Deutscher Gewerkschaftsbund

schlechte Bahandlung von Azubis

ich habe ein sehr großes Problem und zwar bin ich in der Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestelltin im 3. Lehrjahr und werde hier von Anfang an nur ausgenutzt ich muss hier nur putzen Einkäufe für meine Chefin erledigen bei ihr zuhause putzen mit dem Hund spazieren gehen ihn pflegen und in meinem Auto herumfahren wenn sie keine Zeit hat ich muss sogar an meinen freien tagen helfen ich werde grundlos angeschrien für Sachen für die ich nichts kann wie zb wenn der Hund dreckig ist das Büro nicht staubesaugt wurde oder das Treppenhaus nicht geputzt wurde Sie vergisst auch viel da sie schon älter ist und ich muss dann wissen wo sie die sachen hingelegt hat obwohl ich die meisten sachen nie zu Gesicht bekommen habe und so weiter Lernen tue ich hier leider garnicht ich könnte auch genau so gut zuhause bleiben und meinen Urlaub bekomme ich auch nicht weil meine Chefin warum auch immer sich frei nimmt in den Ferien sodass ich hier im Büro bleiben muss auf meine Pausen muss ich auch verzichten und habe zudem auch noch sehr viele Überstunden ich habe versucht den Ausbildungsplatz zu wechseln leider ohne Erfolg da sie Auszubildende im 3. Lehrjahr nicht mehr übernehmen wollen meine Prüfung wäre in 5 Monaten deshalb meine frage ein mädchen ist ein halbes jahr krankgeschrieben geht aber noch zur Berufsschule und darf auch an der Prüfung teilnehmen da Sie so ähnliche Probleme hat wie ich ich würde sowas ähnliches auch versuchen wollen denn sowas nennt man nicht arbeiten sondern man wird hier regelrecht ausgebeutet ich kann wirklich nicht mehr so kann ich die Prüfung vergessen ich brauche wirklich hilfe

Selly: 11.10.2017 15:58:56 |
  • RE: schlechte Bahandlung von Azubis

    Hallo Selly,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Ich kann gut verstehen, dass du verzweifelt bist und es ist gut, dass du dir bei uns Hilfe suchst.
    Bei dir kommen mehrere Dinge zusammen, auf die ich nacheinander eingehen möchte:
    Ausbildungsfremde Tätigkeiten und alleine arbeiten:
    Du schilderst hier klar ausbildungsfremde Tätigkeiten. Hinzu kommt, dass du während der Ferien alleine im Büro sitzen musst und arbeitest ohne anwesende Ausbilderin.
    Es ist so, für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Außerdem kann Ausbildung nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind.
    Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld werden!

    Du schreibst, dass du nie Urlaub nehmen darfst, weil deine Chefin in den Ferien Urlaub nimmt. Wie du oben gelesen hast, darfst du nicht alleine im Betrieb sein. Für die Zeit, in der deine Chefin im Urlaub ist, muss sie dich eigentlich auch in den Urlaub schicken und Betriebsferien machen.
    Du hast einen Anspruch darauf, deinen Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr und zwei Wochen deines Jahresurlaubs am Stück und in einer berufsschulfreien Zeit zu nehmen (§7 Bundesurlaubsgesetz). Die Übertragung des Urlaubes in das nächste Jahr ist nur aus wichtigen Gründen möglich. Nimmst du alten Urlaub mit in das neue Jahr, musst du den Urlaub in den ersten drei Monaten des neuen Jahres abbauen. Dies darf dir dein Arbeitgeber auch nicht verweigern. Wenn dies bis Ende März nicht möglich ist, musst du unbedingt einen schriftlichen Antrag auf Übernahme des Resturlaubs stellen, sonst verfällt dein Urlaubsanspruch.

    Du kannst dir überlegen, ob du nochmal mit deiner Chefin über deine Probleme sprechen möchtest.
    Nenne ihr konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest und mache sie darauf aufmerksam, dass du ihre Hilfe und ihr Wissen brauchst, um deinen Beruf zu erlernen. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen.
    Falls sich nach dem Gespräch nichts ändert, solltest du deine Chefin noch einmal schriftlich an ihre Pflichten erinnern. Hebe dir eine Kopie des Schreibens auf! Hier ist ein Musterbrief:

    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

    Hinweis auf § 14 BBiG

    Sehr geehrte/r Frau/Herr ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden).
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten. Außerdem muss laut § 14 Berufsbildungsgesetz ein geeigneter Ausbilder die Ausbildungsinhalte vermitteln.
    - Ich bin allerdings sehr häufig alleine im Betrieb (Beispiele)
    - Es steht für mich allerdings kein Ausbilder bereit und es ist auch niemand ausdrücklich mit meiner Ausbildung beauftragt worden.

    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir einen Ausbilder zur Verfügung zu stellen, mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Unterschrift Azubi ____________

    Wenn auch das nicht bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:


    Ver.di Geschäftsstelle Koblenz
    Neustadt 9-10
    56068 Koblenz
    Tel.: 0261 97355-0
    E-Mail: bz.mr@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Du schreibst in deiner Anfrage, dass du dir überlegst, die Prüfung extern mitzuschreiben. Das kann ich gut nachvollziehen.
    Als erstes empfehle ich dir, dich bei der zuständigen Kammer (z. B. IHK, HWK) zu melden und dort um eine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung zu bitten. Im Ausnahmefall und unter Berücksichtigung deiner Umstände ist das theoretisch möglich. Sag ihnen ruhig, dass du es bis zum Ende dort nicht mehr aushältst und die Gefahr besteht, dass du krank wirst. Meist musst du dann auch dein Berichtsheft vorlegen, damit eingeschätzt werden kann, ob du alle nötigen Ausbildungsinhalte bereits gelernt hast und die Prüfung schaffen könntest.
    Zusätzlich solltest du zu deinem Arzt gehen und ihm deine Situation schildern. Er wird dann entscheiden, ob du krank geschrieben werden musst, weil dir die Arbeit weiterhin nicht zuzumuten ist.

    Ich rate dir außerdem, dass du dir noch Unterstützung vor Ort suchst. Bei dir an der Berufsschule gibt es sicher eine Berufsschulsozialarbeit. Geh dort mal hin und erzähle von deinen Problemen. Dort bekommst du Hilfe.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.10.2017 12:02:12


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