Deutscher Gewerkschaftsbund

Minusstunden

Ich habe Anfang Juli meine mündliche Prüfung und bin danach nicht mehr in meinem Betrieb, da ich nicht übernommen werde. Jetzt habe ich meinen Ausbilder gefragt, ob er mir meine Überstunden und meinen Resturlaub auflisten kann, damit ich die vor Ende der Ausbildung noch nehmen kann.

Jetzt folgendes Problem:
Laut meinen Stempelkarten komme ich auf ca. 60 Überstunden. Mein Ausbilder sagte mir, ich habe nur 8, mit der Rechtfertigung, dass ich zT nur 7,5 Stunden am Tag gearbeitet habe (dies war der Fall, wenn man mich in eine andere Firma an die Pforte geschickt hat - was ja auch nicht rechtens ist, da es nichts mit meiner Ausbildung zu tun hatte).

Jetzt meine Frage: darf er mir Minusstunden berechnen, nur weil ich bei einer Fremdfirma nur 7,5 Stunden gearbeitet habe? -> ich hätte ja theoretisch meine 8 Stunden arbeiten können, aber er hat mich immer nur für 7,5 Stunden eingeteilt.

Und wie ist das, wenn ich die Stunden ausbezahlt haben möchte. Wie wird das berechnet und was kann ich tun, wenn er mir meine Überstunden nicht auszahlt oder abfeiern lässt?

Vielen Dank!

Marie: 14.06.2017 11:00:12 |
  • RE: Minusstunden

    Hallo Marie,

    Danke für deine Anfrage im Forum.

    Du liegst schon ganz richtig: die Berechnung deiner Überstunden ist so nicht richtig.
    Denn die Ausbildungsvergütung muss weitergezahlt werden, wenn die Ausbildung aus Gründen, für die du nichts kannst, ausfällt, obwohl
    du bereitstehen würdest (§19 Berufsbildungsgesetz). Klassisches Beispiel: Dein
    Ausbilder schickt dich Heim, weil nichts mehr zu tun ist. Oder du bekommst einen
    Anruf, dass du gar nicht erst kommen sollst. In diesen Fällen bist du bezahlt
    freigestellt und sammelst keine Minusstunden an. Denn du hast ein Recht darauf, die
    festgelegte tägliche Arbeitszeit auch zu arbeiten und zu lernen, und wenn es nichts
    zu tun gibt, kann sich dein Ausbilder ja Lernaufgaben für dich ausdenken: Du bist
    schließlich Azubi.

    Nun zu deiner Frage wie du deine Überstunden bzw. deinen Resturlaub zusammenrechnest, wenn du sie ausbezahlt haben möchtest.
    Um deinen Stundenlohn zu ermitteln, teile dein Brutto-Monatsgehalt durch 30. Das Ergebnis teilst du dann durch die regelmäßige tägliche Arbeitszeit, zum Beispiel acht Stunden bei einer 40-Stunden Woche. Nicht erschrecken: Das ist dein Stundenlohn!

    Du solltest nochmal mit deinem Ausbilder sprechen und ihm erklären, dass die Berechnung deiner Minusstunden nicht korrekt und legal ist. Nimm den Nachweis über deine Überstunden mit.
    Wenn er sich dadurch nicht auf die Auszahlung oder einen Freizeitausgleich einlässt, musst du ihn nochmal schriftlich darauf aufmerksam machen. Zusätzlich solltest du eine Geltendmachung verfassen. Die kannst du auch bei dem Gespräch schon abgeben. Hier hast du eine grobe Vorlage für eine Geltendmachung:

    Sehr geehrter Herr/Frau,

    laut § 17 Berufsbildungsgesetz müssen mir meine geleisteten Überstunden entweder in Freizeit ausgeglichen werden oder vergütet werden. Bitte überweisen Sie mir den ausstehenden Betrag von xxx Euro bis spätestens XX.XX.XX (hier setzt du eine Frist von etwa 2 Wochen) auf mein Konto.

    Mit freundlichen Grüßen
    (Unterschrift Azubi)
    (Unterschrift der Sorgeberechtigen bei minderjährigem Azubi)
    (Hier solltest du noch den Nachweis über deine Überstunden als Anlage hinzufügen)

    Wenn auch nach dieser Geltendmachung nichts passiert, solltest du dir Hilfe bei deiner Gewerkschaft suchen.
    Hier ist ein Kontakt für dich vor Ort:

    Ver.di Geschäftsstelle Kempten
    Hirnbeinstr. 3
    87435 Kempten
    Tel.: 0831/52188-0

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 14.06.2017 21:06:55


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