Deutscher Gewerkschaftsbund

Lohn 1 Woche Einbehalten

1) Mein Chef will mein Lohn 1 Woche länger, als "Erziehungsmaßnahme" (wie er es nennt), einbehalten. Ich habe Meine Wochenenzettel ab und zu zu spät abgegeben (allerdings in den letzten 3 Wochen immer Pünktlich, außer davor wo ich 2 wochen auf Lehrgang war, da ich sie dort schlecht abgeben konnte). Ich wurde außerdem nicht darüber Informiert und als ich im Büro nachgefragt habe wiso mein Lohn nicht überwiesen wurde, wurde mein Chef Informiert worauf hin er mich auf meinem Privaten Handy angerufen hat und mich "runtermachte" was ich mir erlaube, da ich genau wüsste wiso ich mein Lohn nicht bekommen habe. Ich wohne auf Miete und verdiene so viel das ich im Monat gerade so über die runden komme, da ich jetzt allerdings meinen Lohn als "strafe" 1 Woche später bekomme, weiß ich nicht wie ich in meine Berufsschule bekommen soll, wie ich meine Miete zahlen soll und wie ich mir essen und Trinken kaufen soll. Jetzt würde ich gern wissen ob das rechtens ist und ob er mein Lohn einfach 1 Woche als "Erziehungsmaßnahme" verschieben darf?

Franziska: 17.03.2017 23:58:40 |
  • RE: Lohn 1 Woche Einbehalten

    Hallo Franziska,
    vielen Dank für die Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    So wie du die Situation schilderst, darf der Lohn nicht einbehalten werden. Auch nicht mit der Begründung, dass dies eine „Erzieherische Maßnahme“ ist.

    Deine Ausbildungsvergütung muss dir regelmäßig, und zwar vor Ablauf des Monats, gezahlt werden - so steht es im Gesetz (§18 Berufsbildungsgesetz). Sonst kannst du ja nicht richtig mit deinen monatlichen Finanzen kalkulieren. Wenn dein Gehalt ausbleibt oder nur unregelmäßig kommt, solltest du es möglichst bald geltend machen. Wenn du Gewerkschaftsmitglied bist, hilft sie dir dabei, ohne dass Kosten für dich entstehen. Sollten Dir durch die verspätete Zahlung Mahnkosten oder Überziehungszinsen entstanden sein, dann kannst Du diese Deinem Betrieb in Rechnung stellen.

    Eine Geltendmachung schreibt man während der Ausbildung oder nach Ende der Ausbildung, um Leistungen schriftlich einzufordern. Wenn du eine Geltendmachung schreibst, musst du die Höhe deiner Forderung darin angeben und deinen Arbeitgeber am besten mit einer Fristsetzung (also einem genauem Datum) zur Zahlung auffordern. Außerdem solltest du sie so bald wie möglich formulieren und per Einschreiben (mit Rückschein) abschicken, damit du einen Nachweis über deine Geltendmachung hast.
Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die zuständige Stelle schicken (hier reicht ein ganz normaler Brief), um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen.
Hier hast du eine grobe Vorlage für eine Gehaltsgeltendmachung:

    Sehr geehrter Herr/Frau,

    laut § 18 Berufsbildungsgesetz muss mein Gehalt bis zum letzten Arbeitstag des Monats auf meinem Girokonto eingehen. Ich habe mein Gehalt für den Monat allerdings bis heute nicht erhalten.
Bitte überweisen Sie mir den ausstehenden Betrag von xxx Euro umgehend auf mein Konto.

    Mit freundlichen Grüßen
    (Unterschrift Azubi)

    Es gibt aber noch andere Punkte zu beachten, wenn du eine Geltendmachung schreiben willst. Deshalb empfehle ich dir, dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft zu wenden. Meistens hat ein Brief von deiner Gewerkschaft einschlagenden Erfolg, weil dein Ausbilder dann weiß, dass du Rechtsschutz hast und deine Gewerkschaft Ansprüche notfalls einklagen wird. Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Metall Geschäftsstelle Nordhausen

    Strasse / Nr.: Bahnhofstr. 15/16
    PLZ, Ort: 99734 Nordhausen
    Telefon: 03631/46890
    Fax: 03631/468922
    E-Mail: nordhausen@igmetall.de
    Homepage: www.igmetall-nordhausen.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem*r Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Nur zur Ergänzung:
    Die Ausbildungsvergütung darf nur gekürzt werden, wenn du Auszubildende unentschuldigt fehlen. Unentschuldigtes Fehlen – egal ob in der Berufsschule oder im Betrieb – ist eine ernste Pflichtverletzung und kann im Wiederholungsfall sogar zu einer außerordentlichen fristlosen Kündigung durch den Arbeitgeber führen.

    Abgesehen davon, dass der/die Arbeitgeber*in den/die Auszubildende*n für die unentschuldigten Fehltage zunächst einmal abmahnen könnte, hat er*sie tatsächlich das Recht, die Vergütung anteilig für die Tage, in denen der/die Auszubildende dich nicht ordnungsgemäß krankgemeldet hast, zu kürzen (§7 Abs. 1 des Entgeltfortzahlungsgesetzes).

    Ich hoffe ich konnte dir mit dieser Antwort behilflich sein. Bei weiteren Fragen wende dich gerne erneut an uns oder für eine ausführliche und individuelle Beratung an die Kolleg*innen der IG Metall
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P.S.: Wir hoffen, dir gefällt unser Angebot. Deine Meinung zählt! Du kannst uns in 60 Sekunden anonym einschätzen und uns damit helfen (noch) besser zu werden.: https:/​/​jugend.dgb.de/​ausbildung/​beratung/​dr-azubi/​umfrage-dr-azubi

    Dr. Azubi: 19.03.2017 14:42:10


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