Deutscher Gewerkschaftsbund

Abmahnungen

Hallo,
Ich habe heute 2 Abmahnungen erhalten. Eine betrifft meine Arbeitskleidung und ist inhaltlich in Ordnung und werde ich ändern. Die zweite betrifft den unpfleglichen Umgang mit den Arbeitsgegenständen. Hier wird mir der wiederholte unvorsichtige und unpflegsame Umgang mit Geschirr und Besteck, Aschenbechern, Sonnenschirmen und Glastüren vorgeworfen. Ich wäre zu polterig und schmeiße zuviel runter. Ich brauche dringend Hilfe. Da ich zur Zeit 6 Tage die Woche arbeiten muss, habe ich die E-Mailadresse unserer Familie angegeben. Vielen Dank.

Tom: 10.02.2018 23:32:55 |
  • RE: Abmahnungen

    Hallo Tom,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.

    Eine Abmahnung ist erst mal ein Schock und das soll sie auch sein! Eine Abmahnung soll dir deutlich zu verstehen geben, dass dein Ausbilder mit deiner Leistung oder deinem Verhalten nicht zufrieden ist. Damit die Abmahnung formal richtig ist, muss ganz genau drin stehen, welche Pflichtverletzung dir zum Vorwurf gemacht wird. Außerdem muss dir eine Abmahnung auch immer die Kündigung androhen, falls du deine Leistung oder dein Verhalten nicht änderst. Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass der Kündigung eines Azubis mindestens zwei Abmahnungen aus demselben Grund vorausgehen müssen (Ausnahme: Bei groben Vergehen wie zum Beispiel Diebstahl kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden). Per Gesetz hat der Ausbilder nämlich „erzieherische Pflichten“, was im Klartext bedeutet, dass du erst mal durch die Abmahnung die Chance bekommst, dazuzulernen. Deshalb muss die Abmahnung auch relativ bald nach deiner Pflichtverletzung ausgesprochen werden, also nicht zum Beispiel ein Jahr später, denn dann kannst du ja nichts mehr ändern!
    Du solltest eine Abmahnung auf jeden Fall ernst nehmen und versuchen, deine Leistung oder dein Verhalten im angesprochenen Bereich zu verändern.

    Wann ist eine Abmahnung nicht gerechtfertigt? Zunächst mal dann, wenn sie inhaltlich falsch ist und du die Sache ganz anders siehst. Eine Abmahnung kann aber auch rechtlich ungerechtfertigt sein. Eine Abmahnung wegen schlechter Noten ist zum Beispiel in der Regel ungerechtfertigt, weil du nichts dafür kannst, wenn du in der Schule nicht gut bist, obwohl du den Unterricht besuchst und lernst. Auch ist es normal, dass Auszubildende (vor allem im ersten Ausbildungsjahr) Fehler machen, denn schließlich sind sie ja im Betrieb um zu lernen.

    Was kannst du tun, wenn die Abmahnung deiner Meinung nach ungerechtfertigt ausgesprochen ist? Dann kannst du eine Gegendarstellung schreiben.

    Manchmal kann es aber auch klug sein, die Abmahnung einfach hinzunehmen und Gras über die Sache wachsen zu lassen, vor allem dann, wenn du dich grundsätzlich gut mit deinem Ausbilder verstehst. Nach frühestens eineinhalb Jahren verliert die Abmahnung dann ihre Gültigkeit, sie verjährt sozusagen. Achtung: Falls es plötzlich Abmahnungen hagelt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass dein Ausbilder dich loswerden will und deine Kündigung vorbereitet. Dann solltest du dich umgehend bei deiner Gewerkschaft beraten lassen.

    In deinem Fall, siehst du deine Fehler bzgl. der Arbeitskleidung ein. Die zweite Abmahnung erfolgt wegen der Sorgfaltspflicht. Du bist als Azubi verpflichtet, mit deinen Arbeitsmitteln und allen Gegenständen im Betrieb sorgsam umzugehen. Du solltest dir also auch diese Abmahnung zu Herzen nehmen.
    Ich kann gut verstehen, dass du dich gekränkt fühlst. Deshalb empfehle ich dir, nochmal mit deinem/r Ausbilder/in zu sprechen. Sag dabei, dass du dir mehr Mühe geben möchtest und deine Fehler (teilweise) einsiehst.
    Wie du oben lesen konntest, solltest du auf der Hut sein, denn es kann sein, dass in deinem Fall eine Kündigung vorbereitet wird. Momentan kann dir aber noch nichts passieren. Denn die Abmahnungen müssen aus demselben Grund erfolgen, um eine Kündigung zu rechtfertigen. Trotzdem solltest du versuchen, so sorgfältig zu arbeiten wie möglich und auch dich auch sonst penibel an deine Pflichten zu halten.

    Sollte noch eine Abmahnung folgen, empfehle ich dir, dich an deine Gewerkschaft zu wenden. Denn dort bist du im Falle einer Kündigung definitiv am besten aufgehoben. Hier ist ein Kontakt für dich:

    NGG Region Süd-Ost-Niedersachsen
    Braunschweig
    Wilhelmstr. 5
    38100 Braunschweig
    Tel.: 0531 / 24 27 40
    region.sued-ost-niedersachsen@ngg.net
    >www.ngg-son.de
    Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.02.2018 11:31:16


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