Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildungsplatzwechsel

Hallo. Ich arbeite seit September 2016 als Verkäuferin in einer Metzgerei und würde jetzt gerne den Ausbildungsort wechseln, da das Betriebsklima sehr schlecht ist und ich dadurch jeden einzelnen Tag unmotiviert bin zur Arbeit zu gehen. Ich würde gerne wissen wie es mit der Berufsschule aussieht. Falls ich die Schule wechseln muss (was ich allerdings ungern tun würde weil ich sehr zufrieden bin), wie sieht es mit den Noten aus die ich bisher bekommen habe? Zählt das dann alles nicht mehr? Ein Halbjahreszeugnis haben wir auch nicht bekommen.

Anonym: 15.03.2017 15:06:43 |
  • RE: Ausbildungsplatzwechsel

    Hallo AzubIne,

    Danke für deine Anfrage im Forum.

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am besten wie folgt vor:
    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind
    deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind,
    findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de.
    Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder
    frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes
    über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.
    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag
    machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.
    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen
    außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22
    Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die
    Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb
    angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:
    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das
    Arbeitszeitgesetz
    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und
    berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten
    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar
    keine besitzt
    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in
    Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist
    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen,
    Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)
    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo)
    kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der
    auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du
    aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben
    kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist
    weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung),
    dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb
    aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden
    Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in
    Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation
    zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen
    und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der
    Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder
    bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern
    sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.
    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich.
    Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung
    schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch
    wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen.
    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der
    Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig,
    was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt,
    Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.
    Hier ist ein Kontakt für dich:

    NGG Karlsruhe
    Ettlinger Str. 3 A
    76137 Karlsruhe
    Tel.: 0721 / 93 22 010

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine
    Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4
    Monate Probezeit. Deine Noten und alles, was du dir in der Ausbildung bis jetzt erarbeitet hast, gehen dabei nicht verloren.

    Du schreibst, dass du nur sehr ungern die Berufsschule wechseln möchtest. Du kannst ja erstmal versuchen, in deiner Nähe eine Ausbildungsstelle zu finden. Denn in deinem Beruf werden händeringend Azubis gesucht und es dürfte dir nicht schwer fallen, einen neuen Betrieb in der näheren Umgebung zu finden. Denn jeder Betrieb liegt in einen Einzugsgebiet für eine Berufsschule. Solange du in diesem Gebiet bleibst, kannst du auch weiterhin in deine Berufsschule gehen.
    Du kannst ja auch mal bei deinen KlassenkameradInnen nachfragen, ob in ihren Betrieben Azubis gesucht werden. Dann landest du sicher wieder in deiner Berufsschule.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 16.03.2017 15:21:19


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