Deutscher Gewerkschaftsbund

Minusstunden

Guten Tag :)

Ich hätte zwei Fragen bzgl. der Minusstunden.
Ich bin derzeit in der Endphase meiner Aubsilung und absolviere in knapp 2 Wochen meine mündliche Prüfung.
Da ich in den Wochen vor der Prüfung immer früher gegangen bin ( um zu lernen ) bin ich jetzt im Minus.

Heute ist der 16.05 und meinen Stundenzettel hab ich bis zum Heutigen Tag nicht erhalten, somit kann ich nicht genau sagen wieviel ich im Minus bin.

Ist das Rechtens, wenn sie mir den stundenzettel 1 woche vor der Prüfung hinlegen & verlagen das ich nun alles Nachrabeiten soll oder sie mir das Gehalt kürzen ?

Ist es ebenfalls erlaubt stundenzettel von Vorjahren zu Korregieren, da sie Dame welche meine Stunden berechnet immer die schulpause & fahrtweg zur Arbeit abgezogen hat (knapp5 Monate)

Sollte es wie gesagt dazu kommen das mein gehalt gekürzt wird oder Sie verlangen länger im Betrieb zu beleiben würde ich das gern in Anspruch nehmen..

Lena: 16.05.2018 15:04:47 |
  • RE: Minusstunden

    Hallo Lena,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir weiter.

    Minusstunden:
    Immer wieder gibt es Azubis, die plötzlich von ihrem Ausbilder erfahren, dass sie Minusstunden angesammelt hätten. In der Regel ist diese Berechnung von Minusstunden nicht rechtens. Denn die Ausbildungsvergütung muss weitergezahlt werden, wenn die Ausbildung aus Gründen, für die du nichts kannst, ausfällt, obwohl du bereitstehen würdest (§19 Berufsbildungsgesetz). Klassisches Beispiel: Dein Ausbilder schickt dich Heim, weil nichts mehr zu tun ist. Oder du bekommst einen Anruf, dass du gar nicht erst kommen sollst. In diesen Fällen bist du bezahlt freigestellt und sammelst keine Minusstunden an. Denn du hast ein Recht darauf, die festgelegte tägliche Arbeitszeit auch zu arbeiten und zu lernen, und wenn es nichts zu tun gibt, kann sich dein Ausbilder ja Lernaufgaben für dich ausdenken: Du bist schließlich Azubi.

    In deinem Fall kommen die Minusstunden aber anders zustande: Du bist früher gegangen, um lernen zu können. Dadurch hast du deine Minusstunden „selbst verschuldet“. Du musst sie also entweder nacharbeiten oder dein Betrieb kann sie dir von deiner Vergütung abziehen. Du könntest sie auch mit deinem Resturlaub verrechnen, wenn du noch welchen hast. Um solch böse Überraschungen zu vermeiden, wie dein Beispiel (eine Woche vor der Prüfung nacharbeiten), empfehle ich dir so bald wie möglich das Gespräch mit deinem Betrieb zu suchen und zu fragen, wie dort mit Minusstunden umgegangen wird. Du kannst dann einen Vorschlag machen, wie es für dich am angenehmsten wäre (Verrechnung mit Urlaub, etc.).

    Generell sollte dein Betrieb dir immer Einblick in deinen Dienstplan gewähren. Es macht aber auch Sinn, die Arbeitszeiten selbst zu notieren, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Das solltest du dir auch nach der Ausbildung angewöhnen. Vielleicht kannst du deine Arbeitszeiten ja im Nachhinein rekonstruieren, damit du in etwa weißt, um wieviele Minusstunden es sich handelt.

    Eine weitere Frage ist, ob deine Stundenzettel im Nachhinein geändert werden können. Wenn sie nicht korrekt geführt wurden, dann können bzw. sollten sie geändert werden.
    In deinem Fall wurde zu deinen Ungunsten die Fahrtzeit zwischen Berufsschule und Betrieb und auch die Pausen in der Berufsschule (Zeit des notwendigen Verbleibs) nicht zur Arbeitszeit gerechnet. Das ist nicht korrekt.

    Hierzu nochmal ein paar Infos zur Anrechnung der Berufsschulzeit auf die Arbeitszeit:
    Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in seinem Urteil vom 26. März 2001 (Az: 5 AZR 413/99) festgelegt, wie die Berufsschulzeiten auf die Arbeitszeit angerechnet werden müssen: Die Freistellung umfasst demnach nicht nur die reine Unterrichtszeit, sondern auch die Zeiten des notwendigen Verbleibs in der Berufsschule, zum Beispiel unterrichtsfreie Zeiten, Pausen und die Wegzeiten zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.

    Die Berufsschulzeit ist also auf die vertragliche Arbeitszeit anzurechnen, allerdings gibt es einen Haken: Eine Freistellung ist nur dann möglich, wenn sich Unterrichtszeit und Ausbildungszeit überschneiden. Findet die Berufsschule also zu Tageszeiten statt, an denen nicht regelmäßige Ausbildung stattfindet, erfolgt keine Freistellung und keine Anrechnung.

    Du solltest die fehlerhafte Anrechnung auf jeden Fall ansprechen und darum bitten, dass deine Arbeitszeit im Nachhinein dementsprechend korrigiert wird.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f


    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 16.05.2018 23:19:48


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