Deutscher Gewerkschaftsbund

Kündigung im 3. Lehrjahr 9 Monate vor Abschlussprüfung

Guten Tag,

Ich bräuchte Hilfe zu dem Thema, Kündigung im 3 Ausbildungsjahr.

Ich wurde von meinem Betrieb am 1.3.17 fristlos gekündigt da ich zweimal die Krankmeldung zu spät eingereicht habe und abgemahnt wurde und beim letzten mal mich leider zu spät abgemeldet hatte.

Jetzt meine Frage ob dies so rechtswirksam ist da mir zwei Betriebe jetzt bereits gesagt haben ob das wirklich sein kann da ich nicht einmal mehr ein Jahr vor mir hätte.

Bitte um schnelle Hilfe.

Markus : 15.03.2017 21:13:16 |
  • RE: Kündigung im 3. Lehrjahr 9 Monate vor Abschlussprüfung

    Hallo Markus,

    Danke für deine Anfrage im Forum.

    Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis vom Ausbilder nur noch
    außerordentlich und fristlos gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt
    (§22 Berufsbildungsgesetz). Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn die Fortsetzung des
    Ausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit für den Ausbilder
    unzumutbar geworden ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:
    - Wiederholtes Schwänzen der Berufsschule
    - Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit
    - Eigenständiger Urlaubsantritt
    - Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit
    -Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise
    - Diebstahl
    Bei der Prüfung des wichtigen Grundes muss der besondere Charakter des
    Ausbildungsverhältnisses berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass bei
    Pflichtverletzungen, schlechten Leistungen oder leichten Vergehen eine fristlose
    Kündigung des Azubis erst dann zulässig ist, wenn trotz aller Erziehungsmaßnahmen
    - zum Beispiel Ermahnungen und Abmahnungen - keine Besserung eintritt. Der
    Kündigung müssen deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das
    gleiche Vergehen (!) vorausgehen. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je
    nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichend sein.
    Ausnahme: Bei besonders gravierenden Verfehlungen wie zum Beispiel
    nachweislicher Diebstahl oder ein tätlicher Angriff auf den Ausbilder kann auch ohne
    Abmahnung gekündigt werden.
    Die Abmahnungen dürfen zeitlich auch nicht allzu weit auseinanderliegen. Es muss in deinem Fall also geprüft werden, wann die Abmahnungen ausgestellt wurden.
    Je weiter die Ausbildungszeit fortgeschritten ist, umso strengere Anforderungen
    werden an den Kündigungsgrund gestellt. Kurz vor dem Ende der Ausbildung ist eine Kündigung im Allgemeinen ausgeschlossen. Bei dir sind es noch 9 Monate bis zur Prüfung, das ist noch ein relativ langer Zeitraum und wir sprechen nicht unbedingt vom Ende der Ausbildung.

    Aus der Ferne ist es jetzt sehr schwierig abzuschätzen, ob die Kündigung so in Ordnung ist, da mir die Daten deiner letzten Abmahnungen nicht bekannt sind und ich die Kündigung nicht vorliegen habe. Hier aber ein paar Tipps, was du jetzt tun kannst.
    Zuerst solltest du für dich klären, ob du gegen die Kündigung vorgehen willst.
    1. Hole dir Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als
    Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz bei einem
    Kündigungsschutzverfahren. Sie hilft dir auch dabei eine Klage gegen die Kündigung
    zu erheben. Beachte unbedingt die Widerspruchsfrist gegen die Kündigung von drei
    Wochen: Du hast nach dem Zugang der Kündigung nur drei Wochen Zeit, um etwas
    zu unternehmen, danach ist die Kündigung auf jeden Fall wirksam. Bei einem
    Aufhebungsvertrag ist ein Widerspruch nicht möglich, außer wenn du unter Druck
    gesetzt wurdest. Bei einer Kündigung vor und während der Probezeit ist eine Klage
    sinnlos, außer für dich gilt ein besonderer Kündigungsschutz (Schwangere,
    Schwerbehinderte, Mitglieder der Jugendvertretung). Hier ist ein Kontakt zu deiner
    örtlichen Gewerkschaft für dich:

    IG Metall Geschäftsstelle Ostoberfranken
    Hofer Str. 21
    95213 Münchberg
    Telefon: 09251-99510

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    2. Als nächstes solltest du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft möglichst schnell
    einen Antrag für eine Schlichtungsverhandlung bei deiner zuständigen Stelle stellen.
    Die zuständige Stelle (zum Beispiel die IHK oder eine Innung) leitet dann ein
    Schlichtungsverfahren ein.
    Die Schlichtungsstelle prüft dann, ob die Kündigung überhaupt wirksam ist. Ist sie es
    nicht - und das kommt gar nicht selten vor -, hat deine Firma den Kürzeren gezogen.
    Und selbst wenn die Kündigung wirksam sein sollte, kannst du dagegen Klage beim
    Arbeitsgericht einlegen.
    Falls deine Klage Erfolg haben sollte und du aber nicht mehr zurück in deinen
    Betrieb möchtest, kannst du dich jetzt schon mal darum kümmern, dir einen neuen
    Betrieb für einen Ausbildungsplatzwechsel zu suchen. Aber aus deiner Anfrage geht hervor, dass du bereits mit mehreren Betrieben im Gespräch bist.

    Dr. Azubi wünscht dir alles Gute.
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 16.03.2017 15:11:22


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