Deutscher Gewerkschaftsbund

Kündigung

Hallo

Meine Frage

Ich bin im 2 Ausbildungsjahr in der Gesundheits und Krankenpflege Ausbildung.

Ich habe aus gesundheitlichen Gründen meine fehlstunden um 5 Stunden in der Theorie überschritten.
Ich habe immer mit Attest gefehlt hatte immer eine AU.
Nun habe ich ein Lernentwicklungsgespräch vor mir die Personalabteilung hat mir postalisch mitgeteilt das sie an dem Gespräch teilnehmen möchten um mit mir zu besprechen ob es noch sinnvoll ist die Ausbildung vort zu führen oder sie sich von mir trennen.

Ist es möglich das sie mich kündigen ich hatte noch nie eine Abmahnung und meine Noten sind sehr gut bis gut im praktischen und im theoretischen befriedigend.

Moussa : 17.03.2017 18:29:11 |
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  • RE: Kündigung

    Hallo Moussa,
    vielen Dank für die Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    Bitte wende dich so schnell wie möglich an deine Gewerkschaft vor Ort. Denn leider sind wir hier keine Profis für den medizinisch- gesundheitlichen Bereich, denn dieses Forum behandelt eigentlich Fragen, die sich auf Probleme innerhalb einer innerbetrieblichen Ausbildung beziehen. Ausbildungen im medizinisch- gesundheitlichen Bereich unterliegen anderen gesetzlichen Bestimmungen und sind in erster Linie auf Länderebene geregelt. Deshalb würde ich dir raten, dich direkt an deine Gewerkschaft in deiner Nähe zu wenden, die können dir nämlich genau sagen, was dein Arbeitgeber bezüglich der 5 Fehlstunden machen darf und was nicht. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Geschäftsstelle Braunschweig
    Wilhelmstr. 5
    38100 Braunschweig
    Tel.: 0531/24408-0
    Fax: 0531/24408-22
    E-Mail: service-sued.nds-hb@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...
    (Generell gilt: Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand. Daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten. Schließlich treten immer wieder Probleme im Arbeitsleben auf, wie du merkst leider sogar schon während der Ausbildung. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.)

    Falls ihr bei euch einen Betriebsrat habt, informiere diesen bitte schnellst möglichst und bestehe darauf, dass dieser zu deiner Unterstützung mit in das Gespräch geht. Dies ist dein gutes Recht.

    Zudem hast du gefragt, ob diese 5 entschuldigten Fehlstunden ausreichen für eine Kündigung. Aus der Ferne betrachtet, mit den Informationen von dir, ist zunächst keine Legitimation für eine Kündigung zu erkennen. Wie gesagt empfehle ich dir aber, dich so schnell wie möglich bei der Gewerkschaft zu melden. Die können dir diese Frage genauer beantworten und dir sagen, was dein Arbeitgeber nun unternehmen darf und was nicht.

    Generell gilt für eine Kündigung durch den Arbeitgeber folgendes:
    Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis vom Ausbilder nur noch außerordentlich und fristlos gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit für den Ausbilder unzumutbar geworden ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:
    • Wiederholtes Schwänzen der Berufsschule
    • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit
    • Eigenständiger Urlaubsantritt
    • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit
    • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise
    • Diebstahl

    Bei der Prüfung des wichtigen Grundes muss der besondere Charakter des Ausbildungsverhältnisses berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass bei Pflichtverletzungen, schlechten Leistungen oder leichten Vergehen eine fristlose Kündigung des Azubis erst dann zulässig ist, wenn trotz aller Erziehungsmaßnahmen - zum Beispiel Ermahnungen und Abmahnungen - keine Besserung eintritt. Der Kündigung müssen deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) vorausgehen. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichend sein. Ausnahme: Bei besonders gravierenden Verfehlungen wie zum Beispiel nachweislicher Diebstahl oder ein tätlicher Angriff auf den Ausbilder kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden.

    Aber: Fehlerhafte Leistungen des Azubis gehören in der Regel zum Risiko des Ausbilders. Auch schlechte Leistungen in der Berufsschule berechtigen nicht zur außerordentlichen Kündigung. Auch das Durchfallen durch die Zwischenprüfung ist kein Kündigungsgrund. Der Ausbilder muss zusammen mit der Berufsschule versuchen, den Azubi zur ordnungsgemäßen Erledigung seiner Aufgaben anzuhalten. Nur wenn diese Bemühungen erfolglos bleiben, und keine Aussicht auf Erreichung des Ausbildungsziels besteht, ist die Kündigung zulässig.

    Je weiter die Ausbildungszeit fortgeschritten ist, umso strengere Anforderungen werden an den Kündigungsgrund gestellt. Kurz vor dem Ende der Ausbildung ist eine Kündigung im Allgemeinen ausgeschlossen.

    Die Kündigung muss unter genauer Angabe der Kündigungsgründe schriftlich ausgesprochen werden. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dem Ausbilder die Kündigungsgründe bereits länger als zwei Wochen bekannt waren. Zudem ist eine Kündigung unwirksam, wenn ein Betriebsrat existiert und der Betriebsrat vor der Kündigung nicht angehört wurde.

    Unabhängig vom Kündigungsgrund stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.

    Wenn du eine Kündigung erhältst, hat dies oft viele Gründe. Als erstes solltest du für dich klären, ob du etwas gegen die Kündigung und ihre Folgen tun willst. Wenn ja, empfehlen wir dir folgende Vorgehensweise:

    1. Hole dir Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz bei einem Kündigungsschutzverfahren. Sie hilft dir auch dabei eine Klage gegen die Kündigung zu erheben. Beachte unbedingt die Widerspruchsfrist gegen die Kündigung von drei Wochen: Du hast nach dem Zugang der Kündigung nur drei Wochen Zeit, um etwas zu unternehmen, danach ist die Kündigung auf jeden Fall wirksam. Bei einem Aufhebungsvertrag ist ein Widerspruch nicht möglich, außer wenn du unter Druck gesetzt wurdest. Bei einer Kündigung vor und während der Probezeit ist eine Klage sinnlos, außer für dich gilt ein besonderer Kündigungsschutz (Schwangere, Schwerbehinderte, Mitglieder der Jugendvertretung).

    2. Als nächstes solltest du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft möglichst schnell einen Antrag für eine Schlichtungsverhandlung bei deiner zuständigen Stelle stellen. Die zuständige Stelle (zum Beispiel die IHK oder eine Innung) leitet dann ein Schlichtungsverfahren ein.

    Die Schlichtungsstelle prüft dann, ob die Kündigung überhaupt wirksam ist. Ist sie es nicht - und das kommt gar nicht selten vor -, hat deine Firma den Kürzeren gezogen. Und selbst wenn die Kündigung wirksam sein sollte, kannst du dagegen Klage beim Arbeitsgericht einlegen.

    Falls deine Klage Erfolg haben sollte und du aber nicht mehr zurück in deinen Betrieb möchtest, kannst du dich jetzt schon mal darum kümmern, dir einen neuen Betrieb für einen Ausbildungsplatzwechsel zu suchen. Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probe arbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    Ich hoffe sehr, dass ich dir zumindest ein bisschen weiterhelfen konnte und drücke fest die Daumen, dass das Gespräch viel harmloser verläuft also zunächst vielleicht befürchtet. Alles Gute!
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P.S.: Wir hoffen, dir gefällt unser Angebot. Deine Meinung zählt! Du kannst uns in 60 Sekunden anonym einschätzen und uns damit helfen (noch) besser zu werden.: https:/​/​jugend.dgb.de/​ausbildung/​beratung/​dr-azubi/​umfrage-dr-azubi

    Dr. Azubi: 19.03.2017 14:30:21


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