Deutscher Gewerkschaftsbund

Chef reagiert nicht auf Urlaubsantrag

Hallo,

ich stehe vor folgendem Problem:
Ich habe vor einigen Tagen meine letzte Prüfung abgelegt und warte nur noch auf meine Ergebnisse, bis ich mit meiner Ausbildung fertig bin. Ich habe vor einiger Zeit einen schritlichen Urlaubsantrag für die restliche Zeit gestellt, da ich noch meinen gesamten Urlaub zur Verfügung habe und warte seitdem vergeblich auf eine Reaktion. Ich wollte das Thema bereits mit meinem Chef klären, allerdings war dieser die letzten Tage immer unterwegs und nicht erreichbar. Nun ist es soweit gekommen, dass Wochenende ist und ich theoretisch am kommenden Montag bereits Urlaub hätte.
Was kann ich kurzfristig tun? Kein anderer Mitarbeiter oder Azubi hat in diesem Zeitraum Urlaub und es gibt keinen festen Betriebsurlaub, kann mein Chef mir den Urlaub dennoch verweigern?

Robert: 14.07.2017 21:43:36 |
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  • RE: Chef reagiert nicht auf Urlaubsantrag

    Hallo Robert,
    vielen Dank für die Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    Bitte entschuldige die verspätete Antwort meinerseits! :-/ Dies tut mir sehr leid, da du die Antwort ja bereits bis heute gebraucht hättest.

    Es ist natürlich extrem ärgerlich, dass dein Chef sich noch nicht gemeldet hat. Allerdings ist eigenmächtiger Urlaubsantritt ein Kündigungsgrund (§22 Berufsbildungsgesetz).

    Falls es heute oder die Tage zur Problemen kam bzw. kommt, empfehle ich dir dich schnellst möglichst an die zuständige Gewerkschaft zu wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Metall Geschäftsstelle München

    Strasse / Nr.: Schwanthalerstr. 64
    PLZ, Ort: 80336 München
    Telefon: 089 51411-0
    Fax: 089 51411-50
    E-Mail: • muenchen@igmetall.de
    Homepage: • www.igmetall-muenchen.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Leider gibt es häufig Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs. Das Bundesurlaubsgesetz sagt dazu, dass du dich mit deinem Ausbilder auf den Urlaubszeitpunkt einigen musst (§7 Bundesurlaubsgesetz). In der Praxis heißt das: Du stellst einen Urlaubsantrag und dein Ausbilder darf dir den Urlaub nur dann verweigern, wenn wichtige soziale (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeitern mit Kindern), oder betriebliche Gründe (zum Beispiel feststehender Betriebsurlaub) dagegen sprechen (§7 Bundesurlaubsgesetz).

    Falls du bis zur Bekanntgabe deines Prüfungsergebnisses, also bis zum Ende deiner Ausbildung, den Urlaub noch nicht nehmen konntest/durftest, solltest du ihn auf jeden Fall geltend machen.
    Eine Geltendmachung schreibt man während der Ausbildung oder nach Ende der Ausbildung, um Leistungen schriftlich einzufordern. Die Geltendmachung schickst du an deinen Ausbilder. Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die zuständige Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag) schicken, um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen.

    Im Arbeitsrecht gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Die Frist beginnt erst am Ende des Jahres, in dem die Leistung fällig wurde. Das bedeutet, dass du mindestens drei Jahre rückwirkend Leistungen geltend machen kannst. Danach verfallen die Leistungen. Allerdings enthalten viele Tarifverträge so genannte Ausschlussfristen, in denen diese Frist auf drei oder sechs Monate verkürzt ist. Ausschlussfristen können auch in deinem Ausbildungsvertrag vereinbart worden sein. Von daher gilt: Eine Geltendmachung solltest du möglichst gleich schreiben, nachdem die Leistungen fällig geworden sind. Eine schriftliche Aufforderung stoppt den Ablauf der Frist. Wenn du dir nicht sicher bist, wie viel du fordern kannst, schreibe lieber mehr auf als zu wenig.

    Es gibt auch andere Punkte zu beachten, wenn du eine Geltendmachung schreiben willst. Deshalb empfehlen wir dir, dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft zu wenden. Meistens führt ein Brief von deiner Gewerkschaft auf Anhieb zum Erfolg, weil dein Ausbilder dann weiß, dass du Rechtsschutz hast und deine Gewerkschaft Ansprüche notfalls einklagen wird.

    Wie gesagt, wenn du bis zum Ende der Ausbildung deinen Urlaub nicht mehr nehmen kannst, wird er dir ausbezahlt. Teile deinen Jahresurlaub durch zwölf und multipliziere das Ergebnis mit der Anzahl der vollen Monate, die du im Betrieb gearbeitet hast. Auf so viele Urlaubstage hast du Anspruch, wenn du während der ersten sechs Monate deiner Ausbildung oder im ersten Halbjahr des Kalenderjahres aus dem Betrieb ausscheidest. Für jeden nicht genommenen Urlaubstag steht dir dann ein Tagesgehalt zu.
    Hierfür musst du dein Monatsgehalt durch 30 teilen, dann hast du deinen Tageslohn.

    Ich hoffe ich konnte dir trotz der Verspätung mit dieser Antwort etwas weiterhelfen.
    Alles Gute!
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße,
    Dr. Azubi

    P.S.: Bitte empfehle unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 17.07.2017 14:57:29


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