Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeitsunfall Ausbildung

Guten Tag,

Ich habe einige Fragen, durch einen Arbeitsunfall bin ich in meiner Ausbildung knapp 7 Monate am Stück ausgefallen. Sind knapp 15-18% der Ausbildungszeit. Ich komme insgesamt auf Knapp 25% Krankentage

Der Arbeitsunfall ist auch über die Berufsgenossenschaft gelaufen.

Ich habe mich informiert, und ich könnte mit knapp 20% noch zugelassen werden. Alles drüber ist sozusagen nicht mehr möglich wieweit da ein Auge zugedrückt werden kann weiß ich leider nicht.

Der lange Ausfall ist durch einen Arbeitsunfall passiert kann man da nichts machen? Bzw ist ja nicht so das ich mir mal so Nebenbei einfach eine AU geholt hab weil ich kein bock auf Arbeiten hatte.

Kann ich bei der BG etwas gelten machen falls ich verlängern muss?

Ich habe genug Überstunden in meiner Ausbildung gemacht und bin oft Samstag arbeiten gewesen ist es möglich sowas als Ausgleich anzugeben um eventuell unter 20% zu kommen?

Falls ich abgelehnt werden sollte, hab ich gehört das ich Einspruch einlegen kann in Düsseldorf aber wie genau wird das gemacht muss es die Firma machen oder ich selber?

Wie genau ist es mit Samstag arbeiten, Pflicht? Was hat der Chef für Möglichkeiten falls ich Samstag einfach nicht erscheinen sollte?

Pascal: 19.09.2018 23:22:27 |
  • RE: Arbeitsunfall Ausbildung

    Hallo Pascal,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Gerne beraten wir dich.

    Durch deinen Arbeitsunfall konntest du solange nicht an der Ausbildung teilnehmen, dass du nun Angst hast, nicht zur Prüfung zugelassen zu werden. Normalerweise ist es so, dass man nicht mehr als 10% der Ausbildungszeit verpassen darf.
    Wer mehr als 10% der Ausbildungszeit verpasst, muss unter Umständen die Ausbildung um ein halbes Jahr verlängern. Das ist dann aber keine Strafe, sondern soll dem Azubi ermöglichen, verpasste Ausbildungsinhalte aufzuholen und so ein besseres Prüfungsergebnis zu erzielen.

    Bei dir ist es so, dass die Kammer schon zugestimmt hat, dich mit 20% Fehlzeiten zuzulassen. Was zugegebenermaßen ein großes Entgegenkommen ist. Du kannst nochmal versuchen, mit den Verantwortlichen bei der Kammer zu sprechen. Allerdings musst du dir dabei auch überlegen, ob du die Ausbildung erfolgreich abschließen kannst, wenn du ein Viertel davon verpasst hast.

    Du überlegst dir, Einspruch einzulegen, falls du nicht zugelassen wirst. Bei einer Fehlzeit von 25% sehe ich persönlich wenig Chancen, dass du dabei weit kommst. Denn, wie schon gesagt, ist es für dich persönlich vielleicht besser, noch ein halbes Jahr hinten anzuhängen. Ich empfehle dir, dir dabei Hilfe bei der Berufsgenossenschaft oder deiner Gewerkschaft zu holen. Auch solltest du dich mit deiner Gewerkschaft zusammensetzen, um einen eventuellen Schadensersatzanspruch zu klären. Hier ist ein Kontakt:

    IG Metall
    Geschäftsstelle Köln-Leverkusen
    Strasse / Nr.: Hans-Böckler-Platz 1
    PLZ, Ort: 50672 Köln
    Telefon: 0221/951524-0
    Fax: 0221/951524-40
    E-Mail: • koeln-leverkusen@igmetall.de

    Homepage: • www.koeln-leverkusen.igmetall.de

    Du hattest außerdem noch Fragen zum Thema samstags arbeiten. Hier die rechtlichen Grundlagen:

    Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§9,10 Arbeitszeitgesetz). Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem steht dir für die Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht dir ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss (§11 Arbeitszeitgesetz).

    Du darfst also nach dem Arbeitszeitgesetz an sechs Tagen pro Woche durchschnittlich 48 Stunden arbeiten. Trotzdem gilt für fast alle volljährigen Azubis ebenfalls die Fünf-Tage-Woche, weil sie in Tarifverträgen festgelegt ist. Und auch die Arbeitszeit ist oft in Tarifverträgen deutlich niedriger festgelegt. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt.

    Die Arbeit an Samstagen kannst du also nicht so einfach verweigern. Je nachdem, wieviel du unter der Woche schon gearbeitet hast, musst du vielleicht am Samstag sogar arbeiten, um auf deine vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit zu kommen.
    Wenn du ohne Entschuldigung nicht zur Arbeit erscheinst, kann das ein Kündigungsgrund sein.

    Dr. Azubi wünscht dir alles Gute!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 20.09.2018 12:22:25


  • RE: Arbeitsunfall Ausbildung

    Guten Tag,

    Ich danke Ihnen erst mal für die Antwort, allerdings würde ich gerne noch wissen ob ich die Überstunden oder Samstag Arbeiten, als Ausgleich mit angeben kann. Falls ich abgelehnt werde, und Einspruch einlegen möchte.

    Meiner Meinung nach habe ich in der Krankenzeit nicht sonderlich viel verpasst und habe versucht so oft wie möglich trotzdem zu Schule zu gehen, was ich auch teilweise erfolgreich gemacht habe. Natürlich hatte ich auch Reha Termine die genau auf die Schulzeit gefallen sind, deswegen habe ich dort auch fehlstunden die sich aber in Grenzen halten. In meinem Ausbildungs Betrieb habe ich die Meisten fehlstunden. "Da ich oft die gleiche Arbeit habe, und mehr nur für Schleppen oder andere Hilfs arbeiten benutzt werde. Bin ich der festen Meinung das selbst eine Verlängerung nichts nützt. Natürlich wäre es für mein Ausbildungs Betrieb perfekt eine Günstige Arbeitskraft für die nächsten 6 Monate zu haben. Falls ich verlängern muss.!!!

    Welche Berufsgenossenschaft bzw Gewerkschaft - ist für mich zuständig soweit ich weiß ist der Unfall über die BG Bau gelaufen, es wäre nett, wenn sie mir ein link senden können damit ich eventuelle schadensanspruch gelten machen kann, können sie mir sagen wie das abläuft, was mir Zusteht & wie meine Chancen da stehen.?

    Aso, und die Kammer wo ich bin, hat es für alle auf 20% angehoben ist nicht nur für mich so. Ich habe mich informiert und damals sind es zwischen 10-15% gewesen aber nun ist es bei 20%.

    Pascal: 20.09.2018 18:48:59


  • RE: Arbeitsunfall Ausbildung

    Hallo Pascal,

    Danke für deine Rückmeldung.

    Letztlich musst du nachweisen, dass du alle für die Prüfung relevanten Ausbildungsinhalte erlernt hast. Ob du das an Samstagen oder innerhalb deiner Überstunden gemacht hast, spielt keine Rolle. Du kannst also deine Mehrarbeit bei einem Einspruch anbringen. Dazu musst du sie natürlich auch belegen können. Nimm also Stundenzettel etc. mit und rechne dir vorher aus, wieviele Tage du Mehrarbeit geleistet hast. Ob das schlussendlich zum Erfolg führt, kann ich dir nicht versprechen, da das auch immer im Ermessen der entscheidenden Person liegt.

    Schadensersatz wegen Verlängerung der Ausbildung (§8 Berufsbildungsgesetz): Wenn es zu einer Verlängerung der Ausbildung kommt, weil der Ausbilder den Azubi nur schlecht oder einseitig ausgebildet hat, kann der Azubi Schadensersatz fordern. Der Schaden besteht dann in der Differenz zwischen der Ausbildungsvergütung und dem entgangenem Gesellengehalt, das der Azubi bei rechtzeitiger Beendigung während der Verlängerungszeit verdient hätte. Falls du also aufgrund einer schlechten Ausbildung das Ausbildungsziel nicht erreichst, solltest du dich unbedingt wegen eines möglichen Schadensersatzanspruchs an deine Gewerkschaft wenden.
    Um Schadensersatzansprüche rechtlich geltend zu machen, solltest du dir Hilfe bei deiner Gewerkschaft suchen.

    Da dein Unfall über die BG Bau gelaufen ist, ist vermutlich für dich die IG BAU zuständig ist. Hier ist ein Kontakt:

    IG BAU Bezirksverband
    Köln-Bonn
    Hans-Böckler-Platz 3
    50672 Köln
    T: 0221 9529300
    F: 0221 95293030
    E: koeln igbau.de

    Den Kontakt bei der Genossenschaft entnimmst du am besten den Dokumenten, die du im Laufe deines Unfalls gesammelt hast.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 21.09.2018 11:23:20


  • RE: Arbeitsunfall Ausbildung

    Guten Tag,

    Danke für Ihre Rückmeldung.

    Ja, aber die Verlängerung muss ich ja wahrscheinlich machen weil ich die "Ausbildungszeit" durch meinen Arbeitsunfall nicht erreicht habe. Da macht es ja kein Sinn zu sagen ich habe auf der Arbeit nicht alles gelernt was für die Prüfung wichtig ist.?

    Pascal: 21.09.2018 12:19:22


  • RE: Arbeitsunfall Ausbildung

    Hallo Pascal!

    Danke für deine Rückmeldung.

    Du kannst du deinen Unfall die Ausbildungszeit nicht erreicht haben und trotzdem nicht alle wichtigen Inhalte vermittelt bekommen haben. Allerdings beziehen sich dann die Ausbildungsinhalte natürlich auf die real geleistete Ausbildungszeit. Für einen Schadensersatzanspruch müsstest du deine Ausbildungsnachweise mit dem Ausbildungsrahmenplan abgleichen. Der Ausbildungsrahmenplan ist zeitlich gegliedert, so kannst du sehen wir weit du in deiner Ausbildung bist.
    Ansonsten könntest du mit deinem Fall nochmal bei der Kammer vorsprechen und dem Prüfungsausschuss deinen Fall erklären. Oft helfen das persönliche Gespräch und die genaue Schilderung des Sachverhaltes bei der Zulassung zur Prüfung.
    Viel Erfolg!
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 22.09.2018 20:17:01


  • RE: Arbeitsunfall Ausbildung

    Guten Tag,

    Danke für Ihre Rückmeldung

    Kann ich den einen schadensanspruch gegen die Berufsgenossenschaft stellen, da ich meine Ausbildung durch meinen Arbeitsunfall Verlängerung muss!? oder denken sie es macht kein sinn?

    Pascal: 23.09.2018 02:08:05


  • RE: Arbeitsunfall Ausbildung

    Hallo Pascal,

    Danke für deine Rückmeldung.
    Ich kenne deinen Fall im Detail nicht und ich empfehle dir, im Falle der Schadensersatzklage einen Anwalt oder deine Gewerkschaft mit einzubeziehen.
    Eine Klage gegen die Berufsgenossenschaft macht aus meiner Sicht keinen Sinn, denn sie ist ja nicht Schuld daran, dass du deine Ausbildung verlängern musst. Wenn feststeht, dass dein Betrieb fahrlässig gehandelt und so den Unfall verursacht hat, dann kann es sein, dass er dir zu Schadensersatz verpflichtet wird. Das klärt dann aber das Arbeitsgericht.
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 24.09.2018 10:01:58


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