Deutscher Gewerkschaftsbund

Schwanger in der Ausbildung

Hallo, ich heiße Lisa und bin 22 jahre alt.
Ich bin in der 17 woche schwanger und befinde mich im 3.Lehrjahr(letzer ausbildungsjahr). Normalerweise würde ich nächstes jahr im mai meine gesellenprüfung machen, aber wegen der Schwangerschaft möchte ich die prüfung vorziehen, hieße dieses jahr im dezember.
Was geschieht wenn ich diese bestehe? Wann ich das Ergebnis erhalte weiß ich nicht. Und termin für die geburt ist anfang januar.
Welche anträge muss ich stellen? Welche Leistungen bekomme ich?

Bitte helfen Sie mir.
Vielen dank im voraus

Lisa: 09.08.2017 17:03:35 |
  • RE: Schwanger in der Ausbildung

    Hallo Lisa,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Erstmal herzlichen Glückwunsch zum bevorstehenden Mutterglück.

    Erstmal will ich dir ein paar Infos zum Thema Mutterschutz geben:
    Vor und nach der Geburt gelten spezielle Mutterschutzfristen. Sechs Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin darfst du nur auf deinen ausdrücklichen Wunsch weiterarbeiten (§3 Abs.2 Mutterschutzgesetz). Nach der Geburt besteht hingegen ein absolutes Beschäftigungsverbot von acht Wochen (§6 Mutterschutzgesetz). Auch auf ausdrücklichen Wunsch darf in dieser Zeit nicht gearbeitet werden. Anders bei Prüfungen: Diese darfst du trotz Beschäftigungsverbot ablegen! Dein Erholungsurlaub verkürzt sich nicht aufgrund der Schutzzeiten. Die Ausbildungslänge bleibt von den Mutterschutzzeiten unberührt.

    Du hast dich dazu entschieden, die Abschlussprüfung vorzuziehen. Wenn du überdurchschnittliche Leistungen während der Ausbildung - insbesondere in der Zwischenprüfung - erbringst, kannst du bei der zuständigen Stelle einen Antrag auf Ausbildungszeitverkürzung stellen (§ 45 Berufsbildungsgesetz). Für den Antrag reicht in der Regel die Note „gut“ (im Durchschnitt min. 2,49) in allen prüfungsrelevanten Fächern. Die zuständige Stelle befragt dann deinen Ausbilder und die Berufsschule, ob sie dem Antrag zustimmen. Dann entscheidet die zuständige Stelle, und du erhältst einen Bescheid. Leider richten sich die Entscheidungen über eine Ausbildungszeitverkürzung oft nach der Meinung deines Ausbilders und dummerweise wollen Betriebe ihre besten Azubis selten früher ziehen lassen. Trotzdem: Falls du in der Zwischenprüfung überdurchschnittliche Ergebnisse hast, solltest du sofort den Antrag stellen! Gegen einen ablehnenden Bescheid kannst du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft Widerspruch einlegen.
    Wenn du die Abschlussprüfungen bestehst, endet dein Ausbildungsverhältnis mit Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse. Das kann für dich als werdende Mutter auch Nachteile haben: Du hast dann kein Arbeitsverhältnis mehr und auch keine Krankenversicherung und für nach der Elternzeit auch keinen Arbeitsplatz mehr. Informiere dich also bitte nochmal genauer vor Ort, etwa bei der Berufsschulsozialarbeit oder bei einer Stelle für werdende Mütter, ob es Sinn macht, die Ausbildung früher abzuschließen.

    Solltest du dich doch gegen die vorzeitige Prüfung entscheiden, dann hast du mehrere Möglichkeiten:
    Der früheste Zeitpunkt, an dem du deine Ausbildung wieder aufnehmen kannst, ist acht Wochen nach der Geburt. Dafür brauchst du natürlich eine zuverlässige Kinderbetreuung. Häufig ist es mit einem ganz kleinen Kind schwierig, gleich wieder Vollzeit zu arbeiten. Dann ist vielleicht die Fortführung der Ausbildung in Teilzeit eine gute Alternative.
    Wenn du komplett aussetzen möchtest hast du das Recht im Anschluss an deinen Mutterschutz erst einmal eine Babypause einzulegen und in Elternzeit zu gehen.

    Elternzeit:
    Die Elternzeit bietet Eltern, die mit ihrem Kind zusammen wohnen, die Möglichkeit, für maximal drei Jahre ab der Geburt des Kindes ihre Arbeitszeit zu reduzieren sowie ganz oder phasenweise zu pausieren. Du kannst nach der Elternzeit deine Ausbildung an dem Punkt wieder aufnehmen, an dem du aufgehört hast.
    Den Antrag auf Elternzeit musst du spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit bei deinem Betrieb in schriftlicher Form abgeben. Dein Ausbildungsverhältnis verlängert sich automatisch um die Elternzeit; Während der Elternzeit ruht dein Ausbildungsvertrag (insofern hast du auch keinen Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung oder Erholungsurlaub). Die Dauer der Elternzeit musst du mit der Anmeldung zur Elternzeit verbindlich festlegen, zumindest für die ersten zwei Lebensjahre deines Kindes. Du (und ebenso dein Partner) musst die Elternzeit nicht an einem Stück nehmen, sie kann auch aus Blöcken von mehreren Wochen bestehen. Wann du deine Elternzeit planst, ist dir freigestellt; der Betrieb muss sich danach richten. Allerdings ist es sinnvoll, mit deinem Ausbildungsbetrieb darüber zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, wie du in oder nach der Elternzeit am besten deine Ausbildung fortführen kannst. Das dritte Jahr der Elternzeit kann flexibel genommen werden, daher solltest du dieses nicht gleich mit anmelden, sondern offen lassen, ob du es direkt im Anschluss nehmen wirst.
    Den Kontakt zu deinem Betrieb und den anderen Auszubildenden der Berufsschule solltest du auch während der Elternzeit aufrechterhalten. So entfernst du dich nicht ganz aus der Ausbildungs- und Arbeitswelt, bleibst informiert und zeigst dein Interesse am Betrieb. Vielleicht kannst du gelegentlich vorbeischauen, bei Feiern dabei sein, im Betrieb aushelfen bzw. in Teilzeit arbeiten (du darfst in der Elternzeit bis zu 30 Wochenstunden arbeiten) oder mit anderen für die Prüfung lernen.

    Es gibt zusätzlich noch die Möglichkeit, deine Ausbildung in Teilzeit zu beenden.
    Das Berufsbildungsgesetz (§8 BBiG) sieht die Möglichkeit vor, unter bestimmten Voraussetzungen eine Berufsausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Damit soll jungen Eltern und Auszubildenden, die pflegebedürftige nahe Angehörige haben, die Chance gegeben werden in ihrer individuellen Situation eine Berufsausbildung abzuschließen.
    Bei der Teilzeitberufsausbildung kannst du deine wöchentliche betriebliche Ausbildungszeit reduzieren. Auf wie viele Stunden du kürzen kannst musst du im Einzelfall bei deiner zuständigen Stelle erfragen. Als Richtschnur sollte eine 25 stündige Mindestausbildungszeit nicht unterschritten werden. Es muss auf jeden Fall gewährleistet sein, dass du das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit auch erreichst.
    Ob sich deine Ausbildungszeit insgesamt verlängert, hängt davon ab, in welchem Umfang die wöchentliche Ausbildungszeit verkürzt wird.
    Ein bis zwei Berufsschultage in Vollzeit würden zu der betrieblichen Ausbildungszeit noch hinzukommen. Das entspricht dann in etwa einer täglichen Arbeitszeit von bis zu 6 Stunden. Zu welchen Zeiten du in den Betrieb kommst, musst du mit deinem Betrieb absprechen.
    Den Antrag auf die Teilzeitberufsausbildung müsstest du gemeinsam mit deinem Ausbilder bei der zuständigen Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag) stellen.
    Als Teilzeit-Azubi erhältst du ganz normal eine Ausbildungsvergütung, welche jedoch entsprechend der wöchentlichen Arbeitszeit gekürzt werden kann. Beim Arbeitsamt kannst du dich über ergänzende Leistungen informieren. Wenn sich deine Vergütung verringert hast du eventuell Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe.
    Weitere Informationen zur Berufsausbildung in Teilzeit erhältst du bei den zuständigen Stellen.
    Die Leistungen, die du als Mutter erhältst, sind das oben genannte Elterngeld, und das Kindergeld, das du nach der Geburt bei der Familienkasse beantragen musst. Zusätzlich steht dir noch Mutterschaftsgeld von deiner Krankenkasse zu.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Reutlingen
    Siemensstr. 3
    72766 Reutlingen
    Tel.: 07121/94797-0
    E-Mail: bz.fils-neckar-alb@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 10.08.2017 12:30:13


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