Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildung kündigen

Hallo,

Ich habe im vergangenen Sommer eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten begonnen. Schon nach kurzer Zeit wurde mir bewusst, dass dies weder mein Traumberuf ist, noch meiner Gesundheit gut tut. Da ich Multiple Sklerose habe bin ich immer darauf bedacht das aller beste aus meiner guten Zeit zu machen, man weiß nie wie lange alles gut geht. Ich würde gerne Ende Mai zum 30.06. Kündigen. Dem steht soweit mir bewusst ist nichts im Wege. Jedoch habe ich mir ein paar Gedanken darüber gemacht, was mir bereits vom Betrieb alles gezahlt wurde(aufgrunddessen, dass dies eine Triale Ausbildung ist fielen hohe Kosten für Seminar und Fahrtkosten zum Seminar für den AG an). Hat meine Behörde die Möglichkeit mich auf Schadensersatz zu verklagen ?

Danke für die Hilfe im voraus :)

Sina K.: 16.05.2017 11:53:06 |
Tags:
  • RE: Ausbildung kündigen

    Liebe Sina,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum.
    Wenn du mit deinem Arbeitgeber einen Ausbildungsvertrag nach dem Berufsbildungsgesetz abgeschlossen hast, dann dürfen dir hierfür keine Kosten entstehen. Die Ausbildung ist kostenfrei und dein Arbeitgeber hat die damit verbunden Kosten zu tragen.

    Wenn sich die Kosten auf die Studienhinhalte oder die Meisterprüfung beziehen, dann kommt es auf die vertragliche Regelung an. Leider kann ich dir diebezüglich aus der Ferne keine Auskunft geben.

    Wenn du noch weitere Unterstützung brauchst, dann kannst du dich auch an deine zuständige Gewerkschaft wenden.

    Hier ist ein Kontakt für dich:
    ver.di Hanau
    Willy-Brandt-Straße 23
    63450 Hanau
    Tel.: 06181/92322-0
    Fax: 06181/92322-24
    E-Mail: bz.hu@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Viel Erfolg und viel Kraft für die vor dir liegenden Herausforderungen! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    Dr. Azubi: 17.05.2017 15:48:38


  • RE: Ausbildung kündigen

    Sehr geehrte NGG,

    ich habe eine Ausbildung zur restaurantfachfrau begonnen, schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt das es nichts für mich ist und auch als gesundheitliche Gründe schaffe ich es nicht und mit dem Betrieb habe ich ebenfalls ein par Probleme. kann ich fristlos kündigen ? da ich eine andere Arbeitsstelle gefunden habe, muss ich so schnell wie möglich da raus sein .

    LG Tania

    Tania: 18.05.2017 09:06:14


  • RE: Ausbildung kündigen

    Hallo Tania,
    vielen Dank für deine Anfrage an unser Dr. Azubi Forum. Wir sind nicht direkt von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), sondern vom deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

    Gerne kannst du dich aber jeder Zeit an die NGG vor Ort wenden.
    Hier ist ein Kontakt für dich:

    NGG Region Köln
    Hans-Böckler-Platz 1
    50672 Köln
    Tel.: 0221 / 951 42 40
    Fax: 0221 / 95 14 24 20

    region.koeln@ngg.net
    >www.ngg-koeln.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem*r Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Hier nun noch die Infos zur fristlosen Kündigung:
    Du kannst außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B. : Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Überlege dir die Kündigung gut. Kündige nicht in einer Situation, in der du unter Druck gesetzt wirst!

    Achtung: Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb auch die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein Ausbilder kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon einen Azubi, der ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist?

    Bitte hole dir unbedingt die Hilfe von den Kolleg*innen der NGG in Köln. Die Daten stehen ja bereits weiter oben. ☺
    Ich wünsche dir alles Gute für die neue Stelle!
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P.S.: Wir hoffen, dir gefällt unser Angebot. Deine Meinung zählt! Du kannst uns in 60 Sekunden anonym einschätzen und uns damit helfen (noch) besser zu werden.: https:/​/​jugend.dgb.de/​ausbildung/​beratung/​dr-azubi/​umfrage-dr-azubi

    Dr. Azubi: 22.05.2017 01:19:03


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Absenden