Deutscher Gewerkschaftsbund

Diskriminierung am Arbeitsplatz

Hallo, ich habe da einige probleme auf der arbeit.. Ich werde vor Kunden und allen anderen Mitarbeitern angeschrien und fertig gemacht. Wenn ich krank bin und zur arbeit komme wird auf mich los gegangen und ich werde quasi mit strafaufgaben bestraft und als ich mich mit meinem vorgesetzten darüber unterhalten hab geschah nichts und es ging noch schlimmer weiter... Durch diese attaken gehts mir körperlich und seelisch sehr sehr schlecht ich traue mich nicht mehr zur arbeit und mir wurde gesagt das dort alle sauer auf mich sind und mich was erwartet wenn ich wieder komme... Was kann ich noch tun? Wenn ich kündige bekomme ich kein geld um meine wohnung zu bezahlen... Ich habe mich jetzt wo anders beworben aber solange ich da noch keine antwort bekomme müsste ich eigentlich zur arbeit aber ich habe angst vor denen was kann ich tun?

Lin: 11.02.2018 18:25:52 |
  • RE: Diskriminierung am Arbeitsplatz

    Hallo Lin,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.

    Wenn du krank bist, bist du krank und kannst nicht arbeiten. Es dürfen dir daraus keine negativen Konsequenzen entstehen. Es ist erwiesen, dass Mitarbeiter öfter krank sind, wenn sie nach Krankschreibungen nicht freundlich empfangen werden. Dein Betrieb tut sich also selbst nichts Gutes mit seinem Verhalten.

    Es ist klar, dass es dich stark belastet, wenn du so unter Druck gesetzt wirst. Es ist deshalb gut, dass du schon mal mit deinem Ausbilder gesprochen hast. Leider hat das keine Besserung gebracht.

    Du schreibst, dass du große Angst hast, wieder an den Ausbildungsplatz zurückzukehren. Das ist verständlich. Da du schon unter psychischen und körperlichen Beschwerden wegen der Sache leidest, solltest du zum Arzt gehen und ihm deine Situation schildern. Er wird dann entscheiden, ob es dir zuzumuten ist, dass du weiterhin zur Arbeit gehst.
    Du hast dich schon mal mit dem Thema Ausbildungsplatzwechsel beschäftigt. Hierzu möchte ich dir noch ein paar Informationen geben:

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:
    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    NGG Region Süd-Ost-Niedersachsen
    Braunschweig
    Wilhelmstr. 5
    38100 Braunschweig
    Tel.: 0531 / 24 27 40

    region.sued-ost-niedersachsen@ngg.net
    >www.ngg-son.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.02.2018 11:34:43


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