Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeit trotz Krankheit

Hallo Dr. Azubi,

Ich befinde mich zur Zeit Im dritten Lehrjahr als Pferdewirtin und hatte vor kurzem einen Arbeitsunfall, durch welchen ich mich an der Hand verletzt habe. Zuerst dachte ich es wäre nichts schlimmes und da ich die nächsten Tage frei hatte, dachte ich es reicht die Hand zu schonen. Da mein Finger aber immer weiter anschwoll, ging ich doch zum Arzt. Dort stellte sich ein knöchernder Kapselabriss heraus und erstmals eine Krankschreibung für 2 Wochen. Ich rief sofort meinen Chef an um ihm das mit zu teilen. Zuerst blieb er entspannt und teilte mir mit wen ich zur Vertretung anrufen sollte. Das tat ich sofort und die Vertretung hatte auch Zeit. Also rief ich wieder meinen Chef an, dieser fragte mich dann ob ich das als Arbeitsunfall angegeben hätte(was ich bejahte) und er flippte völlig aus. Er meinte ich müsste sofort zum Arzt und ihm irgendeine Geschichte erzählen, aber es darf auf keinen Fall als Arbeitsunfall laufen. Ich war in dem Moment völlig überfordert und meinte nur ich hätte dort schon einen Bericht abgegeben. Daraufhin lenkte er ein, meinte aber ich müsste mir dann eine Teilkrankschreibung besorgen um zu arbeiten. Meine Eltern rieten mir jedoch davon ab, weshalb ich dies auch nicht tat.
Da mir das alles total unangenehm war und er das indirekt auch einforderte, bot ich an Nachmittags ein paar Unterrichtsstunden zu übernehmen, um meine Kollegen zu entlasten.
Später rief er mich dann nochmal an. Zuerst versuchte er mir meinen Resturlaub in die Zeit zu legen, was ich sofort abblockte und er auch einsah. Dann erzählte er mir wie viele Kosten ihm jetzt wegen mir entstehen würden, das er vielleicht Leute kündigen müsste und das es alles mit mir hier auch ganz anders laufen könnte. Ich meinte daraufhin das ich dies alles aus gutem Willem täte und eigentlich krank geschrieben bin und mein Chef blaffte mich daraufhin richtig an und wurde immer unfreundlicher zu mir. Er meinte mit dieser Einstellung wäre ich völlig falsch bei ihm und wurde noch unfreundlicher. Da morgens kein Unterricht statt findet, sollte ich fast alle nachmittagsstunden was ca 20-25 Stunden pro Woche macht übernehmen(was ich jetzt auch getan habe). In meine freien Tage wurden mir auch Stunden rein geschoben, da ich ja morgens genug Zeit hätte.
Gestern kam dann die Frage von unserer Bürofrau auf ob ich jetzt eigentlich auf 40 Stunden kommen müsste oder wie das läuft. Ich meinte dann nur ich bin eigentlich krankgeschrieben und müsste ansich gar nicht arbeiten.
Zudem kam noch raus, das sie den Unfall gar nicht gemeldet haben, da ich ja 'arbeite'. Es kam jedoch ein Brief von der Landwirtschaftskammer in welchem sich nach unserer Bg und dem Unfall erkundigt wurde. Kann ich jetzt ärger kriegen weil der Unfall nicht gemeldet worden ist bzw ich trotzdem arbeite?

Ich bin mit der ganzen Situation grad völlig überfordert und wenn ich nicht meine Kollegen so schätzen würde, hätte ich auch schon lange Nein zu allem gesagt.
Ich hoffe ihr könnt mir ein paar Ratschläge geben!

Dorothea: 13.09.2017 12:37:20 |
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  • RE: Arbeit trotz Krankheit

    Hallo Dorothea,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Ich kann gut verstehen, dass du verzweifelt bist und es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.
    Zunächst mal, hast du in vielen Punkten richtig reagiert: Es war richtig, den Unfall als Arbeitsunfall zu deklarieren, weil es ja auch einer war.
    Aus deiner Anfrage lese ich heraus, dass dich dein Ausbilder ziemlich unter Druck gesetzt hat, dass du auch krank zur Arbeit kommen musst. Das ist zum einen völlig unverantwortlich und zum anderen verstößt er damit gegen seine Fürsorgepflicht als Ausbilder. Nach §13 Berufsbildungsgesetz muss er dich vor körperlichen und seelischen Belastungen schützen. Ein Argument deines Ausbilders ist, dass ihm durch dich Kosten entstehen, durch die er vielleicht sogar Leute kündigen müsse. Das ist nicht nachvollziehbar, denn er muss als Arbeitgeber versichert sein. Ihr arbeitet mit Tieren, die auch manchmal bocken, und es muss eine Versicherung geben, die Arbeitnehmer, Kunden und auch Tiere umfasst. Dieses Argument solltest du also nicht ernst nehmen.

    Dein Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, den Unfall der Versicherung zu melden. Du hast den Unfall bereits beim Arzt gemeldet. Beim Ausfüllen der Meldung für die Landwirtschaftskammer solltest du ehrlich sein. Es ist Routine, dass sich die Kammer bei einem Arbeitsunfall einschaltet und wenn nicht grob fahrrlässig gehandelt wurde, dann bleibt es auch bei der Meldung.
    Außerdem empfehle ich dir, während deiner Krankschreibung nicht mehr zu arbeiten. Du darfst während einer Krankschreibung nicht arbeiten. Wenn noch etwas passiert, wirst du dafür haftbar gemacht, weil du die Empfehlung deines Arztes nicht befolgt hast. Du solltest den Kapselriss nicht auf die leichte Schulter nehmen und dich erholen, damit du keine Spätfolgen davon trägst.

    Folgendes solltest du jetzt tun:
    Sprich nochmal mit deinem Ausbilder und sag ihm, dass du nicht mehr während deiner Krankschreibung arbeiten wirst, da das verboten ist. Außerdem solltest du ihn auffordern, den Unfall ordentlich der Versicherung zu melden und mit ihm gemeinsam wahrheitsgemäß den Bogen für die Kammer ausfüllen.

    Sollten sich durch deinen Unfall weitere Probleme ergeben, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden. Hier ist ein Kontakt:
    IG Bauen Agrar und Umwelt
    Emil-Waldmann-Str. 7
    28195 Bremen
    T: 0421 33523 0
    E: bremen igbau.de
    W: http:/​/​www.igbau-weser-ems.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 14.09.2017 10:49:07


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