Deutscher Gewerkschaftsbund

Überstunden

Guten Tag,

ich bin 21 Jahre und im zweiten Ausbildungsjahr zum Mediengestalter. In meinem Betrieb gab es schon öfter Probleme mit Überstunden. Eine zeit lang hat sich das wieder eingependelt aber jetzt werden von mir wieder massig Überstunden verlangt (Inoffiziell wurde mir gesagt das ich bis zum neuen Jahr täglich 10std schichten machen soll). Dafür gibt es weder einen Freizeitausgleich oder Bezahlung. Da die Festangestellten das auch so machen wird das von mir und den anderen Azubis auch verlangt. In meinem Vertrag sind 40std. die Woche festgelegt. Nun wollte ich fragen ob das alles Rechtens ist und ob/ wie ich mich dagegen wehren kann?. Wenn ich mich bei jemanden beschwere, bekomme ich immer nur zu hören dass das in der Branche ja überall der Fall sei und ich das wie die Festangestellten auch machen muss. Und da sich ja sonst keiner beschwert bin ich dann der Buhmann in der Firma.

Gibt es dort eine gesetzliche Regelung ?
Kann ich meinem Chef irgendwas vorwerfen wenn er mich wieder auslacht weil ich mich darüber beschwere?
Mit der Handelskammer hab ich auch schon telefoniert (jedoch hab ich dort nicht viele Information bekommen können), und mein Chef ist dort wohl schon bekannt da vieles in dem betrieb nicht richtig läuft (vor allem in Bezug auf andere ehemalige Azubis)
ich weiß nicht mehr weiter.

Vielen dank im schon mal im Voraus.

Andreas : 10.10.2018 23:03:20 |
  • RE: Überstunden

    Hallo Andreas,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst. Gerne beraten wir dich.

    Das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!

    Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Minderjährige dürfen nicht mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz). Volljährige dürfen durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden arbeiten – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!

    Achtung: Wenn du nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb bist und es kommt zu einem Arbeitsunfall, kannst du Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz).

    Du willst keine Überstunden mehr machen?

    Dann solltest du 1. Nach der Probezeit zunächst um ein Gespräch mit deinem Ausbilder bitten. Nimm, falls möglich, ein Betriebsrat-Mitglied mit. Sage im Gespräch, dass du nicht bereit bist, weiter so viele Überstunden zu leisten, und berufe dich auf die festgelegte Ausbildungszeit.

    2. Eine schriftliche Aufforderung schreiben. Hebe die Kopie des Schreibens auf:
Musterbrief:
    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

    Ort/Datum
    Hinweis auf die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit

    Sehr geehrte/r Frau/Herr …...........,

    Laut Ausbildungsvertrag beträgt meine tägliche Arbeitszeit …. Stunden.
Die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit reicht aus, um die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Trotzdem muss ich regelmäßig Überstunden leisten.

    Einige Beispiele:


    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Die Überstunden dienen oft nicht dem Ausbildungszweck.
Während der Überstunden ist häufig kein Ausbilder anwesend.
Diese Arbeitszeiten verstoßen zudem gegen das JArbSchG/ArbZG.

    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, sich an die vertraglich festgelegte Arbeitszeit zu halten und Überstunden zukünftig nur noch in betrieblichen Notfällen anzuweisen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Unterschrift Azubi …...................

    3. Falls die Überstunden unbezahlt sind, solltest du sie möglichst bald schriftlich geltend machen. Wenn der Betrieb merkt, dass deine Arbeit nicht gratis ist, überlegt er es sich vielleicht anders.

    4. Falls das alles nicht hilft kannst du den Rechtsweg einschlagen. Dazu wende dich an deine Gewerkschaft, der Rechtsschutz den du dort hast, reicht für die arbeitsrechtlichen Streitfälle aus.

    ver.di Hamburg
    Besenbinderhof 60
    20097 Hamburg
    Tel.: 040/890615-0
    Fax: 040/890615-279
    E-Mail: bezirk.hamburg@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Viel Erfolg und viel Kraft für die vor dir liegenden Herausforderungen! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße


    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 11.10.2018 15:00:00


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