Deutscher Gewerkschaftsbund

Kündigung ohne wirkliches Feedback

Hallo,

ich weiß nicht, ob ich hier wirklich richtig bin, doch momentan bin ich so verzweifelt, dass mir jede Hilfe recht ist.

Zur Situation: Seit Anfang des Jahres arbeite ich als Junior-Lektorin in einer Medienagentur. Davor hatte ich bereits einige Erfahrung durch Praktika, freiwillige sowie selbstständige Arbeit gesammelt. Alle Nachweise kann ich nachprüfbar erbringen. Den Einstellungstest habe ich mit einem guten Ergebnisse bestanden.

Zu Beginn schien alles in Ordnung zu sein, ich hatte eine Mentorin (die aber nun seit 6 Wochem im Mutterschutz ist) und habe versucht, mich so gut es geht in die Strukturen des neuen Unternehmens einzuarbeiten. Leider fiel mir aber schon nach kurzer Zeit auf, dass es offensichtlich kein Einarbeitungskonzeptvon seiten der Firma für mich gibt. Teilweise habe ich über Tage hinweg keine Texte lektorieren können und saß nur herum, um den Duden zu lesen. Wenn ich dann mal einen Text bekam, hatte jeder Projektmanager (die mir die Texte/Aufgaben zuweisen) andere Vorstellungen, wie das ganze abläuft. Dadurch konnte ich keine Routine und Struktur in meine Arbeitsabläufe bringen. Das Ergebnis: Mir passierten Fehler.

Zunächst schaute sich meine Mentorin einen Großteil meiner Arbeit an und gab mir Feedback, welches ich dankend annahm und so für mich selber einen Plan zur Verbesserung meiner Arbeitsweise erstellte. Von den Projektmanagern, die mir die Texte direkt zuweisen, kam hingegen nie Feedback genauso wenig wie von meiner Chefin. Auch bekam ich plötzlich immer weniger Arbeit und musste regelrecht um Aufträge betteln. Dabei war ich mir für keine Aufgabezu schade und betonte das auch immer wieder.

Dann passierte der erste Eklat im Februar: Meine Chefin eröffnete mir, dass es täglich Kritik zu meiner Arbeit von seiten der Projektmanager gäbe, ich offensichtliche Fehler übersehe und insgesamt eine schlechte Arbeitsqualität abliefere. Interessant war dazu auch, dass meine Mentorin in den Augen meiner Chefin und des Teams in der ganzes Zeit, die sie als Lektorin für die Firma gearbeitet hat, keinen einzigen Fehler gemacht hat. Allerdings verriet mir meine Mentorin, dass das nicht stimmt und sie sehr wohl Fehler gemacht hat und ich diese ganz leicht finden werde. Was tatsächlich auch der Fall war - und das wiederholt. Allerdings schienen diese Fehler (obwohl einige davon durchaus schwerwiegend waren) nie aufgefallen zu sein.

Da ich bis zu dem Zeitpunkt nur Feedback von meiner Mentorin hatte, welches aber sowohl positiv als auch negativ war, hat mich diese Rückmeldung extrem schockiert. Noch mehr schockierte mich aber, dass die Projektmanager, die sich offensichtlich jeden Tag bei meiner Chefin über meine Arbeit beschweren, nie auf mich zugekommen sind.

Da ich aber trotzdem zeigen wollte, wie viel mir dieser Job bedeutet und dass ich gute Leistungen abliefern will, bat ich meine Chefin, mir doch einige Beispiele zu nennen (alle Texte werden nach jeder vorgenommenen Änderung als eigene Version gespeichert und archiviert und sind jederzeit abrufbar), damit ich nachvollziehen kann, wo bei mir das Problem liegt. Leider konnte sie mir kein einziges Beispiel liefern. Auch habe ich noch einmal darum gebeten, dass die Projektmanager, wenn ihnen eklatante Fehler doch sofort auffallen, mir direkt bescheid geben sollen, damit ich auch selbst einfach meine Leistung einschätzen kann.

Über die nächsten Wochen besserte sich die Situation aber überhaupt nicht. Meine Mentorin gab mir noch hin und wieder hauptsächlich positives Feedback und schien insgesamt mit meiner Leistung zufrieden. Die Projektmanager aber kamen nicht auf mich zu und so ging ich davon aus, dass sich meine Arbeit nun - nachdem ich mich auch nochmal richtig ins Zeug gelegt hatte - doch deutlich verbessert haben müsste.

Vor etwa vier Wochen gab es dann aber den nächsten Eklat: Eine Projektmanagerin beschwerte sich bei meiner Chefin über eine Korrektur meinerseits. Sie unterstellte mir dabei, etwas unschönes gesagt zu haben, was aber nicht der Wahrheit entspricht. Daraufhin ermahnte mich meine Chefin. Vollkommen verzweifelt suchte ich den archivierten Text heraus und zeigte ihr, dass die Unterstellung der Projektmanagerin nicht der Wahrheit entspricht. Auch suchte ich das Gespräch mit der Projektmanagerin, diese wiegelte jedoch ab, dass sie gerade keine Zeit hätte. Ein Gespräch kam nie zustande.

Allerdings sprach ich dann noch einmal mit meiner Chefin. Wieder sagte sie mir, dass sie täglich Kritik über meine Arbeit zu hören bekommt. Es bestünde das Gefühl, dass keine Verbesserung eintritt, ich stattdessen die selben Fehler immer und immer zu wiederholen. Auf meine Frage, was genau das denn für Fehler seien, ob sie Beispiele für mich hätte, damit ich die Situation endlich nachvollziehen kann, konnte sie mir keine Antwort geben. Auch sagte ich ihr noch einmal, dass sich in den Wochen zuvor, bis auf eine Ausnahme, kein Projektmanager auch nur ein einziges Mal mit Kritik an mich gewendet hat.

Um die Situation endlich zu lösen, verblieben wir so, dass meine Chefin Feedback sammeln würde, um dann einmal die Woche mit mir die Texte direkt durchzugehen, damit wir schauen können, wo es Probleme gibt. Auch fing ich an, die Projektmanager nach jedem Lektorat direkt von mir aus um Feedback zu bitten und betonte dabei jedes Mal, dass es mir wichtig sei, keine Fehler zu machen.

Ein wöchentliches Gespräch mit meiner Chefin ist nie zustande gekommen, auch auf eine Nachfrage meinerseits vor zwei Wochen nicht. Die Projektmanager rückten kaum mit Feedback heraus, obwohl ich täglich nachfragte. Nur ein paar Mal kam überhaupt etwas zurück - und dann immer, dass alles okay sei.

Vorgestern bekam ich dann die Kündigung vom Firmenchef mit der Begründung: mangelndes Engagement und schlechte Arbeitsqualität. Ich hätte nicht die Qualifikationen und den Arbeitseifer gezeigt, der erwartet wurde (Anmerkung: Ich habe immer nachgefragt, ob irgendwo Hilfe gebraucht wird; habe freiwillig und gern auch mal Überstunden gemacht, wenn eine Aufgabe noch dringend erledigt werden musste; habe immer direkt sowohl meine Chefin als auch die Projektmanagern nach Arbeit gefragt und auch Aufträge von anderen Teams mit Freude angenommen). Wieder hieß es, dass ich offensichtliche Fehler übersehen hätte, die selbst einem Laien sofort ins Auge gestoßen sind. Es hätte wohl gute und schlechte Tage gegeben, wobei die schlechten überwiegten.

Meine Entgegnung, dass ich von diesen schlechten Tages nichts weiß, dass ich meine Texte teilweise Tage später noch einmal Korrektur gelesen habe und dabei keine Fehler finden konnte und dass ich nicht verstehe, wieso mir niemand konkrete Beispiele geben kann, wenn diese doch so offensichtlich und zahlreich sind, wurde mit einem Schulterzucken und dem Verweis auf meine Chefin - die natürlich nun drei Wochen im Urlaub ist - abgetan.

Nun bin ich in einem Monat arbeitslos und verstehe die Welt nicht mehr. Was ist schief gelaufen? Was habe ich falsch gemacht? An welcher Stelle hätte ich anders reagieren müssen?

Ich werde mir in den nächsten Tagen noch einmal meine Arbeiten der letzten Wochen und Monate anschauen und mich selber auf die Fehlersuche begeben. Trotzdem bleibt ein Gefühl der Verzweiflung zurück.

Viele Grüße

Beatrice

Beatrice: 13.04.2018 13:40:51 |
Tags:
  • RE: Kündigung ohne wirkliches Feedback

    Hallo Beatrice!

    Leider kann ich dir in diesem Fall nicht weiterhelfen, denn dieses Forum behandelt eigentlich Fragen, die sich auf Probleme innerhalb einer innerbetrieblichen Ausbildung nach Berufsbildungsgesetz beziehen. Leider sind wir für dein Problem keine Experten.
    Bei einer Kündigung solltest du allerdings schnell handeln und dich ausführlich beraten lassen. Hier ein Kontakt für dich:

    ver.di Leipzig
    Karl-Liebknecht-Str. 30-32
    04107 Leipzig
    Tel.: 0341/21609-0
    E-Mail: bz.leipzig-nordsachsen@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 13.04.2018 19:48:26


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