Deutscher Gewerkschaftsbund

EQJ Kündigung

Guten morgen,
ich habe auch viele Probleme in meine Praxis gehabt.

*Erst mal: ich mache Überstunden, ich kriege kein Geld und ich habe gar keine freie Stunden,wenn ich ein Tag zu viel gearbeitet habe.

*In drei Monaten habe ich nur 4 mal mit ein Zahnarzt assistiert.So kann ich nicht lernen

*Ich hatte mit meine Chefin über die Überstunden gesprochen und die hat mir gesagt ,dass Sie zählt nicht ,wenn ich zur Toilette gehe,etwas trinke oder esse.( wenn ich etwas trinke ,trinke ich nur Wasser und wie viel dauert das? 5-10 Sekunden?) Sie war auch böse auch mich,weil ich das gefragt habe und seitdem fühle ich, dass sie mit Verachtung zu mir spricht.
In mein Arbeitsplan steht dass ich von 7:45(aber ich komme immer 10 Minuten früher,weil eine Kollegin das mir gesagt hat) bis 18:15 in der Praxis bleiben muss,aber ich bin immer um 18:45,19:00,zwei oder drei mal um 19:35 nach Hause gegangen. Das sind viel mehr als 40 Stunden wochentlich

*Da ich nicht beim Zahnarzt assistiere und ich immer im Sterilisationsraum bin, schickt mich die Chefin immer zu Reinigungsarbeiten, Staubsaugen, Geschirr spülen ,Zimmern sauber machen...etc(einfach Reinigungsarbeiten).Ich bin einfach die Putzfrau.

*Ich hatte viele Kopfschmerzen und war in der Praxis, mein Schmerz nahm stark zu, ich hatte schon sehr starke Kopfschmerzen jeden Tag.

*Wegen die massive Reinigung habe ich Rückenschmerzen bekommen.

So jeztz bin ich circa 4 Wochen Krank, und möchte mich Kündigen oder einfach ein andere Job machen und nicht das.
Ich habe gar kein Interesse mehr als Zahnmedizinische Fachangestellte,der Beruf gefäll mir nicht.

Ich habe leider mein Probezeit beendet.(die Probezeit war nur 2 Monaten).Ehrlich gesagt, möchte ich nicht zu dieser Firma zurückkehren.

1.-Ein Bekannter von mir erzählte mir, dass ich, wenn ich die Firma verlasse, die Ausgaben der Schule bezahlen müsste und das Geld für die drei Monate, in denen ich dort war, zurückzahlen müsste. ist das richtig?

2.-Kann die Chefin mich kündigen,weil ich krank 4 oder vielleicht mehrere Wochen sein werde?

3.-Wenn ich einen Minijob für ein oder zwei Stunden pro Tag bekomme, kann ich das Unternehmen verlassen?

Bitte antworten Sie so schnell wie möglich, es ist dringend und vielen Dank im Voraus.

Iman: 11.01.2018 10:44:54 |
  • RE: EQJ Kündigung

    Hallo Iman,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Mannometer, bei dir ist ja so einiges schiefgelaufen in der Praxis! Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.
    In deiner Anfrage sehe ich, dass du ein Einstiegsqualifizierungsjahr machst. Auch das unterliegt dem Berufsbildungsgesetz. Deshalb will ich dir hier erstmal ein paar rechtliche Informationen zu deiner Situation in der Praxis geben.

    Überstunden und Arbeitszeit:
    Das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!

    Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Volljährige dürfen durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden arbeiten – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!

    Achtung: Wenn du nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb bist und es kommt zu einem Arbeitsunfall, kannst du Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.
    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz).

    Ausbildungsqualität:
    Du schreibst, dass du nur selten einem Arzt assistieren durftest und dass du generell das Gefühl hattest, nicht richtig ausgebildet zu werden. Außerdem musstest du oft putzen.
    Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!
    Wenn die ausbildungsfremden Tätigkeiten Überhand nehmen, solltest du dich wehren, denn dann ist das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet.

    Es ist klar, dass dich die Situation in der Praxis stark belastet hat. Deshalb musstest du dich krankschreiben lassen und bist jetzt seit 4 Wochen nicht in der Praxis gewesen. Du möchtest auch nicht zurück und das kann ich gut verstehen.
    Du schreibst, dass dir der Beruf Zahnmedizinische Fachangestellte nicht gefällt. Du möchtest also kündigen und den Beruf aufgeben. Diese Form der Kündigung nennen wir:
    Ordentliche Kündigung wegen Berufsaufgabe:
    Jeder hat ein Grundrecht auf freie Berufswahl - das steht in der deutschen Verfassung. Deshalb hast du immer die Möglichkeit, mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen, wenn du die Berufsausbildung aufgeben und/oder den Ausbildungsberuf wechseln willst (§22 Berufsbildungsgesetz). Es genügt, wenn zum Zeitpunkt der Kündigung der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe oder zum Berufswechsel vorliegt. Das bedeutet aber nicht, dass du die Ausbildung in diesem Beruf nie wieder fortsetzen kannst. Du kannst deine Meinung auch wieder ändern, dich erneut bewerben und die Berufsausbildung in demselben oder in einem anderen Betrieb fortsetzen. Zum Zeitpunkt der Kündigung muss aber der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe vorliegen und du solltest diese Kündigung nicht verwenden, wenn du nur den Ausbildungsplatz wechseln willst. Wenn du ordentlich kündigst aber nur den Ausbildungsplatz wechseln willst und dein ehemaliger Betrieb dahinter kommt, kann er dich unter Umständen auf Schadensersatz verklagen. Zudem kann es zu Problemen mit der zuständigen Kammer beim Eintragen deines neuen Ausbildungsverhältnisses kommen.

    Unabhängig von der Kündigungsart stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, auf die du dir einen Anspruch erworben hast, zum Beispiel Restgehalt, Urlaubsansprüche die ausbezahlt werden müssen, Arbeitszeugnis. Überlege dir die Kündigung gut. Kündige nie in Situationen, in denen du unter Druck gesetzt wirst! Hier findest du eine Vorlage für eine ordentliche Kündigung:

    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

    Ort/Datum

    Ordentliche Kündigung

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit kündige ich mein Ausbildungsverhältnis nach § 22 Abs. 2 Nr. 2 Berufsbildungsgesetz mit vier Wochen Frist zum ________(Datum eintragen, das in vier Wochen sein wird), weil ich meine Berufsausbildung aufgeben will.

    Mit freundlichen Grüßen,
    ____________(Unterschrift Azubi)

    Du solltest dir allerdings vorher überlegen, wie es für dich weitergehen soll. Außerdem solltest du den Träger deiner EQJ-Maßnahme (die Agentur für Arbeit) darüber informieren, dass du die Ausbildung nicht weitermachen möchtest. Gemeinsam könnt ihr dann auch überlegen, was du stattdessen machen kannst.

    Du hast von einem Bekannten gehört, dass du das Schulgeld und auch deine Ausbildungsvergütung zurückzahlen musst, wenn du die Ausbildung abbrichst. Das stimmt nicht!!! Du musst nichts bezahlen, wenn dir der Beruf nicht gefällt und du ihn aufgeben möchtest.

    Eine weitere Frage war, ob dich deine Chefin kündigen kann, wenn du krankgeschrieben bist. Nein, das kann sie nicht! Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (§3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse.

    Generell solltest du schauen, wie es für dich weitergeht. Ein Mini-Job kann dir vielleicht über eine gewisse Zeit weiterhelfen. Allerdings ist das keine gute Alternative zu einer Ausbildung!

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Geschäftsstelle Krefeld
    Virchowstr. 130a
    47805 Krefeld
    Tel.: 02151/8167-0
    E-Mail: bz.lnr@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.01.2018 12:00:31


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