Deutscher Gewerkschaftsbund

Fahrdienst für Mitarbeiter

Hallo dr. Azubi,
ich wende mich verzweifelt an Sie, weil ich gerade nicht weiß was ich machen soll. Als Azubi in einem kleinen Immobilienunternehmen habe ich zur Zeit das Gefühlt ausgenutzt zu werden. Die Tochter von Chef ist Architektin und gibt uns zwei Auszubis oft Ausbildungsuntypische arbeiten wie zu allen Objekten fahren und die Briefkastenschilder und Klingelschilder zu putzen, zeichnungen von den Kellerräumen zu machen und auszumessen. Oft werde ich auch von ihr anfaucht warum ich denn nicht besser zeichnen kann, aber ich habe dies auch nicht gelernt und konnte halt nicht so gut die Skizzen machen. Obwohl ich es sehr untypisch finde so etwas zu machen habe ich es oft einfach hingenommen. Darf Sie das so machen?
Zu meiner eigentlichen Frage komme ich jetzt: Die Tochter vom Chef kam heute zu mir an und hat einfach beschlossen das ich morgen in einen 50km entfernten weiteren Ort fahren soll und einen Handwerker nach seiner Arbeit nach Hause fahren soll. Dafür muss ich extra morgen die Spätschicht machen. Dieser Handwerker ist mir bekannt und ich bin ihn schon unglücklicherweise paar mal über den Weg gelaufen. Ich habe Angst vor diesem Handwerker weil ich mich letztes mal schon dumm angemacht hat und mir irgendwelche sexuellen unpassenden Sprüche gedrückt hat. Muss ich als Auszubildene wirklich diesen Handwerker von diesem Objekt abholen und nach Hause fahren??

Ich bitte um schnelle Rückmeldung wenn es möglich ist. Ich weiß nicht was ich tuen soll..

Michaela: 07.08.2017 21:12:16 |
  • RE: Fahrdienst für Mitarbeiter

    Hallo Michaela,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir weiter.

    Die Aufgaben, die die Tochter deines Chefs dir zuteilt, sind ausbildungsfremd.
    Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Wenn die ausbildungsfremden Tätigkeiten Überhand nehmen, solltest du dich wehren, denn dann ist das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet.
    Den Handwerker von A nach B zu fahren ist ganz klar eine ausbildungsfremde Tätigkeit und schon rein deshalb solltest du sie verweigern. Hinzu kommt, dass der Handwerker dir noch immer sexistische Dinge sagt. Um dich zu schützen, solltest du das der Tochter des Chefs sagen und ihr klarmachen, dass du diese Aufgabe nicht übernehmen wirst.
    Du solltest allerdings versuchen, die Situation auf lange Sicht für dich zu verbessern. Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

    1. Sprich die Situation bei deinem Chef an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen.

    2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den Ausbilder schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf.

    Sehr geehrter Herr/Frau ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden)
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Unterschrift Azubi ____________

    3. Wenn auch das nicht bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:


    Ver.di Geschäftsstelle Braunschweig
    Wilhelmstr. 5
    38100 Braunschweig
    Tel.: 0531/24408-0
    E-Mail: service-sued.nds-hb@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Außerdem könntest du dich an eine_nAusbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 08.08.2017 19:56:08


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