Deutscher Gewerkschaftsbund

Urlaubsanspruche Ende Ausildung/Übernahme befristeter AV

Hallo Dr. Azubi,

meine Ausbildung endet mit bestehen der mündlichen Prüfung am 27.06.2017. Direkt im Anschluss darauf folgt ein befristetes Arbeitsverhältnis beim selben Arbeitsgeber bis zum 31.07.2017. Meines Erachtens steht mir somit der komplette Urlausanspruch des Jahres zu, in dem Falle 30 Tage. Da das Arbeitsverhältnis direkt an das Ausbildungsverhältnis anknüpft und ich dabei über dem 30.06. hinaus Arbeit und somit mein Urlaub nicht auf Grundlage der 1/12 Regelung festgesetzt wird. Sehe ich das richtig oder ändert der Übergang von Ausbildung in Arbeitsverhältnis etwas an der Tatsache das ich länger als bis zum 30.06. beim selben Arbeitgeber beschäftigt bin?
Hintergrund: Ich habe noch 22 Tage Urlaub, heißt mein Arbeitgeber würde mich für Juli, wo ich im Arbeitsverhältnis stehe, komplett bezahlen währenddessen ich nicht einen Tag auf Arbeit war.
Vielen Dank für eine schnelle Info! Es ist wirklich dringend!

Robert: 15.06.2017 14:10:08 |
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  • RE: Urlaubsanspruche Ende Ausildung/Übernahme befristeter AV

    Hallo Robert,
    vielen Dank für deine Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    Der Übergang von der Ausbildung in ein Arbeitsverhältnis ist rechtlich tatsächlich ein entscheidender Moment. Der Ausbildungsvertrag basiert nämlich auf §10 Berufsbildungsgesetz und der Arbeitsvertrag auf §611a Bürgerliches Gesetzbuch. Somit muss dein Urlaub, welcher dir als Azubi zusteht auch bis zum 27.06.2017 gewährt werden, welcher über die von dir bereits angesprochene Zwöltelung ermittelt wird.

    Denn wie du vermutlich längst weißt: Die Regelung des Urlaubsanspruches im 3. Ausbildungsjahr beruht nämlich auf einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts. Die IHK Berlin formuliert den Fall auf ihrer Homepage folgendermaßen:
    „Sofern das Berufsausbildungsverhältnis, z. B. durch eine bestandene Prüfung, spätestens am 30.06. endet, ist der anteilige Urlaub durch Zwölftelung zu ermitteln und zu gewähren. Endet das Ausbildungsverhältnis nach dem 01.07. oder später, hat der Auszubildende einen Mindesturlaubsanspruch nach den gesetzlichen Regelungen (Bundesarbeitsgericht, 09.03.1984 - 6 AZR 442/83: Der gesetzliche Mindesturlaub eines Arbeitnehmers, der nach erfüllter Wartezeit in der 2. Hälfte eines Kalenderjahres ausscheidet, kann durch eine tarifliche Regelung weder ausgeschlossen noch gemindert werden. Auch eine Zwölftelung des Urlaubs ist insoweit unwirksam). In die Berufsausbildungsverträge ist, sofern die Ausbildung in der zweiten Jahreshälfte endet, also mindestens der gesetzliche Urlaubsanspruch einzutragen.“

    Gerne kannst du dich bei deiner Gewerkschaft aber auch noch persönlich, individuell, rechtlich beraten lassen. Hier ist ein Kontakt für dich:
    Ver.di Geschäftsstelle Erfurt
    Schillerstraße 44
    99096 Erfurt
    Tel.: 0361/2117-200
    Fax: 0361/2117-270
    E-Mail: bz.thueringen@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem*r Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....
    (Generell gilt: Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand. Daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten. Schließlich treten immer wieder Probleme im Arbeitsleben auf, wie du merkst leider sogar schon während der Ausbildung. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.)

    Ich hoffe ich konnte dir bei deiner Frage weiterhelfen. Leider ist die Antwort nicht so wie du sie dir vermutlich erhofft hattest.
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße,
    Dr. Azubi

    P.S.: Wir hoffen, dir gefällt unser Angebot. Deine Meinung zählt! Du kannst uns in 60 Sekunden anonym einschätzen und uns damit helfen (noch) besser zu werden.: https:/​/​jugend.dgb.de/​ausbildung/​beratung/​dr-azubi/​umfrage-dr-azubi

    Dr. Azubi: 19.06.2017 12:46:14


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