber aus diesem Grund bereits psychosomatische Beschwerden erleidest, solltest du unbedingt handeln. Es ist richtig, nicht einfach so weiter zu machen. Ich kenne zwar deine private Situation nicht, aber deine Schilderungen über deine Ausbildungsbedingungen klingen nicht so, als lägen die Ursachen für deine Probleme nur im Privaten. Gerade Mobbing und sexuelle Belästigung beeinflusst die Betroffenen stark und kann sich langfristig auf die Gesundheit auswirken. Vondaher wäre es nur nachvollziehbar, wenn dich ein Arzt krankschreibt. Hier solltest du dich aber mit deinem Arzt und der Kammer in Verbindung setzen. Wenn dir nicht mehr als 10-15 % der Ausbildungszeit verloren gehen, dürfte die Teilnahme an der Abschlussprüfung nicht gefärdet sein. Am besten besprichst du das mit dem zuständigen Ausbildungsberater der Kammer.
    Wie auch immer du deine Situation lösen willst,denke ich auch, dass ein Wechsel des Betriebs von Vorteil wäre. Falls du einen neuen Betrieb findest, kannst du ja schon bei der Bewerbung sagen, dass du an einer Übernahme interessiert bist. Ihr könnt dann vereinbaren, dass der Rest der Ausbildung bereits als eine Einarbeitung betrachtet werden kann. Allerdings müssen natürlich dennoch die Inhalte der Ausbildungsordnung vermittelt werden.

    Möglich ist es auch die Prüfung extern zu absolvieren und bereits als ungelernte Kraft in einem Betrieb zu arbeiten und dann nach der Prüfung als Fachkraft weiterbeschäftigt zu werden. Der Nachteil dabei ist aber, dass du die Prüfungskosten selber tragen musst und auch keinen Anspruch auf Anleitung hast. Außerdem musst du mit der Kammer kläre4n,ob du die Voraussetzungen für eine Zulassung zur Prüfung als Externe erfüllst.Hier spielt es eine Rolle wievieldu bereits im Betrieb erlernt hast. Das ergibt sich aus deinem Betrichtsheft und wieviel Fehlzeiten du bereits in deiner Ausbildung hattest. Insgesamt solltest du eben nicht auf mehr als 10-15% Fehlzeiten kommen um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Am besten setzt du dich mit deiner Kammer in Verbindung. Ich hoffe dir weitergeholfen zu haben und wünsche dir viel Erfolg für deine weiteren Schritte. Solltest du noch weitere Fragen haben, kannst du dich auch gerne an deine Gewerkschaft bei dir vor Ort wenden. Hier ein Kontakt für dich:

    NGG - Region Leipzig-Halle-Dessau

    Leipzig
    Lange Str. 22-24
    04103 Leipzig
    Tel.: 0341 / 688 43 24
    Fax: 0341 / 688 43 24 19

    region.leipzig-halle-dessau@ngg.net

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 14.11.2017 13:43:53


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