Deutscher Gewerkschaftsbund

Betriebswechsel

Hallo Dr. Azubi,

durch das Mobbing an meinem Arbeitsplatz geht es mir seit geraumer Zeit gesundheitlich schlecht, auch nach mehreren Gesprächen mit meiner Chefin gab es keine Besserung. Als es mit dem Mobbig angefangen hat habe ich mich schon nach einem anderen Betrieb umgeschaut und auch einen gefunden bei dem ich meine Ausbildung beenden darf.
Da ich ja wie gesagt schon einen neuen Betrieb habe, habe ich meiner Chefin gesagt das ich gerne einen Aufhebungsvertrag haben möchte da es gesundheitlich nicht mehr geht(ich habe auch von meinem Arzt ein Attest bekommen das ich aus gesundheitlich Gründen meinen Arbeitsplatz wechseln sollte). Jedoch stellt sie sich jetzt auf einmal quer und möchte das ich mir das gut überlegen soll und mit meinen Eltern ein Gespräch mit ihr führe soll, da sie der Meinung ist das ich mir die Zukunft verbaue.
Nun meine Frage darf ich aufgrund des Attestes auch eine Fristlose Kündigung ausschreiben, also das der wichtige Grund die eigene Gesundheit ist?

LG Lisa

Lisa: 13.03.2018 11:32:15 |
  • RE: Betriebswechsel

    Liebe Lisa,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum.

    Gratuliere dir zu deiner neuen Ausbildungsstelle. ES gehört viel Mut dazu in deiner Situation mit deiner Chefin das Gespräch zu suchen. Du kannst daher stolz auf dich sein.

    Einen Ausbildungswechsel solltest du dir natürlich gut überlegen. Auch bei deiner neuen Stelle hast du eine erneute Probezeit und Konflikte und Reibereien können auftreten.

    Wenn sich die Ausbildungssituation schon auf deine Gesundheit auswirkt, dann gibt deine Körper dir schon klare Zeichen, dass eine Grenze erreicht ist. Es ist gut und wichtig, dass du deinen Körper ernst nimmst.

    Du kannst außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist.

    Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B. : Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen.

    Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen. Ein Attest deiner Ärztin, dass es dir aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist in den Betrieb zu gehen untermauert natürlich noch einmal die Auswirkungen des Mobbings an deinem Ausbildungsplatz. Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb auch die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.

    Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein Ausbilder kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon einen Azubi, der ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist?

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine Gewerkschaft wenden.

    Hier ist ein Kontakt für dich:


    ver.di Landesbezirks Bayern
    Schwanthalerstraße 64
    80336 München
    Tel.: 089/59977-0
    Fax: 089/59977-2222
    E-Mail: LBZ.Bayern@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi: 13.03.2018 17:46:33


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