Deutscher Gewerkschaftsbund

Samstags Arbeiten als Ausgleich

Hallo liebes Dr. Azubi Team,

ich habe folgendes Problem...

Seit Anfang des Jahres mache ich eine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik - Montagetechnik.
Ich habe immer Montags und Dienstags Berufsschule.
An den Berufsschultagen fahre ich um 6Uhr morgen los zur Schule und bin gegen 15:30uhr wieder zuhause.

Mittwochs, Donnerstags und Freitags arbeite ich von 9 bis 18uhr im Betrieb.
Laut Ausbildungsvertrag liegt meine Arbeitszeit bei 40h die Woche.

Seit einiger Zeit ist mein Chef nun der Meinung das ich, 2 mal im Monat Samstags arbeiten soll, da ich ja nach der Schule ja nicht mehr in den Betrieb kommen muss....

Ist das so Rechtens?
Die Zeit die ich in der Berufsschule verbringe wird doch auf die Arbeitszeit angerechnet oder nicht?

Freundliche Grüße, und vielen dank für die Hilfe. :)

Kevin : 16.06.2017 08:45:00 |
  • RE: Samstags Arbeiten als Ausgleich

    Hallo Kevin,
    vielen Dank für deine Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    Puh, dass ist leider nicht immer ganz so leicht. Ja, die Zeit in der Berufsschule wird auf die Arbeitszeit angerechnet. Allerdings muss man hier genau darauf kucken was nun angerechnet wird und was nicht.

    Klar ist: Auch Volljährige sind nach dem Gesetz für den Berufsschulunterricht freizustellen, denn die Teilnahme am Unterricht geht der betrieblichen Ausbildung vor (§15 Berufsbildungsgesetz). Das gilt auch dann, wenn du nicht mehr schulpflichtig bist. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in seinem Urteil vom 26. März 2001 (Az: 5 AZR 413/99) festgelegt, wie die Berufsschulzeiten auf die Arbeitszeit angerechnet werden müssen: Die Freistellung umfasst demnach nicht nur die reine Unterrichtszeit, sondern auch die Zeiten des notwendigen Verbleibs in der Berufsschule, zum Beispiel unterrichtsfreie Zeiten, Pausen und die Wegzeiten zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.

    Die Berufsschulzeit ist also auf die vertragliche Arbeitszeit anzurechnen, allerdings gibt es einen Haken: Eine Freistellung ist nur dann möglich, wenn sich Unterrichtszeit und Ausbildungszeit überschneiden. Findet die Berufsschule also zu Tageszeiten statt, an denen nicht regelmäßige Ausbildung statt findet, erfolgt keine Freistellung und keine Anrechnung. Es kann also passieren, dass Auszubildende in bestimmten Fällen weit über die vertraglich geregelte Arbeitszeit hinaus Zeit in Berufsschule und Betrieb verbringen, die absolute Höchstgrenze liegt dabei bei der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstarbeitszeit von 48 Stunden.

    Oft verlangen Ausbilder von volljährigen Azubis, dass sie nach der Berufsschule noch in den Betrieb kommen sollen. Hier gilt: Von der täglichen Arbeitszeit wird die gesamt Zeit in der Berufsschule abgezogen, falls die Berufsschule während der üblichen Arbeitszeit stattfindet. Außerdem wird der Weg von der Berufsschule in den Betrieb auf die Arbeitszeit angerechnet. Ist die Zeit, die der Azubi nach der Berufsschule noch im Ausbildungsbetrieb verbringen kann zu kurz, um dem Ausbildungszweck zu dienen – nämlich weniger als 30 Minuten, kann der Ausbilder die Rückkehr des Azubis nicht verlangen.

    Ein Beispiel:
    Ein volljähriger Azubi hat eine vertraglich vereinbarte 40-Stunden-Woche. Die betriebliche Arbeitszeit des Azubis dauert täglich von 9 bis 18 Uhr. Der Berufsschulunterricht findet einmal wöchentlich von 8 bis 13.30 Uhr statt. Für die Fahrt in den Betrieb benötigt der Auszubildende 45 Minuten. In diesem Fall muss er nach dem Berufsschulunterricht von 14.15 bis 18.00 Uhr im Betrieb anwesend sein. Da zwischen 8 Uhr und 9 Uhr keine betriebliche Ausbildung stattfindet, ist eine Freistellung in dieser Zeit nicht möglich. Nimmt man nun die Summe der Berufsschulzeiten und der betrieblichen Ausbildungszeiten, kommt der Auszubildende auf 41 Stunden wöchentliche Arbeitszeit. Diese Mehrarbeit muss er hinnehmen und zwar bis zu einer Höchstgrenze von 48 Stunden.

    Dies führt zu immensen Ungerechtigkeiten: Besonders hart trifft es Auszubildende mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten wie zum Beispiel Bäcker. Es kann aber auch vorkommen, dass Auszubildende in ein und demselben Betrieb unterschiedliche Klassen besuchen und an unterschiedlichen Tagen beschult werden. Sind die betrieblichen Ausbildungszeiten unregelmäßig, kann dies bedeuten, dass einigen Auszubildenden die Berufsschulzeit voll angerechnet wird, anderen nicht. Einige zuständige Stellen haben sich in Richtlinien für die weitere Anrechnung von acht Stunden ausgesprochen. In großen Betrieben wird die Freistellung oftmals in Betriebsvereinbarungen geregelt und es gibt auch Tarifverträge, die eine pauschale Anrechnung festlegen. Trotz des Urteils kommt es immer wieder zu starken Ungerechtigkeiten, die Situation ist für viele Auszubildende und Ausbilder unübersichtlich. Die Gewerkschaften fordern seit langem eine gesetzliche Klarstellung, aber auch im neuen Berufsbildungsgesetz hat sich nichts geändert!

    Das dein Chef dich nun zweimal im Monat an einem Samstag arbeiten lässt, ist verständlicherweise für dich ehr nicht so cool. Nun ist es anscheinend so, dass du nach der Berufsschule nicht mehr in den Betrieb musst. Somit kommst du vermutlich nicht auf die vereinbarten 40 Stunden Arbeitszeit in der Woche.
    Dein Chef muss dir nun aber ermöglichen auf die vereinbarten 40 Stunden zu kommen. Oft müssen Auszubildenden dann nach der Berufsschule noch in den Betrieb kommen. Wenn dies bei dir nicht möglich ist, hat dein Chef wohl die Option genutzt dich an einem Samstag arbeiten zu lassen. Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag.

    Dennoch solltest du dich bei deiner zuständigen Gewerkschaft erkundigen, ob für dich ein Tarifvertrag gilt, welcher dieses Vorgehen einschränkt. Die Kolleg*innen können mir dir auch nochmal genau auf deinen Ausbildungsvertrag schauen um zu prüfen ob das mit der Arbeitszeit wirklich alles so passt. Ansonsten haben sie vielleicht auch noch einen Tipp, wie du deinem Chef gegenüber deutlich machen kannst, dass du gerne eine andere Lösung anstelle der Samstagsarbeit haben möchtest.
    Hier sind die Kontaktdaten zur IG Metall:

    IG Metall Geschäftsstelle Region Hamburg

    Strasse / Nr.: Besenbinderhof 60
    PLZ, Ort: 20097 Hamburg
    Telefon: 040/28585-55
    Fax: 040/28585-60
    E-Mail: • hamburg@igmetall.de
    Homepage: • www.igmetall-hamburg.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem*r Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass sich das mit der Samstagsarbeit vielleicht doch noch zu deinen Gunsten klären lässt.
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße,
    Dr. Azubi


    P.S.: Wir hoffen, dir gefällt unser Angebot. Deine Meinung zählt! Du kannst uns in 60 Sekunden anonym einschätzen und uns damit helfen (noch) besser zu werden.: https:/​/​jugend.dgb.de/​ausbildung/​beratung/​dr-azubi/​umfrage-dr-azubi

    Dr. Azubi: 19.06.2017 20:07:30


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