Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildung beendet

Hallo ich habe ein Anliegen. Ich War 16 Jahre alt wo ich meine Ausbildung angefangen habe ich habe meistens sonntags und Feiertage arbeiten müssen . Ich habe dafür kein Ausgleich bekommen, ich habe auch viele Überstunden gemacht aber der Chef behauptete ich habe nur minusstunden gemacht. Meine urlaubsttage konnte ich auch nie alle nehmen ca 15 Tage im Jahr dürfte ich mir Urlaubsttage eintragen. Ich musste auch immer so ca 6 Tage arbeiten und 1 Tag frei und dann 4 Tage wieder arbeiten und wieder nur ein Tag frei . Ich habe mir meine Arbeitstage alle aufgeschrieben und Urlaub aber nicht die Stunden.
Aber ich habe meine Ausbildung durchgezogen. Jetzt die Frage, ich Bin seit 1 Jahr in elternzeit und wollte fragen habe ich recht auf Schadensersatz ?

Rackel : 10.08.2017 10:15:05 |
  • RE: Ausbildung beendet

    Hallo Rackel,
    vielen Dank für deine Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    Mensch, tatsächlich hören sich diese Arbeitszeiten nicht gerade okay an.
    Gerne schreibe ich dir hier die Infos zur Arbeitszeit von minderjährigen, sowie volljährigen Auszubildenden an. Es ist wirklich sehr gut, dass du Aufzeichnungen zu deinen Arbeitstagen und den Urlaubstagen hast.

    Arbeitszeit von Minderjährigen:
    Für Minderjährige gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz. Grundsätzlich gilt für sie die Fünf-Tage-Woche (§15 Jugendarbeitsschutzgesetz). Der Samstag ist arbeitsfrei (§16 Jugendarbeitsschutzgesetz). Das gilt selbstverständlich auch für den Sonntag und für Feiertage (§17,18 Jugendarbeitsschutzgesetz). Ausnahmen von diesem Arbeitsverbot gibt es in Branchen wie der Gastronomie und der Landwirtschaft. Hier gelten spezielle Regelungen: Wirst du an einem Sonntag beschäftigt, muss dir in derselben Woche ein Ersatzruhetag gewährt werden. Wirst du an einem Feiertag beschäftigt, der auf einen Werktag fällt, muss dir innerhalb derselben oder der folgenden Woche ein Ersatzruhetag gewährt werden. Und: Am 25. Dezember, am 1. Januar, am ersten Osterfeiertag und am 1. Mai dürfen Jugendliche unter keinen Umständen beschäftigt werden!

    Die Arbeitszeit für Jugendliche ist nach Jugendarbeitsschutzgesetz auf acht Stunden täglich und auf vierzig Stunden in der Woche begrenzt. Beträgt die Arbeitszeit an einzelnen Tagen weniger als acht Stunden, können minderjährige Azubis an den anderen Arbeitstagen derselben Woche bis zu achteinhalb Stunden beschäftigt werden (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz). Das gilt auch, wenn für Azubis eine Gleitzeitregelung gilt.

    Die Arbeitszeit muss durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden (§11 Jugendarbeitsschutzgesetz). Bei einer Arbeitszeit zwischen viereinhalb und sechs Stunden hast du Anspruch auf mindestens eine halbe Stunde Pause, bei höheren Arbeitszeiten muss die Pause mindestens eine Stunde betragen.

    Zwischen 20 und 6 Uhr dürfen Minderjährige nicht beschäftigt werden. Es gibt jedoch Ausnahmen für bestimmte Gewerbezweige - zum Beispiel im Gastgewerbe und Bäcker - und für den Schichtbetrieb (§ 14 Jugendarbeitsschutzgesetz). Zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn müssen mindestens zwölf Stunden ununterbrochener Ruhezeit liegen (§ 13 Jugendarbeitsschutzgesetz)

    Nun die Arbeitszeitregelungen für Volljährige:
    Volljährige dürfen nach dem Arbeitszeitgesetz an sechs Tagen pro Woche durchschnittlich 48 Stunden arbeiten. Trotzdem gilt für fast alle volljährigen Azubis ebenfalls die Fünf-Tage-Woche, weil sie in Tarifverträgen festgelegt ist. Und auch die Arbeitszeit ist oft in Tarifverträgen deutlich niedriger festgelegt. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt.

    Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann zwar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§9,10 Arbeitszeitgesetz). Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem steht dir für die Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht dir ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss (§11 Arbeitszeitgesetz).

    Auch bei Azubis über 18 Jahren muss die Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Arbeitspausen sind einerseits aus biologischen Gründen notwendig, andererseits dienen sie dazu, Überlastung und Unfallrisiken zu vermeiden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein und bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Du darfst nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden (§4 Arbeitszeitgesetz).
    Falls dein Betrieb sich nicht an das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Bitte wende dich unbedingt an deine zuständige Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) vor Ort. Die Kolleg_innen der NGG können dich unterstützten, wenn du gegenüber dem Betrieb eine Geltendmachung schreiben möchtest. Hier ist ein Kontakt:

    NGG Region Rosenheim-Oberbayern
    Brixstr. 2
    83022 Rosenheim
    Tel.: 08031 / 140 30
    Fax: 08031 / 38 02 68

    region.rosenheim-oberbayern@ngg.net
    >www.ngg.net/​rosenheim-oberbayern
    Da kannst du einfach anrufen, nach einem*r Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Eine Geltendmachung schreibt man während der Ausbildung oder nach Ende der Ausbildung, um Leistungen schriftlich einzufordern. Die Geltendmachung schickst du an deinen Ausbilder. Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die zuständige Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag) schicken, um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen.

    Im Arbeitsrecht gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Die Frist beginnt erst am Ende des Jahres, in dem die Leistung fällig wurde. Das bedeutet, dass du mindestens drei Jahre rückwirkend Leistungen geltend machen kannst.
    Deshalb solltest du schnell aktiv werden!
    Danach verfallen die Leistungen. Allerdings enthalten viele Tarifverträge so genannte Ausschlussfristen, in denen diese Frist auf drei oder sechs Monate verkürzt ist. Ausschlussfristen können auch in deinem Ausbildungsvertrag vereinbart worden sein. Von daher gilt: Eine Geltendmachung solltest du möglichst gleich schreiben, nachdem die Leistungen fällig geworden sind. Eine schriftliche Aufforderung stoppt den Ablauf der Frist. Wenn du dir nicht sicher bist, wie viel du fordern kannst, schreibe lieber mehr auf als zu wenig.

    Es gibt auch andere Punkte zu beachten, wenn du eine Geltendmachung schreiben willst. Deshalb empfehlen wir dir, dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft zu wenden. Meistens führt ein Brief von deiner Gewerkschaft auf Anhieb zum Erfolg, weil dein Ausbilder dann weiß, dass du Rechtsschutz hast und deine Gewerkschaft Ansprüche notfalls einklagen wird.

    Azubis können folgende Leistungen geltend machen:

    - Überstunden: Du hast Überstunden gemacht, die nicht in Freizeit ausgeglichen wurden. Dann müssen sie dir ausbezahlt werden. Um deinen Stundenlohn zu ermitteln, teile dein Brutto-Monatsgehalt durch 30. Das Ergebnis teilst du dann durch die regelmäßige tägliche Arbeitszeit, zum Beispiel acht Stunden bei einer 40-Stunden Woche. Nicht erschrecken: Das ist dein Stundenlohn!

    - Urlaub: Falls du wegen des Endes der Ausbildung deinen Urlaub nicht mehr nehmen kannst, wird er dir ausbezahlt. Teile deinen Jahresurlaub durch zwölf und multipliziere das Ergebnis mit der Anzahl der vollen Monate, die du im Betrieb gearbeitet hast. Auf so viele Urlaubstage hast du Anspruch, wenn du während der ersten sechs Monate deiner Ausbildung oder im ersten Halbjahr des Kalenderjahres aus dem Betrieb ausscheidest. Für jeden nicht genommenen Urlaubstag steht dir dann ein Tagesgehalt zu.

    - Arbeitszeugnis: Nach dem Ende der Ausbildung (auch wenn du den Ausbildungsplatz kündigst oder gekündigt wirst) hast du Anspruch auf ein Arbeitszeugnis (§16 Berufsbildungsgesetz). Wenn du es nicht innerhalb einer angemessenen Frist (ca. zwei Wochen) erhältst, solltest du es schriftlich geltend machen.

    - Arbeitspapiere: Nach Ende deiner Ausbildung muss dir dein Ausbilder deine Arbeitspapiere - also zum Beispiel Sozialversicherungsausweis - aushändigen.

    Ich hoffe sehr, dass dir diese Infos weiterhelfen! Alles, alles Gute und viel Erfolg!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße,
    Dr. Azubi


    P.S.: Bitte empfehle unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.08.2017 17:12:56


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